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Brasilien: Test bestanden!

Der erste Titel im eigenen Land seit 1989 ist geschafft. Brasilien hat den ersten Test zumindest sportlich bestanden. Nun soll in knapp einem Jahr der große Wurf gelingen.

Analyse
Von Fabian Biastoch

Rio de Janeiro.
Was für ein Abschluss des Confederations Cup! Brasilien siegte deutlich mit 3:0 gegen den Welt- und Europameister Spanien. Neymar und Fred avancierten im Verlauf des Turniers zum echten Traumduo in der Offensive.

Brasilien ist fußballverrückt und vor der Generalprobe Confed Cup bangten die Fans der Selecao um ihre Mannschaft. Ende des vergangenen Jahres zog der CBF die Reißleine und beurlaubte Mano Menezes. Felipao, wie Luiz Felipe Scolari gerufen wird, sollte den Erfolg zurückbringen. Zusammen mit Carlos Alberto Parreira holte er zwei WM-Titel und dieses Duo sollte den Glanz der großen Fußballwelt nach Brasilien zurückbringen.

Doch zuerst schlug die Ernüchterung ein. Gegen keinen namhaften Gegner konnte die Selecao einen Erfolg verbuchen. In London unterlag man den "Three Lions" (1:2), ebenso wollte bei der offiziellen Einweihung des Maracana kein Sieg gegen den 1966'er Weltmeister gelingen (2:2) oder beim Remis gegen Italien (2:2).

Kurz vor dem Confed Cup aber war es soweit. Nach monatelangem Trauerspiel gegen ehemalige Weltmeister durfte die Selecao on Porto Algere gegen Frankreich deutlich jubeln (3:0). Der Test vor der Generalprobe war bestanden und gab der Mannschaft schlussendlich das nötige "Selbstvertrauen", wie Scolari nach der Partie sagte.

Locker gegen Japan - Arbeit gegen Italien

Mit dem Sieg im Gepäck empfangen die Brasilianer den Asienmeister Japan. Und es wurde deutlich (3:0)! Neymar gleich kurz nach Anpfiff mit seinem ersten Tor vor dem heimischen Publikum, besser konnte es für die Fans nicht werden. Auch die nächste Partie der Vorrunde gelang ohne Probleme. Mexiko strauchelt in diesen Tagen und war kein ebenwürdiger Gegner (2:0). Erst Italien brachte größere Probleme.

Der Vize-Europameister verlangte der Selecao erwartungsgemäß mehr ab als Mexiko und Japan. Das Ergebnis (4:2) ist deutlicher als das Spiel es eigentlich war. Die Abwehr der Italiener stand sicherer und die Offensivpower um Mario Balotelli stach immer wieder gefährlich zu. Hinzukam noch, dass Stammverteidiger David Luiz verletzt ausgewechselt werden musste. Aber mit Champions-League-Sieger Dante saß der richtige Mann auf der Bank und beschwerte seiner Heimatstadt Salvador da Bahia die knappe 1:0-Pausenführung. Der Sieg bedeutete auch, dass man Spanien erst im Finale begegnen konnte oder musste.

Harte Nuss Uruguay geknackt

Im Halbfinale wartete der Klassiker gegen Uruguay. Dieses Spiel war der Wendepunkt und die härteste Partie von Neymar und Co. Auch wenn der Copa-America-Sieger in der WM-Qualifikation strauchelt, so waren Diego Forlan, Edinson Cavani und Luis Suarez gegen Erzrivale Brasilien topfit. Uruguay rang Brasilien alles ab. Sie drückten die Gastgeber tief in die eigene Hälfte und hätten es in der 13. Minute fast geschafft in Führung zu gehen. Doch dem Brasilien-Legionär Forlan gelang vom Punkt kein Tor. Die Partie war eng und auf Messersschneide, deren Ende glücklich für Brasilien war. Erst kurz vor Abpfiff köpfte Paulinho die Selecao ins Finale (2:1).

Hier sollte nun der Rekord-Weltmeister gegen den amtierenden Titelträger treffen. Das Spiel war eine Demonstration. Das Offensiv-Duo Neymar und Fred harmonierte perfekt. Die kleinen Rädchen griffen ineinander und brachten den ersten großen Wurf für das fußballverrückte Brasilien.



Ein erster Wink zur Wachablösung

Aber, es gibt immer ein "aber", es ist nicht alles perfekt und so glorreich, wie es scheint. Das Spiel der Selecao gegen Uruguay war einfach schlecht. Sie fanden keinen Weg durch die gegnerische Abwehr und kamen durch Glück weiter. Auch wenn Scolari behauptete, die Spanier hätten eine Partie weniger auf dem Buckel, da sie gegen Tahiti ihre Stammelf schonen konnten, waren sie einfach müde. Die Saison war lang und schwer. Es war nicht das Spanien, was es sein wollte. Die Verlängerung gegen Italien war noch in den Beinen, auch die klimatischen Bedingungen waren für den Weltmeister ungewohnt.

Das Maracana hat schon viele denkwürdige Spiele gesehen. Ob nun am 16. Juli 1950 die bittere Niederlage gegen Uruguay oder am 19. November 1969 das 1000. Tor von "O Rei". In knapp einem Jahr wird es wieder ein großes Match geben. Steht Brasilien dann auch im Finale wird es für jeden Gegner ungemein schwer sie zu schlagen. Fußballerisch ist es möglich, aber gegen dann schätzungsweise mehr als 60.000 Brasilianer ist es in dieser Kathedrale ein Kraftakt. Wen es auch "trifft" er muss gegen eine Gelb-Grüne Mauer spielen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag fand keine Wachablösung im Weltfußball statt, dafür war es eben doch "nur" der Confederations Cup, aber doch eine Generalprobe fand mit einem Wink in Richtung Spanien ihren perfekten Abschluss. Scolari hat eine Mannschaft gefunden, ein Team was für sich einsteht und kämpft. Neymar ist von einem jungen, arroganten Starlet zu einem Mannschaftsspieler und Anführer gereift. Mit noch einem Jahr zum Arbeiten, kann man getrost sagen: Sportlich hat Brasilien den Test bestanden!

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