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Italiens Mario Balotelli im Spiel gegen Mexiko

Mario Balotelli erobert die Fußballwelt als alleinige Sturmspitze – eine schlechte Nachricht für Stephan El Shaarawy

Italiens Mario Balotelli im Spiel gegen Mexiko

Getty Images

Der Milan-Stürmer brillierte zum Auftakt des Confed Cups beim Sieg der "Azzurri" gegen Mexiko. Ein Tatsache, die für Mitspieler El Shaarawy nicht ohne Folgen bleiben könnte.

KOMMENTAR
Von Mark Doyle | Italien-Experte

Andrea Pirlo dominiert das Spiel der Italiener – mal wieder. Doch Mario Balotelli dominiert die Schlagzeilen – mal wieder. Zunächst bleibt also eigentlich alles beim alten.

Nur zwei Wochen nachdem Balotelli beim 0:0 Italiens in Tschechien unter gellenden Buh-Rufen den Rasen der Generali-Arena nach einer Gelb-Roten Karte verlassen musste, begeisterte der Angreifer die Zuschauer zum Auftakt des Confederations Cups beim 2:1-Erfolg gegen Mexiko.

Es war ein enorm bedeutender Auftritt von Balotelli. Nicht ganz dasselbe Niveau wie bei seiner Zwei-Tore-Gala im Halbfinale der EURO 2012 gegen Deutschland vor zwölf Monaten, aber dennoch bedeutsam. Tatsächlich war es keine Überraschung, dass er seinen Siegtreffer in der 78. Minute in gleicher Art und Weise zelebrierte wie sein zweites Tor gegen die DFB-Elf: mit der unverwechselbaren Sixpack-Jubelpose.

ZEIT DER ALTEN GARDE VORBEI?

DIE MEXIKANISCHE PERSPEKTIVE
"Die Leistung der Veteranen Francisco "Maza" Rodriguez und Carlos Salicido gegen Italien warf erneut die Frage auf, ob Trainer Jose Manuel de la Torre an der alte Garde festhalten sollte, während die Olympiasieger von 2012 auf ihre Chance hoffen."

"Der ehemalige Stuttgarter Rodriguez, der sich gegen Balotelli vor dessen Treffer zu naiv verhielt, spürt den Druck, den sein 20-jähriger Teamkollege von Club America, Diego Reyes, auf ihn ausübt. Er bringt alle Qualitäten mit, um der nächste Rafael Marquez zu werden. Im Falle von Salcido wäre der 25-Jährige Jorge Torres Nilo die bessere Alternative. Er agiert weitaus dynamischer auf der linken Seite."

"Im Mittelfeld legte Gerardo Torrado zwar ein solide Performance hin, doch Hector Herrera bringt viel Talent mit und würde von den hochkarätigen Spielen beim Confed Cup profitieren."

Tom Marshall | Mexiko-Experte
Balotellis Ekstase war natürlich nachvollziehbar. Im Vorfeld des Spiels hatet eine weitere Debatte über sein kaum zu zügelndes Temperament die Öffentlichkeit beherrscht. Nach seinen zwei Verwarnungen innerhalb von nur vier Minuten sah sich der Milan-Stürmer einer wahren Tirade auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ausgesetzt.

Der ehemalige Weltklassestürmer Ronaldo forderte Balotelli auf, die Provokationen auf dem Spielfeld einfach zu ignorieren und warnte ihn zugleich davor, seine Karriere leichtfertig zu gefährden. Der frühere Inter-Stürmer Adriano könne davon ein Lied singen. Balotelli könne hingegen so gut werden wie Lionel Messi, ist sich "Il Fenomeno" sicher. Carlos Dunga hatte "Super Mario" zuletzt sogar mit Pele verglichen.

Dann, zwei Tage vor Italiens Auftaktspiel beim Confed Cup, entstand bereits der Eindruck, dass sich Trainer Cesare Prandelli für eine Systemänderung hin zu einem 4-3-2-1-Tannenbaumsystem entschieden hat – mit "Super Mario" als einzige Spitze.

Der Druck auf Balotelli im ersten Turnierspiel war also immens. Früh in der zweiten Halbzeit schien er erneut die Nerven zu verlieren – mal wieder. Erst revanchierte er sich für ein robustes Einsteigen von Gegenspieler Gerardo Torrado. Nur drei Minuten später warf Balotelli seinen Schuh, den er im Zweikampf mit Hector Moreno in Strafraumnähe verlor, wutentbrannt auf den Boden. Es schien nicht mehr viel zu fehlen, bis er die Nerven erneut verlieren würde.

Doch dann geschah etwas Ungewöhnliches: Balotelli schien die Worte Ronaldos zu beherzigen und antwortete in der besten Art und Weise auf die Provokationen: mit einem Tor. Zwölf Minuten vor dem Ende kam Balotelli nach einem schönen Zuspiel von Emanuele Giaccherini vor Francisco Javier Rodriguez an Ball und vollendete zum spielentscheidenden 2:1 – die perfekte Antwort auf Mexikos harte Gangart.

Es war gleichzeitig die Rechtfertigung für Prandelli. Die Änderung des Spielsystems am Vorabend eines Turnierbeginns war ein mutiger Schritt, aber zugleich ein notwendiger.

Niemand war vom Wechsel Mario Balotellis im vergangenen Januar zum AC Mailand mehr begeistert als Prandelli. Dies bedeutete, dass er nicht nur in der "Squadra Azzurra" zusammen mit Stephan El Shaarawy ein Sturmduo bilden würde, sondern auch Woche für Woche im Verein. Sie sollten die italienische Nationalmannschaft zur WM 2014 nach Brasilien führen.

Doch während Balotelli bei den "Rossoneri" begeistern konnte, hat El Shaarawys Leistung darunter gelitten. Das 20 Jahre alte Sturmtalent erzielte vor Balotellis Ankunft noch 15 Tore, anschließend ließ er nur ein weiteres folgen. Dieser Negativtrend könnte einfacherweise mit einer Formkrise erklärt werden. Doch es macht mehr den Anschein, dass die beiden spielerisch nicht zueinander passen – weil einfach kein Angreifer zu Balotelli passt.

Es gibt Gründe, weshalb Milan nicht Balotelli und Giampaolo Pazzini nebeneinander stürmen lässt. Es gibt Gründe, warum Balotelli schon in diesem frühen Stadium seiner Karriere zu keinem Sturmpartner eine besonders innige Beziehung pflegt. Balotelli hat viele wundervolle technische Fähigkeiten, aber er bewegt sich eben schlecht. Er wurde für seine Rolle verehrt, die er in Manchester Citys Meistersaison neben Sergio Agüero spielte, aber er ist nicht sonderlich geschickt im Umgang mit anderen.


Einzige Sturmspitze | Balotelli beeindruckte im italienischen Angriff

Der einzige Spieler, mit dem er auf einer Wellenlänge zu sein scheint, ist Antonio Cassano. Der gebürtige Barese spielte aber bei der EURO 2012 nicht neben Balotelli, sondern genoss hinter Italiens Nummer neun alle Freiheiten im Offensivbereich. Balotelli war vorne auf sich allein gestellt, so wie es gegen Mexiko der Fall war.

Daher könnte die Vorstellung des 22-Jährigen Enfant terribles die Zweifel an einem Verbleib von El Shaarawy im San Siro weiter schüren. Ein Abnehmer stände mit Manchester City bereits in den Startlöchern und auch Milans Geschäftsführer Adriano Galliani gab kürzlich bereits ziemlich treffend zu, dass der 20-Jährige "nicht mehr unverkäuflich" sei. Mit den Einnahmen aus einem Verkauf El Shaarawys könnten die Lombarden das Geld umgehend reinvestieren, um einen konkurrenzfähigen Angriff um Balotelli herum aufzubauen.

Wie er gegen Mexiko eindrucksvoll demonstrierte, ist Balotelli nicht nur in der Lage, die gegnerische Abwehr zu überwinden. Er ist ebenso in der Lage – und das ist noch viel wichtiger – das Beste aus sich herauszuholen. Das ist der Grund, weshalb Prandelli sich entschied, El Shaarawy zum Wohl der "Azzurri" zu opfern. Galliani könnte diese Entscheidung für den AC Mailand in naher Zukunft ebenfalls treffen.

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