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Vom "Special One" zum "Happy One": Der erste Eindruck von Mourinho beim FC Chelsea

Der Portugiese hat über die Jahre mit seinem Auftreten gegenüber den Medien bereits einige Kontroversen ausgelöst, versucht es zu Beginn aber meist mit dem Schmusekurs.

ANALYSE
Von Ben Hayward

London. Vom "Special One" zum "Happy One" – Jose Mourinho macht beim FC Chelsea von Anfang an Eindruck. Der Portugiese mag in der Vergangenheit polarisiert haben, doch die Antrittsvorstellungen zeigten ihn meist als eher versöhnlichen Typen.

Vielleicht war da sogar ein Hauch von Enttäuschung in der Luft, als Mourinho am Montag in London vorgestellt wurde, ein spürbares Bedauern bei der Presse an der Stamford Bridge, als diejenigen, die Theater und polemische Äußerungen erwartet hatten, Respekt und Höflichkeit serviert bekamen. Von dem Auftritt vor neun Jahren, als Mourinho sich erstmals mit explosivem Charme der englischen Presse vorstellte, war dies weit entfernt.

Damals war der Coach auf der Höhe seines Selbstbewusstseins, hatte den UEFA-Cup und die Champions League hintereinander mit dem FC Porto gewonnen. "Bitte nennt mich nicht arrogant, aber ich bin europäischer Champion und denke, ich bin ein "Special One", verkündete er damals.

Dieser Spitzname verfolgte ihn von da an, und Mourinho bezog sich darauf, als er am Montag zum zweiten Mal bei Chelsea vorgestellt wurde. Nun, nach turbulenten drei Jahren bei Real Madrid, haben sich seine Prioritäten allerdings etwas verschoben; er bekundete lediglich: "Ich bin der 'Happy One'!"

WIE JOSE MOURINHO SICH VORSTELLTE
BEI PORTO 2002: "WIR WERDEN MEISTER"

Porto hatte Probleme, als Jose übernahm, aber er kündigte an: "Wir werden nächste Saison Meister"
BEI CHELSEA 2004: "ICH BIN EIN "SPECIAL ONE"

"Bitte nennt mich nicht arrogant, aber ich bin europäischer Champion und denke, ich bin ein 'Special One'"– noch immer sein bester Spruch, und es gab einige!

BEI INTER 2008: SPRICHT MILANESISCHEN DIALEKT

Mou sprach perfekt Italienisch und bügelte eine Fangfrage zur Verpflichtung von Chelsea-Spielern ab, indem er sagte, er sei nicht blöd, und das im milanesischen Dialekt. Brillant.

BEI REAL 2010: DIE LÜCKE FÜLLEN

Sprach in den höchsten Tönen von Madrids Größe und sagte, jeder Coach oder Spieler, der nicht hier gewesen sei, habe eine "Lücke" im Lebenslauf
ZURÜCK BEI CHELSEA 2013: DER "HAPPY ONE"

Der Portugiese behauptet, er sei nach England zurückgekehrt, um glücklich zu sein und sagte: "Ich bin der 'Happy One'", als er am Montag vorgestellt wurde.
Es war sein erster Satz, und es sollte sich herausstellen, dass es das knackigste Zitat in einer eher ruhigen Vorstellung bleiben würde: Keine Angeberei, keine Versprechungen großer Erfolge, nur harte Arbeit und Hingabe. Doch es war, wie immer bei Mourinho, sehr einnehmend.

Bei seiner zweiten Vorstellung beim FC Chelsea sprach der 50-Jährige auch über Roman Abramovic ("Ich habe immer gelesen, ich sei gefeuert worden – das stimmt nicht"), über Sir Alex Ferguson ("Ich bin ein wenig enttäuscht, dass er nicht mehr da ist"), über seine Schwächen ("Ich versuche sie zu verstecken"), über John Terry ("Ich versuche, das Beste aus ihm herauszuholen"), über seinen Vorgänger ("Benitez' Entscheidungen sind Benitez' Entscheidungen"), darüber, Iker Casillas fallen zu lassen ("Alle meine Entscheidungen beruhen auf dem Leistungsgedanken") und auch über Andres Iniestas Aussage, er habe dem spanischen Fußball geschadet ("Ich habe dem spanischen Fußball geschadet, weil ich Barcelonas Dominanz gebrochen habe").

Alles faszinierend, aber frei von kontroversen Attacken und Kritik an anderen. Die Zeit dafür wird kommen; am Montag ging es darum, um Zuneigung und Zustimmung zu werben.

In Porto  übernahm er im Januar 2002, als das Team in der Liga durchhing, aber er versprach großspurig Erfolg in der ersten Saison. "Im nächsten Jahr sind wir Meister – das kann ich mit Sicherheit sagen", teilte er der portugiesischen Presse mit, die begeistert applaudierte.

Und er hielt sein Versprechen, führte Porto zu zwei Meisterschaften, der Supercopa, einem Pokal, dem UEFA-Cup und schließlich zum Gewinn der Champions League, bevor er auf der Höhe des Erfolgs abtrat und 2004 zu Chelsea wechselte.

Es war zu diesem Zeitpunkt, als er seine berühmte "Special One"-Zeile sprach, die zu seinem Spitznamen wurde, während er in Italien die Presse für sich einnahm, indem er Fragen in einwandfreiem Italienisch beantwortete und einmal sogar im lokalen Dialekt auf eine Frage reagierte, als man ihn fragte, ob Spieler wie Lampard oder Essien sich an die Serie A gewöhnen könnten. "Non sono pirla" – sprach er zur allgemeinen Erheiterung: "Ich bin nicht blöd!"

Es gab ebenso nette Worte für den ehemaligen Inter-Boss Roberto Mancini ("Ich respektiere die Arbeit eines großen Trainers wie Mancini, aber ich bin anders") und für den Verein selbst ("Mourinho ist Trainer eines besonderen Vereins"), während er fortfuhr und über eine spezielle Beziehung zu den Spielern sprach und darüber, den italienischen Fußball wieder zu alter Größe zu führen.

Genau wie in England waren die Zuhörer angemessen verführt worden. Aber wie habe er die Sprache so schnell gelernt, wurde er gefragt. Seine Antwort: "Ich bin sehr intelligent. Ich habe erst vor vier Wochen begonnen, Italienisch zu lernen, es ist eine romanische Sprache, genau wie Portugiesisch. Ich spreche gut Spanisch, also ist es nicht schwierig."

Bei seiner Vorstellung in Madrid sprach er allerdings dann ein Spanisch, das sehr beeinflusst war von seiner Muttersprache Portugiesisch und dem Italienisch, das er vor und während der Zeit bei Inter gelernt hatte. "Können Sie mein furchtbares Kastilisch verstehen?" frage er unter Gelächter. Sie konnten, natürlich. "Ich weiß nicht, ob ich zum Real-Madrid-Coach geboren wurde", fuhr er fort. "Aber ich wurde zum Fußballtrainer geboren." Und er fügte hinzu: "Eine Sache, die ich meinen Spielern gern einimpfen würde: "Special, special, special" ist nicht, für Real zu spielen oder sie zu trainieren; "Special, special, special" ist es in Madrid, zu gewinnen. Das ist meine Motivation."

Heute ist der 10. Juni, Portugal-Tag. Ich bin Portugiese. Ich liebe Abenteuer, wie die Portugiesen der Vergangenheit - ich war immer so etwas wie ein Seefahrer.

- Jose Mourinho am Montag

Barcelona war eine weitere Motivation, und viele Kämpfe mit dem Erzrivalen lagen da noch vor ihm, aber 2010 erklärte Mourinho: "Ich bin keineswegs Anti-Barcelona, nicht im Geringsten. Ich bin Trainer von Real Madrid und mit der Konstruktion eines großartigen Real Madrid beschäftigt, ich kümmere mich nicht um Barcelona."

Der Portugiese wurde in Madrid vom Generaldirektor Jorge Valdano vorgestellt, und Mou hatte damals sogar nette Worte für den Argentinier übrig, bevor ein gewaltiger Machtkampf zwischen den beiden entbrannte und der ehemalige Weltmeister gezwungen war, ein Jahr später das Weite zu suchen.

Es folgten viele Probleme für Mourinho, dessen nächste Kontroverse immer schon um die Ecke lauerte, ebenso bei Inter und bei seinem ersten Engagement bei Chelsea. Am Montag jedoch gab es zunächst nur Lächeln. Der "Happy One" ist wirklich glücklich, zurück an der Stamford Bridge zu sein, und Chelsea ist glücklich, ihn zurückzuhaben. Aber wie lange wird das so bleiben?

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