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Fans von RB Leipzig in der Red Bull Arena im Relegationshinspiel gegen Sportfreunde Lotte

Red Bull und Leipzig: Zusammen in Liga 3?

Fans von RB Leipzig in der Red Bull Arena im Relegationshinspiel gegen Sportfreunde Lotte

Fans von RB Leipzig

Am Sonntag geht es in Lotte weiter. Nach dem 2:0 im Hinspiel steht Red Bull mit einem Bein in der 3. Liga. Doch inwieweit stehen die Leipziger hinter dem Projekt Aufstieg?

Aus Leipzig berichtet Fabian Biastoch

Leipzig. Es war die 84. Minute im Drittligarelegationshinspiel (2:0) der Sportfreunde Lotte bei RB Leipzig. Zwei Balljungen laufen vor den Gästefans weg. Böller flogen in ihre Richtung. Die Polizei musste in den Gästeblock. Hier saßen eine Handvoll Lotte-Fans und mehrere hundert "Verbündete".

Der Leipziger Verein will unbedingt in die 3. Liga aufsteigen. Zweimal sind sie schon daran gescheitert, nach dem 2:0 im Hinspiel so nah dran wie noch nie. Der Sprung in den Profibereich steht kurz bevor, doch nicht alle in Leipzig finden Gefallen an diesem Szenario.

Lotte ist eine Gemeinde aus dem Tecklenburger Land, deren Fußballverein Staffelsieger der Regionalliga West wurde und sich somit für die Relegation qualifizierte. Er wurde 1929 gegründet und gilt somit allgemein als "Traditionsverein", wenn er auch nie hochklassig gespielt hat. So weit, so gut.

"Getrennt in den Farben, vereint in der Sache"

Leipziger Traditionalisten wollten ihre Abneigung Red Bull gegenüber auch in der Relegation zum Ausdruck bringen. Unter dem Motto "Getrennt in den Farben, vereint in der Sache" protestierten sie lange Zeit friedlich mit den üblichen Gesängen gegen RB. Fans von Lok und Chemie Leipzig sangen zusammen gegen den großen Rivalen, dazu gesellten sich Fans des Halleschen FC und anderer Ostvereine.

Die Abneigung in Leipzig wird gemeinhin auf der einen Seite als "extrem groß" und auf der anderen Seite als "kaum existent" beschrieben. Aber wie ist es denn nun wirklich?

Impulse unerwünscht?

Eins steht fest und das ist unwiderruflich. Leipzig ist eine Sportstadt. Die Leipziger pilgern zu den Events. Beim Finale der Hallenhockey-EM 2012 war die Arena voll und Hallenhockey gilt wahrlich nicht als Topevent. Das Verlangen nach Profi-Fußball ist groß, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik und der Gesellschaft. Doch der Zweck heiligt die Mittel und eben das wird nicht von allen gern gesehen.

Vor einigen Tagen wählte Oliver Bierhoff in einem Interview mit der Welt folgende Worte: "Dass die sogenannten Traditionsvereine immer wieder auf eine Art Besitzstandswahrung pochen, ist für mich unverständlich. Das ist einfach nicht zeitgemäß. Bei dieser Denkweise dürfte in der Wirtschaft kein Unternehmen mehr gegründet werden, denn es gibt ja schon Traditionsunternehmen. Woher sollten dann neue Impulse kommen, woher Wachstum?" 

Der Haupteingang zum Bruno-Plache-Stadion von Lokomotive Leipzig

Lok nicht familienfreundlich?

Anhänger von Lok und den Leutzscher Vereinen sehen genau diese Kommerzialisierung sehr kritisch und werfen RB und deren Fans die Sehnsucht nach Impulsen, nach Bundesliga als faules Argument vor. Da giften "Ultras" auch schon mal einen Familienvater an der Haltestelle an, nur weil er ins ehemalige Zentralstadion geht und höherklassigen Fußball bewundern will.

Aber hier liegt auch ein Argument verborgen, das die RB-Anhänger vorbringen: Mit Familie und Kind könne man ja nicht mehr zu den "gewaltbereiten Fans" von Lok Leipzig gehen. Der Makel der "Problem-Fans" haftet noch immer an den Probstheidaern.

Aber man kann getrost mit Frau und Kind ins Bruno-Plache-Stadion gehen! Schmähgesänge gibt es bei jedem Verein und Prügelattacken oder ähnliches gehören zumeist der Vergangenheit an und sind, wenn sie geschehen, auch ein Problem des Fußballs allgemein und nicht allein von Lok.

Sehnsucht nach Bundesliga

Das Argument zieht nicht mehr, denn die Gäste-Fans kommen ja auch in die Red-Bull-Arena, wie die Böllerwerfer bewiesen haben. Frau und Kind werden also auch bei RB "Dinge" sehen, die sie angeblich nicht sehen würden. Oder anders gesagt: Eben gerade gegenüber RB ist die Feindschaft groß, wenn bestimmte Gastmannschaften in das ehemalige Zentralstadion kommen.

Die Sehnsucht nach Bundesliga und großen Stars überwiegt. Der Glanz der großen Fußballwelt soll und wird durch die Brause-Euros nach Leipzig gebracht. Es ist gut so, denn die Stadt braucht Profi-Fußball und ohne Geld geht es leider nicht.

RB macht einiges für die Stadt. Im DFB-Pokal könnte im Sommer ein Bundesligist kommen, die Nachwuchsarbeit wird ständig ausgebaut und die Pflege der Fans läuft gut. Am Sonntag werden sich wieder zahlreiche Anhänger treffen und das entscheidende Spiel in einem Festzelt schauen oder selbst nach Lotte fahren.

Dennoch bleibt der Weg, den Red Bull in Leipzig beschreitet, fragwürdig.

Was haltet Ihr von RB Leipzig? Gute Sache oder verwerfliche Kommerzialisierung?

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