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Borussia Mönchengladbach: Favres Wunschspieler sind da!

Viele Indianer, keine Häuptlinge: Lucien Favres Personalpolitik auf dem Prüfstand

Borussia Mönchengladbach: Favres Wunschspieler sind da!

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Bisher konnte die sportliche Leitung drei Spieler an den Niederrhein lotsen, die die Anhänger des Traditionsklubs hoffen lassen. Doch wie passen sie in die Hierarchie?

Analyse
Von Gregor Becker

Mönchengladbach. Als Lucien Favre die Profis von Borussia Mönchengladbach am Montag vor mehr als 500 Fans zum Aufgalopp bat, strahlte er über das ganze Gesicht. Zwar musste er noch auf zehn urlaubende Nationalspieler verzichten, doch Sportdirektor Max Eberl hat dem Schweizer in dieser Transferperiode seine Wünsche erfüllen können. Mit Ex-Herthaner Raffael wurde nun auch der "Königstransfer" unter Dach und Fach gebracht und so kann die Mission "einstelliger Tabellenplatz" starten.

Anführer gesucht

"Die drei Neuen sind top, bringen uns viel. Wir haben zurzeit auch sechs A-Jugendliche im Training. Super, dass der Verein so etwas in der Pipeline hat. Ich werde sie mir genau ansehen, vielleicht sind da noch gute Überraschungen dabei! Ich blicke hier sehr zufrieden in die Zukunft", erklärte Lucien Favre gegenüber bild.de. Dabei stellt sich allerdings die Frage, wie sich die Borussia zukünftig hierarchisch aufstellen wird, denn bei allem Potenzial des bisherigen Teams sowie der Zugänge sucht man vor allem in Mittelfeld und Angriff einen echten Anführer.

Raffaels Gastspiel auf Schalke verlief durchwachsen

Raffael, Kramer und Kruse müssen ihren Platz erst finden

Natürlich freut sich Favre über die Verpflichtung von Raffael, mit dem er nach seiner Zeit in Zürich und bei Hertha BSC nun zum dritten Mal zusammenarbeiten wird. Der "polyvalente" Brasilianer kann in der Offensive nahezu jede Position ausfüllen, gilt als schnell, kreativ und torgefährlich, doch er versteckt sich auch gerne, wenn es in der Mannschaft nicht wie gewünscht läuft. Neuzugang Christoph Kramer ist hoch talentiert, allerdings auch eher eine Option für die Zukunft, wenn ihn Bayer Leverkusen nicht in zwei Jahren ohnehin zurückruft. Und auch Max Kruse muss trotz seiner Bundesligaerfahrung zunächst noch seinen Platz in der Fohlenelf finden.

Die Krux: Alle drei Neuzugänge haben das Zeug für die Startformation, sind aber zumindest zunächst eher Indianer denn echte Häuptlinge.

Fliegt "Leader" Marx aus der Mannschaft?

Es deutete sich bereits in der letzten Saison an, dass Thorben Marx seinen Platz in der Doppelsechs verlieren könnte. Der gebürtige Berliner schaffte ohnehin erst Mitte der Hinrunde den Sprung in die Startelf, als sich andeutete, dass Granit Xhaka mehr Eingewöhnungszeit brauchte und mit der Rolle des Anführers überfordert war. Marx war es, der den Laden defensiv zusammenhielt, aber auch spielerisch an seine Grenzen stieß. Reicht es also in dieser Spielzeit noch zu einem Stammplatz oder fliegt der Leader aus dem Team? Der Schweizer Nationalspieler Xhaka wird wie auch Havard Nordtveit weiter an seinen Führungsqualitäten arbeiten müssen. Beiden fehlt (noch) die Konstanz, um vorneweg zu marschieren und einer von beiden könnte von "Lehrling" Kramer verdrängt werden.

Jubelte in der letzten Saison zweimal gegen seinen neuen Arbeitgeber Mönchengladbach: Max Kruse

Kruse und Raffael wie Herrmann und Arango

Weiter vorne hing in der letzten Saison vieles von Juan Arango und Patrick Herrmann ab, die jedoch beide nicht unbedingt als Führungsspieler gelten. Dabei ist die Borussia auf die Genialität der Freigeister angewiesen, doch vor allem Arango tauchte in der Rückrunde komplett ab. Raffael könnte den Venezolaner mittelfristig auf der linken Außenbahn verdrängen, aber auch bei ihm wartete man in der Vergangenheit häufig vergeblich auf einen echten "Sahnetag", wenn es in der Mannschaft nicht lief. So ruhen in der Offensive die Hoffnungen auf Max Kruse, der beim SC Freiburg das Heft in die Hand nahm und dabei mit elf Toren und acht Vorlagen zu glänzen wusste. Eingewöhnungszeit bei den Fohlen darf er nicht lange brauchen.

Stranzl und Brouwers gehen voran

Während man bei Borussia Mönchengladbach in Mittelfeld und Angriff also darauf hoffen muss, dass einer der vielen jungen Spieler den nächsten Schritt macht, braucht sich die sportliche Leitung in der Defensive zunächst keine Sorgen zu machen. Mit Martin Stranzl und Roel Brouwers hat man zwei Innenverteidiger mit echten Führungsqualitäten. Doch beide Abwehrspieler kommen in die Jahre, Stranzl steht vor seinem vermutlich letzten Vertragsjahr und Brouwers spielte zumeist nur, wenn sich ein etatmäßiger Abwehrspieler verletzt hatte. Allerdings schickt sich Alvaro Dominguez zusehends an, sich auch als "leitender Angestellter" hervorzutun uns so könnte er zur übernächsten Saison endgültig zu Borussias Abwehrchef avancieren.

Nicht immer erste Wahl - Borussias Mister Zuverlässig: Roel Brouwers

Neuzugänge schließen "Führungs-Vakuum" nicht

Unterm Strich bleibt jedoch der Mangel an echten Häuptlingen, der durch die Neuzugänge nicht behoben scheint und so muss Lucien Favre vom ersten Spieltag an auf der Hut sein. Die beiden schweren Auswärtsspiele in München und in Leverkusen, dazwischen der Heimauftritt gegen "Wundertüte" Hannover, könnten schnell zu einer Abwärtsspirale führen, der man nur mit starken Charakteren Einhalt gebieten kann. Somit stehen Favres Wunschspieler ebenso auf dem Prüfstand wie die bereits arrivierten Kicker. Wenn das Vakuum in Sachen Führungsqualität nicht schnell gefüllt wird, könnten die Fohlen bei allem Potenzial vor der nächsten komplizierten Saison stehen.

EURE MEINUNG: Fehlen Borussia Mönchengladbach die Führungsspieler?

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