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Bis Weihnachten ist es noch ein wenig hin. Aber die Transferphase ist für Fußballfans die Zeit, in der Wünsche in Erfüllung gehen. Wir schauen ganz genau hin!

ANALYSE
Von Gregor Becker

Mönchengladbach. Übergangssaison abgehakt, mit Tabellenplatz acht in der Fußballbundesliga das vorgegebene Ziel erreicht und doch hinterlässt die abgelaufene Spielzeit einige Fragezeichen bei Verantwortlichen und Fans von Borussia Mönchengladbach. Zwar investierte Sportdirektor Max Eberl über 30 Millionen Euro in den Kader, doch eine echte Einheit konnte Trainer Lucien Favre aus dem zweifellos vorhandenen Potenzial bis zum letzten Spieltag nicht formen.

Es mangelte vor allem an Konstanz. Es haperte im Aufbau- und Umschaltspiel, die Ballsicherheit der Vorsaison war verschwunden und die Mannschaft präsentierte sich vor dem Tor oft harmlos. In der Defensive agierten die Fohlen häufig sicher, ließen sich aber auch in einigen Partien vorführen.

Die sportliche Leitung sucht nun vor allem schnelle Offensivspieler und ist inzwischen auch in Nationalelfdebütant Max Kruse vom SC Freiburg fündig geworden.

Wunsch 1: Ein schneller Stürmer/Halbstürmer

Dass sich der abgewanderte Marco Reus nicht leicht ersetzen ließe, wurde bereits zu Saisonbeginn jedem deutlich. Nach einigen erfolglosen Bemühungen, einen ähnlich schnellen und torgefährlichen Spieler unter Vertrag zu nehmen, änderten Max Eberl und Lucien Favre die Marschrichtung und setzten dafür auf eine echte "Neun". In dem niederländischen Nationalspieler Luuk de Jong wurde man schließlich fündig. Bedenkt man die Bürde seiner Ablösesumme von kolportierten 12,5 Millionen Euro und seinen längeren Ausfall wegen einer Kapselverletzung in der Hinrunde, kann man unterm Strich dennoch mit der Debütsaison in der Bundesliga zufrieden sein. In 23 Spielen wurde er elf Mal aus- und sechs Mal eingewechselt. Dennoch gelangen ihm sechs Tore und zwei Assists. Lucien Favre nahm den Stürmer aus dem Team, als dieser gerade seine Torgefährlichkeit wieder entdeckte, und ersetzte ihn zunächst lieber durch Peniel Mlapa und später durch den scheidenden Mike Hanke.

Was zunächst unerklärlich zu sein schien, wird auf den zweiten Blick verständlich. Lucien Favre fühlt sich mit einem spielenden Stürmer wohler und wollte sein System nicht auf de Jong anpassen. Dessen Bemühungen weite Wege, auch bis tief in die eigene Hälfte, mitzugehen, honorierte der Trainer nicht. Mit Flanken wurde der Holländer ohnehin selten gefüttert und so kehrte man wieder vollends zum "Reus-System" zurück. Und genau dafür braucht die Fohlenelf zur neuen Saison noch einen schnellen Offensivmann, der bestenfalls nicht für sondern mit Luuk de Jong für die Fohlen auf Torejagd geht.


Er passt ins Beuteschema: Junior Hoilett, Queens Park Rangers, 22 Jahre, Angreifer

Der quirlige Hoilett würde mit seiner Schnelligkeit und seiner "Polyvalenz" perfekt in das Anforderungsprofil von Lucien Favre passen, der sich vor allem mehr Tempo in Gladbachs Offensive wünscht. Allerdings stand der Stürmer des Premier-League-Absteigers bereits im Vorjahr fast vor einem ablösefreien Wechsel zu Borussia Mönchengladbach, konnte bei der sportlichen Leitung jedoch seine Gehaltsvorstellung nicht durchsetzen und entschied sich für QPR.

Aufgrund dieser Tatsache und seinen schwächeren Leistungen in der abgelaufenen Saison, wird man am Niederrhein kaum bereit sein nun eine Ablösesumme für Hoilett zu zahlen. So setzt man zunächst auf den ebenfalls "polyvalenten" Max Kruse, der mittelfristig auch Arango auf links Konkurrenz machen könnte, und wird weiter Ausschau nach Alternativen halten. Aus dem vorhandenen Kader kommen auch Amin Younes und Branimir Hrgota als hängende Spitze infrage.



Wunsch 2: Ein zentraler, erfahrener Mittelfeldspieler

In der zweiten Saisonhälfte konnte Juan Arango nicht mehr an seine teilweise furiosen Auftritte aus der Hinrunde anknüpfen und so waren sich einige Boulevardblätter bereits sicher, dass der Venezolaner die Borussia zum Saisonende vorzeitig verlassen müsste. Dies stellte sich schnell als Gerücht heraus. Aber während der "kreativen Pausen" des 33-Jährigen wurde auch deutlich, wie sehr die mit vielen jungen Talenten gespickte Fohlenelf von der Genialität und den Ideen Arangos abhängig ist. Seine Leaderqualitäten sind überdies ebenso begrenzt wie sein Einfluss auf die Spielgestaltung, was an seiner Position auf dem linken Flügel liegt.

Ein zentraler Mittelfeldspieler muss her, der die Erfahrung eines Marx, die Bissigkeit eines Nordtveit sowie die Kreativität eines Xhaka in sich vereint und defensiv wie offensiv Impulse setzen kann.

Er passt ins Beuteschema: Siem de Jong, Ajax Amsterdam, 24 Jahre, zentraler Mittelfeldspieler.

Der Bruder von Stürmer Luuk de Jong würde wunderbar in das Anforderungsprofil passen, sollte allerdings nicht ganz billig sein und ist auch bei vielen Topklubs in Europa heiß begehrt. Der niederländische Nationalspieler steht beim Meister Ajax noch bis 2015 unter Vertrag und könnte sich einen Wechsel in die Bundesliga durchaus vorstellen.



Wunsch 3: Ein offensivstarker Rechtsverteidiger

Tony Jantschke ist einer der Dauerbrenner bei Borussia Mönchengladbach. Der 23-Jährige, der sein Bundesligadebüt bereits im November 2008 gegen Energie Cottbus gegeben hat, stand in der abgelaufenen Saison 31 Mal in der Startformation der Fohlenelf. Zudem sammelte er Erfahrung in der Champions-League-Qualifikation sowie in der Europa League und nimmt unter Coach Rainer Adrion als feste Größe mit der U21-Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in Israel teil.

Ein strammes Programm für Jantschke, der in der abgelaufenen Saison häufig überspielt wirkte. Zudem scheint er in seiner Entwicklung auf der Stelle zu treten. So konnte der defensiv stabil agierende Außenverteidiger seine Schwächen in der Offensive auch in dieser Saison nicht verbergen und schon gar nicht ausmerzen. Mit einem Tor und einem Assist hat er zwar etwas auf dem Scoreboard stehen, reicht aber bei Weitem nicht an die Effizienz eines Oscar Wendt heran, dem über die linke Seite kommend ein Treffer und fünf Torvorlagen gelangen.



Mönchengladbach wäre gut beraten, einen Rechtsverteidiger zu verpflichten, der mindestens Druck auf Jantschke ausübt oder diesen gar ersetzt und dem Team mehr Impulse nach vorne geben kann.

Er passt ins Beuteschema: Emmanuel Eboue, Galatasaray Istanbul, 30 Jahre, Rechtsverteidiger.

Der ivorische Nationalspieler steht in der Türkei noch bis Sommer 2015 unter Vertrag und hat laut transfermarkt.de einen Marktwert von etwa sechs Millionen Euro. Eboue verfügt über die nötige Erfahrung, um auch in der Bundesliga zu bestehen und ist offensiv deutlich stärker als Tony Jantschke. Allerdings könnte die Höhe der Ablösesumme und sein fortgeschrittenes Alter die Borussia abschrecken.

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