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Der Superstar der Selecao war in bestechender Form gegen Mexiko. Das war wohl seine schönster Auftritt im brasilianischen Team - mit einem Tor und einer Vorlage.

KOMMENTAR
Von Tom Webber | Brasilien-Experte

Brasilien muss sich bei Neymar bedanken, dass er dem Gastgeber den Weg ins Halbfinale des Confederations Cups geebnet hat. Der Neuzugang des FC Barcelona sorgte mit seiner eindrucksvollsten Vorstellung mit der "Selecao" dafür, dass das Team trotz einiger Probleme in die Vorschlussrunde einzieht.

Trotz einer sehr guten Quote von 138 Toren in 230 Spielen für Santos bleibt der 21-Jährige ein Spieler, der die Meinungen von Fans und Experten in zwei Lager teilt. Nachdem man seinen Namen in einem Atemzug mit Größen wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo nannte, wurde ihm unterstellt, nicht die gleichen Fähigkeiten wie die beiden Größen des Fußballs zu haben. Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit wurden laut und man fragte sich, ob er tatsächlich ein Großer sein könne.

Das war so bis zum Beginn des Confederations Cup. Neymar stieg mit einem atemberaubenden Treffer nach nur drei Minuten im Auftaktspiel gegen Japan ins Turnier ein und legte damit die Messlatte der Erwartungen sehr hoch an.

Gegen Mexiko am Mittwoch machte der Youngster abermals den Unterschied aus und buchte seinem Team den Platz im Halbfinale.

Die Vorstellung gegen Mexiko war ohne Zweifel seine beste im Dress der Brasilianer. Zwar sorgte er bereits gegen Ecuador mit zwei Toren dafür, dass sein Team in dritten und letzten Spiel der Copa America 2011 den Gruppensieg einfuhr, aber heute, zwei Jahre später und mit dem immensen Druck eine Ablösesumme von 57 Millionen Euro im Nacken, wird die Erwartung nicht kleiner.

Neymar schrieb via Instagram vor dem Spiel, dass er aus den Unruhen in Brasilien Kraft schöpfen würde: "Die einzige Möglichkeit, die ich habe, Brasilien zu vertreten und die Rechte der Bevölkerung des Landes zu verteidigen, ist auf dem Feld mit Fußballspielen... und für dieses Spiel gegen Mexiko gehe ich auf das Feld und bin durch diese Bewegung inspiriert." Er hat uns nicht enttäuscht.

Nach nur neun Minuten riss der Youngster das Spiel an sich und zeigt großartige Technik dabei, einen Schuss volley präzise ins untere Eck des Tores zu setzen. Doch nach einer Zeitspanne von elektrisierenden zehn Minuten nahm Brasilien wieder einmal den Fuß vom Gaspedal. Eine andere Mannschaft als Mexiko, die mit größerem Mut operiert hätte, wäre an diesem Abend wahrscheinlich in der Lage gewesen, das für sich nutzen zu können und den Gegner zu bestrafen.

Doch nichtsdestotrotz wurde es im Stadion immer dann laut, wenn Neymar den Ball nur berührte. Er weigerte sich aufzuhören und sorgte somit dafür, dass die Zuschauer auf ihre Kosten kamen. Mit einem magischen Moment und einem wunderbaren Übersteiger sorgte er dann für die Vorbereitung von Brasiliens zweitem Treffer durch Jo.

Die richtige Balance im Mittelfeld zu finden bleibt ein großes Problem für Luiz Felipe Scolari, welches er dringend lösen muss und gegen Mexiko musste man sich sogar im Angriff auf Neymar alleine verlassen. Hulks Einsatz war sicherlich löblich, aber handwerklich erwies er sich wieder einmal als unzureichend und seine Durststrecke auf internationalem Parkett hält nun seit sieben Spielen an.

Fred und Oscar waren fast nicht existent. Der Fluminense-Stürmer ist ein Raubtier im Strafraum, aber wenn er keine Vorlagen erhält, wird er sehr schnell sehr ruhig um ihn. Oscar spielte ungewohnt schlecht und konnte seinem Team keinerlei Impulse geben.

Aber mit seiner eindrucksvollsten und seiner wichtigsten Leistung für Brasilien zeigte das virtuose Talent, wieso der amtierende spanische Meister bereit war, eine solch hohe Summe in ihn zu investieren. Nach dem Spiel erklärte Scolari, dass der Selecao-Held sich bereits als einer der Besten im Spiel bewährt habe: "Neymar ist ein Spieler, der wie wir alle wissen einer der Top drei in der Welt ist und das im Alter von gerade einmal 21 Jahren. Das ist fantastisch. Jetzt ist die Zeit, um all die Qualität, die er sich bei Santos angeeignet hat, im Confed Cup zu zeigen – und dann kommt ja noch die WM."

Vielleicht war es Neymars größte Nacht im Dress der Brasilianer, welche die größten Probleme bei Brasiliens Team überdeckte. Da nun aber Italien und möglicherweise Spanien auf sie warten, wird Brasilien nicht in der Lage sein, sich ausschließlich auf den 21-Jährigen zu verlassen, um gegen erfolgreiche Mannschaften bestehen zu können.

Eure Meinung: Was muss Brasilien tun, damit das Spiel nicht nur auf Neymar ausgerichtet ist?

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