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Der FC Bayern München feiert den Champions-League-Titel

Generation Triple – tragen sich Schweinsteiger, Müller, Lahm & Co. in die Geschichtsbücher des FC Bayern ein?

Der FC Bayern München feiert den Champions-League-Titel

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Ein Schritt noch bis zur Unsterblichkeit. Ein Sieg heute im Pokalfinale und der FC Bayern hat als erstes deutsches Team das Triple sicher. Doch wie historisch ist dieser Erfolg?

KOMMENTAR
Von Philipp Nagel

Mai 2012, nach der herben Pokalschlappe gegen Borussia Dortmund ereilt den FC Bayern München nur wenige Tage später der totale Super-Gau. Mit der dramatischen Niederlage im „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea schien die nach außen oftmals so heile bayerische Fußballwelt in ihrem Grundgerüst erschüttert.

Heute, nur 378 Tage später, hat dieselbe Mannschaft die einmalige Chance, sich in den Geschichtsbüchern des deutschen Fußballs zu verewigen. Nach einer Saison voller Rekorde geht der frisch gekürte Champions-League-Sieger aus München als haushoher Favorit in das Rennen um den DFB-Pokal.

Wille und Gier besiegen die Enttäuschung

Ein Sieg über den, in der Liga deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen, VfB Stuttgart, bedeutet gleichzeitig den totalen Triumph. Neben Manchester United 1999 und Inter Mailand 2010 wäre es erst das dritte Mal, dass eine europäische Mannschaft alle drei wichtigen Vereinstitel innerhalb einer Saison gewinnt.

Vielleicht ist es nach zwei Spielzeiten ohne jeglichen Titel genau diesem dramatischen Ereignis im Mai des vergangenen Jahr zuzuschreiben, dass der FC Bayern in der laufenden Saison scheinbar mühelos von Sieg zu Sieg eilte. Zu groß war die Enttäuschung, wieder eine Spielzeit ohne Titel abzuschließen, zu groß die Gier und der Wille, es allen Kritikern und vor allem sich selbst zu beweisen.



Als Sinnbild des derzeitigen Erfolges gelten insbesondere Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und auch Thomas Müller. Alle drei Spieler mussten in den vergangenen Jahren miterleben, was es bedeutet, nationale als auch internationale Niederlagen einzustecken und medial mit einem Verlierer-Etikett versehen zu werden. In diesem Zusammenhang aufsehenerregend und oftmals zitiert ist eine SMS von Thomas Müller. Nur wenige Tage nach der Niederlage gegen den FC Chelsea und trotz vorhandener Enttäuschung und Selbstzweifel spornte dieser seine Kollegen an, den Henkelpott in der kommenden Saison endlich wieder nach München zu holen, total fokussiert zu sein und die Vergangenheit beiseite zu legen.

Besser als der Kaiser und Co?

Trotz der vergangenen Jahre und den einhergehenden Misserfolgen wird die laufende Saison nun schon mit den Triumphen der Mannschaft um Franz Beckenbauer & Co. und den Siegen im Pokal der Landesmeister aus den Jahren 1974 – 1976 verglichen. Um am Denkmal dieser legendären Generation zu rütteln müssen die aktuellen Spieler des FC Bayern allerdings die Nachhaltigkeit dieser einmaligen Saison in der kommenden Spielzeit noch unter Beweis stellen und weitere Titel folgen lassen.

Aber war die Bayernmannschaft der siebziger Jahre auch wirklich die bessere Mannschaft? Dazu sollte man zunächst klären, wie denn der Maßstab für „besser“ lautet? Sind es Titel am Stück oder eben das mögliche Triple? Oder sind gar beide Teams überhaupt nicht miteinander zu vergleichen?



Der moderne Fußball mit schnellen Kontern, einer Abwehrkette, mit Abseitsfalle und Direktspiel lässt sich nicht vergleichen mit dem "alten" Fußball, dem Spiel mit Libero und dem langsamen Aufbau bis dann ein tödlicher Pass kam. Der Druck, unter dem die heutige Spielergeneration steht, ist um ein Vielfaches höher und auch das „ganzheitliche Prinzip“ war früher bei weitem nicht so stark ausgeprägt. Während heute beispielsweise das Thema Ernährung essentiell ist, wurde früher darüber müde gelächelt. Bayern-Trainer Jupp Heynckes – der ja beide Generationen hautnah erlebt hat – spricht in Interviews immer davon, dass er noch nie ein so diszipliniertes Team trainiert hat. Also doch die besten Bayern?

Kein Stillstand, sondern weiteres Aufrüsten

Es spricht zwar vieles dafür, dass sich durch die feststehenden Starverpflichtungen von Pep Guardiola und Mario Götze der Erfolg festsetzen wird. Doch ist es auch möglich, dass sich altbekannte und neue Unruheherde im Verein bilden: Werden es die gestandenen Stars Mario Gomez und Arjen Robben auch im kommenden Jahr akzeptieren, größtenteils ins zweite Glied zu rücken?

Schafft es Pep Guardiola das Erbe von Jupp Heynckes anzutreten und den hohen Erwartungen gerecht zu werden? Welche Auswirkungen wird die Steueraffäre um Uli Hoeneß noch mit sich bringen?

Um sich dauerhaft an die Spitze des europäischen Vereinsfußballs zu setzen und eine eigene Ära zu prägen, müssen sich die Verantwortlichen an der Säbener Straße eben diese Fragen stellen und gefallen lassen. Nicht nebensächlich wird dabei das Gebaren der nationalen und internationalen Konkurrenz sein. In der Bundesliga ist es nur schwer vorstellbar, dass sich die deutschen Vorzeigevereine aus Dortmund, Leverkusen und Gelsenkirchen einer weiteren Schmach hingeben und sich mit gehörigem Sicherheitsabstand hinter den Münchnern einsortieren. Der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat in diesem Zusammenhang zudem schon massive Verstärkungen für die kommende Spielzeit angekündigt und ist aufgrund der Transferposse um Mario Götze und Robert Lewandowski ohnehin nicht sonderlich gut auf den FC Bayern zu sprechen.

Die internationale Konkurrenz muss nachlegen

Nach den vergangenen Titelgewinnen und dem Einzug in das Finale von London ist trotz der bevorstehenden Umstrukturierung mit einem neuerlichen Angriff auf die deutsche Vormachtstellung zu rechnen.

Abzuwarten bleibt ebenso, wie sich die internationalen Topvereine aus Barcelona, Madrid und Manchester den eigenen Veränderungen stellen. Nach Jahren des Triumphes musste zum Beispiel das Team um Superstar Lionel Messi in der laufenden Saison erstmals herbe Kritik einstecken und steht scheinbar vor dem Ende einer Ära. Die Neuverpflichtung des brasilianischen Jungprofis Neymar ist dagegen ein deutliches Signal, dass dies nicht ohne Weiteres akzeptiert wird.

Nach dem Abgang von José Mourinho steht Real Madrid ebenso eine ungewisse Zukunft bevor. Neben dem andauernden Kampf um den derzeitigen Pariser-Trainer Carlo Ancelotti ist auch der Verbleib von Cristiano Ronaldo noch lange nicht gesichert. Eben dieser möchte sich, trotz des Karriereendes seines Mentors Sir Alex Ferguson, wieder seinem Ex-Verein Manchester United anschließen und dort mit dem neuen Coach David Moyes eine neue Ära einläuten.

Auf Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer wird in der bevorstehenden Sommerpause somit viel Arbeit zukommen. Zuvor werden am kommenden Wochenende allerdings nochmals die aktuelle Saison und deren Erfolge gefeiert – der Marienplatz wird aber sicherlich seinen ganz eigenen Teil dazu beitragen, so dass die ersten Gedanken in Richtung einer glorreichen Zukunft schweifen.

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