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Leon Goretzka: Schalke 04 will ihn - der VfL Bochum kämpft verzweifelt

Das Gerangel um Bochums Leon Goretzka droht zu einer unwürdigen Farce zu werden. Schalke will den Spieler, dieser hat eine Ausstiegsklausel. Nun streiten sich beide Seiten.

ANALYSE
Von Hassan Talib Haji

Gelsenkirchen/Bochum. Der FC Schalke 04 ist an einer Verpflichtung von Toptalent Leon Goretzka interessiert und hat sich mit dem Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Gold längst auf einen langfristigen Vertrag geeinigt. Der Junioren-Nationalspieler will den VfL Bochum verlassen. Das ist augenblicklich der Fakt. Goretzkas Berater Jörg Neubauer hat indes preisgegeben, dass sein Schützling eine Ausstiegsklausel besitzt. Doch ein Transfer kommt noch nicht zustande.

Fehlende Entwicklungsmöglichkeit?

Leon Goretzka ist Stammspieler und absolvierte 32 Ligapartien. Der VfL Bochum spielte im Tabellenkeller der Zweiten Bundesliga und wäre in der abgelaufenen Spielzeit beinahe in die Relegation gerutscht. Goretzka wird bei dieser Erfahrung eine Menge für sich gelernt haben. Vielleicht auch die Erkenntnis, dass der VfL ihn nicht mehr weiterentwickeln kann. Die Frage, weshalb er den Verein verlassen möchte, lässt sich an der schlechten sportlichen Perspektive festmachen. Der finanzielle Faktor dürfte eine untergeordnete Rolle spielen. Denn es ist unbestritten, dass der Achter mit seinem Herz an diesem Traditionsklub hängt. Seit der F-Jugend schnürt Goretzka mittlerweile seine Stiefel für den VfL.

LEON GORETZKA | Bochum, Mittelfeldspieler, 18

SAISONSTATISTIKEN
Einsätze 32
Tore 4
Assists 5
SPIELERAKTE
Vertrag bis 2016
Geschätzter Marktwert 3,5 Millionen Euro
Im Verein seit 2001

Bei allem gebotenen Respekt den Bochumern gegenüber: Goretzka braucht bessere Mitspieler, um selbst besser werden zu können. Zudem wird er an der Castroper Straße in Watte gepackt. Der nötige Konkurrenzkampf im Kader des S04 wird für den Mittelfeldspieler ein Ansporn sein. Er wird dort um seinen Platz ackern müssen, diese Situation spielt in seiner Karriereplanung mit großer Wahrscheinlichkeit eine Rolle. In Bochum erlebt er bestenfalls das Mittelfeld von Liga zwei und wird blind aufgestellt. Auf Schalke erwartet ihn internationaler Fußball und die Erste Bundesliga. Die Wege von Mario Götze oder Julian Draxler, die bereits in seinem jetzigen Alter Champions-League-Erfahrung sammelten, dürften Goretzka nicht verborgen geblieben sein. Beides sind A-Nationalspieler. Diesen Weg möchte auch er gehen.

Streit um Ausstiegsklausel

Der gebürtige Bochumer hat eine Ausstiegsklausel in seinem Kontrakt. Dies bestätigte sein Berater Jörg Neubauer dem Kicker und der WAZ. Dem Vernehmen nach lief diese am 31. Mai ab. Übereinstimmend berichten sämtliche Medien, dass die festgeschriebene Summe sich auf etwa 2,8 Millionen Euro beläuft. Für das Entwicklungspotenzial Goretzkas und dessen derzeitigen Stand – ein Schnäppchenpreis. Schalke 04 hat den VfL Bochum darüber informiert, dass sowohl Verein und Spieler diese Klausel nutzen werden und Schalke-Manager Horst Heldt bereit ist, die erforderliche Summe auf den Tisch zu legen.

Rückblende: Im Sommer 2012 wäre Leon Goretzka schon fast bei einem anderen Klub gelandet, hat sich aber dennoch bis 2016 an den VfL gebunden – mit eben diesem Hintertürchen. Wäre der damals 17-Jährige letzten Sommer gewechselt, hätten die Bochumer wesentlich weniger Ablöse erhalten. So spielte Goretzka noch ein Jahr für seinen VfL und der kassiert bei einem Abgang mehr als im Sommer 2012. Nun will der 18-Jährige den Verein verlassen.

„Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken. Wenn ich dann doch einmal wech­sele, soll der VfL finanziell davon profitieren.“


- Leon Goretzka

Wenn Schalke 04 die nötigen Unterlagen, um die Klausel nutzen zu können, rechtzeitig, also bis zum 31. Mai, beim VfL Bochum eingereicht hat, dann wird der Verein nicht drum herumkommen Goretzka ziehen lassen zu müssen. Ob die Unterlagen rechtzeitig eingereicht wurden, wissen nur die Beteiligten. Dennoch wird stark davon ausgegangen, dass Horst Heldt die Rahmenbedingungen kannte und alles den Statuten entsprechend abgelaufen ist.

Bochumer Zeitspiel

Viel mehr erweckt sich der Verdacht, dass die Verantwortlichen des VfL Bochum den Wechsel absichtlich hinauszögern, um den Youngster umstimmen zu können. Mit Christian Hochstätter ist vor knapp einer Woche ein neuer Sportdirektor installiert worden. Dieser möchte nach eigener Aussage noch mal mit Goretzka sprechen. Kein Wunder, denn Hochstätter strebt es nicht an, direkt nach Amtsantritt gleich das größte Talent für einen lächerlich anmutenden Preis an den Reviernachbarn zu verlieren. Den Spieler dürfte dies allerdings kaum tangieren.

Mittlerweile ist dieses Gezerre an dem Punkt angelangt, wo der Gang vor das Arbeitsgericht in der Branche zumindest nicht als abwegig angesehen wird. Man kann nicht davon ausgehen, dass von Schalker Seite kein Wissen über die Frist der Ausstiegsklausel vorhanden war und diese amateurhaft verschlafen wurde. Es scheint nahezuliegen, dass dem VfL Bochum das eigene Vertragswerk bei Leon Goretzka eingeholt hat und die Verantwortlichen gegenüber den Fans zumindest suggerieren wollen, dass um dieses Talent mit harten Bandagen gekämpft wird.

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