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Jupp Heynckes´ letztes Bayern-Spiel: 90 Minuten für die Ewigkeit

Noch 90 Minuten, dann ist die Trainerkarriere von Jupp Heynckes beim FC Bayern beendet. Es wird ein emotionaler Abschied werden.

Vom Pokalfinale berichtet Andreas Becker

Berlin. Soviel steht schon mal vor dem DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart am heutigen Samstagabend fest: Es wird einen tränenreichen Abschied geben. Bayern-Coach Jupp Heynckes gibt seine Abschiedsvorstellung. Dass er doch noch einmal einen anderen Verein als den FC Bayern in Deutschland trainiert, gilt als ausgeschlossen. Besonders dann, wenn er als erster Trainer mit einem deutschen Verein das Triple holt.

Das Triple zum Abschluss

Es werden bewegende 90 Minuten werden. Sowohl für die Mannschaft als auch den Trainer, denn beide verbindet spätestens seit dieser Saison eine ganze enge Bindung. Philipp Lahm versuchte das am Freitag zu erklären. "Unser Trainer ist sehr menschlich, das zeichnet ihn aus", sagte Lahm. "Er hat es geschafft, die Mannschaft zu formen und vor allem defensiv eine Struktur reinzubekommen." In der Saison 2011/12 hatten die Bayern alle drei Titel verspielt, unter anderem das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund mit 2:5 verloren.

Er hat es allen gezeigt

Der Mannschaft wurde vorgeworfen, keine Einheit zu sein und nicht die richtige Einstellung zu haben. Eine Saison ohne Titel ist für die Bayern schwer zu verkraften. Auch Kritik an der Arbeitsweise von Jupp Heynckes wurde zeitweise laut. Den inzwischen 68-Jährigen dürfte das alles nur noch einmal angespornt haben, es eine Saison später besser zu machen. Wie man inzwischen weiß, ist ihm das alleine mit dem Gewinn der Champions League und dem Meistertitel eindrucksvoll gelungen. "Ich habe noch nie eine Mannschaft gehabt, die so professionell arbeitet und wo der Zusammenhalt so groß ist", sagte Heynckes.

"Ich habe noch nie eine Mannschaft gehabt, die so professionell arbeitet und wo der Zusammenhalt so groß ist"

- Jupp Heynckes

Lahm lobt Heynckes in höchsten Tönen

Lahm sagte über seinen Trainer, dass er genau wisse, "welcher Spieler zur richtigen Zeit die richtige Form hat". Er habe es geschafft, "den großen Kader bei Laune zu halten. Wir wollen dem Trainer mit dem Triple ein großes Geschenk zum Abschied machen. Es wäre das erste Mal für eine deutsche Mannschaft." Natürlich will auch Heynckes den Pokal holen, wie er selbst sagt. Doch das ist keine "Obsession". "Ich habe in meiner Karriere schon viel erreicht, bin auch so zufrieden."

Pokalsieg als Trainer fehlt

Trotzdem dürfte es ein zusätzlicher Ansporn sein, dass er als Trainer bisher noch nie den Pokal gewonnen hat. Drei Pokalendspiele stehen bisher in seiner Vita. Als Spieler gewann er das Endspiel mit Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln; 1984 (mit Gladbach gegen Bayern) und 2012 im besagten Endspiel gegen Dortmund verlor er. Wie und ob die Trainerkarriere von Jupp Heynckes ab dem kommenden Sommer weitergeht, ist noch völlig offen. Anatoliy Tymoschchuk hatte zuletzt in einem Interview gesagt, dass Heynckes "zu 99 Prozent bei Real Madrid" landet.



Zukunft noch ungewiss

Davon wollte der Trainer selbst am Freitag nichts wissen. "Ich weiß nicht, woher Anatoliy das hat", erklärte Heynckes. Natürlich sei in der Mannschaft darüber "geflachst und Späßchen gemacht" worden, aber er wisse nicht, wie Tymoschchuk darauf käme, "dass da alles fix ist". Und weiter: "Wenn ich morgen gut aufgelegt bin, werde ich etwas dazu sagen. Sonst erst in der ersten Juniwoche." In welche Richtung es nachher geht - auch ein Karriereende ist nicht auszuschließen -, muss man abwarten. Eine Tendenz ist noch nicht klar erkennbar.

Labbadia verneigt sich vor Heynckes

Was man aber sagen kann, ist, dass die Liga Jupp Heynckes vermissen wird. In den letzten Wochen, seit der Abschied von den Bayern feststeht, wurden einige Lobgesänge auf ihn angestimmt. Auch VfB-Coach Bruno Labbadia wollte es nicht verpassen, Jupp Heynckes zu loben. "Ich möchte dir zu einer außergewöhnlichen Trainerkarriere gratulieren und dir alles Gute wünschen", sagte Labbadia. Welche Gefühle er vor seinem letzten Spiel hat und wie es nach dem Spiel sein würde, wurde Heynckes gefragt.

Noch 90 Minuten

"Momentan sind meine Gedanken nur bei der Mannschaft und dem nächsten Spiel", antwortete Heynckes. "Ich mache mir noch nicht so viele Gedanken um meinen Abschied. Ich denke, die Gedanken kommen im Urlaub, wenn man etwas Zeit zum Nachdenken hat und die Bilder der Endspiele noch einmal sieht." Noch 90 Minuten, vielleicht noch eine Verlängerung und Elfmeterschießen dazu, dann ist die Karriere von Jupp Heynckes in Deutschland zu Ende.

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