thumbnail Hallo,
Arjen Robben gewann mit Bayern München die Champions League. Wird er dennoch wechseln?

Die Akte Arjen Robben: Warum der König von Wembley beim FC Bayern weiterhin das Sorgenkind bleibt

Arjen Robben gewann mit Bayern München die Champions League. Wird er dennoch wechseln?

Getty

Der FCB ist Arjen Robben zu tiefstem Dank verpflichtet. Trotzdem reißen die Diskussionen um den Holländer nicht ab. Wie nützlich ist er für Pep Guardiolas neues Team?

SPECIAL REPORT
Von Philipp Nagel

Es läuft die 89. Spielminute im Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Soeben hat Arjen Robben den 2:1 Siegtreffer erzielt. Was danach passiert sind Emotionen pur. Der Holländer brüllt seine Freude regelrecht hinaus. Eine Lippenleserin entschlüsselt später seine Worte:  „Oh, mein Gott! Oh, mein Gott!“ und für die Bayern-Fans gab es sogar noch ein „Was? Was?“ hinterher. Robben hat die Pfiffe der eigenen Anhänger gegen sich vor einem Jahr also nicht vergessen.

Als wenig später der erlösende Schlusspfiff ertönt, wird der auch im Team oft kritisierte Flügelflitzer schließlich endgültig von seinen Gefühlen übermannt. Robben wirft sich auf den Boden und weint Tränen der Freude, aber auch sicher der Erleichterung.

Ausgerechnet Arjen...

Ausgerechnet Robben, ausgerechnet gegen Dortmund. Letztes Jahr war der 29 Jährige noch die tragische Figur im Trikot des Rekordmeisters. Elfmeter verschossen im entscheidenden Liga-Spiel gegen den BVB, Elfmeter verschossen im Champions-League-Finale gegen Chelsea. Spätestens hier wurde aus dem fliegenden Holländer der Sündenbock für eine ganze Saison - das Sinnbild für 3 Vizetitel.

Das ganze gipfelte schließlich knapp 70 Stunden nach dem „Drama dahoam“ beim Testspiel der Bayern gegen die Niederlande, in der berühmten Pfeiforgie der Bayern-Fans gegen den eigenen Mann. Doch warum polarisiert Robben in München wie kein anderer und was bedeutet dies für seine Zukunft an der Säbener Straße?

Arbeitstier und Egoist

Auf der einen Seite steht der „Arbeiter“ Robben. Keiner trainiert oft so lang und verbissen wie der Holländer. Nicht selten schiebt der ehrgeizige Linksfuß Sonderschichten. Seine Genialität am Ball spricht ihm ebenfalls niemand ab – doch es gibt eben auch die Leute, die Robben vorwerfen, egoistisch zu sein und immer im Mittelpunkt stehen zu wollen. Auswechslungen mag Robben wie der Teufel das Weihwasser.

Aber ist das nicht auch gesunder Ehrgeiz, eine Art Verbissenheit, die Sportler zu Höchstleistungen anspornt? Wäre Robben im Finale gegen London ausgewechselt worden – es gab nicht wenige, die sich das sogar gewünscht hätten, darunter auch FCB-Ikone Franz Beckenbauer – hätte das Spiel womöglich einen anderen Ausgang genommen.

Robben selbst sagt, dass der Egoismus zu seinem Spiel gehöre. Es müsse nicht immer die „Robben-Show“ sein, aber wenn er eine Chance habe, wolle er sie halt auch verwandeln. So wie eben auch in der 89. Minute gegen Roman Weidenfeller am letzten Samstag.

Er soll bleiben! Aber wo soll er spielen?

Mit den Fans hat sich Robben dank des Tores versöhnt. Doch wie sieht seine Zukunft beim FC Bayern aus? Der Verein plant mit Robben, soviel steht fest. Doch trotz der Heldentat von Wembley wird es mit einem Platz in der Startelf in der nächsten Saison für den Niederländer schwierig.



Was viele vergessen: Robben war bis zur Verletzung von Toni Kroos auch in dieser Spielzeit kein Stammspieler! Zwar hat er seine Chance nach Kroos' Blessur genutzt und für viele Experten maßgeblichen Anteil an der grandiosen Rückrunde der Bayern – aber die Konkurrenz im Mittelfeld wird nächste Saison mit der Ankunft von Supertalent Mario Götze nicht kleiner. Im Gegenteil! Und eben daher rühren auch die ständigen Spekulationen um einen Abschied vom Rekordmeister in diesem Sommer.

Klubs aus Italien (Juventus Turin, Inter Mailand), England (Manchester City) und der Türkei (Galatasaray Istanbul) sollen scharf auf den Ex-Spieler von Chelsea und Real Madrid sein. Millionenschwere Offerten sind im Gespräch geben, doch Substanz haben diese Meldungen nicht.

Familie Robben möchte an der Isar bleiben

Goal.com weiß allerdings, dass sich Robben und seine Familie in München sehr wohl fühlen und ein Umzug eigentlich keine Option ist. Er wird den Kampf also annehmen und versuchen allen wieder zu zeigen, warum er auf und nicht neben den Platz gehört.

Gerüchte, der neue Cheftrainer Pep Guardiola möge Robben nicht, sind unwahr. Was hingegen stimmt ist, dass Guardiola auf junge, spritzige Spieler setzt, die seine Art Fußball zu spielen perfekt beherrschen. Xherdan Shaqiri, einer der auf Robbens Platz lauert, wäre so ein Kandidat eben ganz nach dem Geschmack Guardiolas. Auf dem Papier zumindest eher als der 29-jährige Holländer – der zudem stark verletzungsanfällig ist.



Doch er hat auch dazugelernt. Sportvorstand Matthias Sammer ist es zum Beispiel mitunter gelungen, den einstigen Freigeist Robben zur Defensivarbeit zu bewegen. Das System steht über allen – auch über Robben! In der Folge spielte Robben mannschaftsdienlicher, was ihm auch wieder den Respekt der Kollegen verschaffte.

Martinez könnte Platz machen

Nach Goal.com-Informationen plant Guardiola bei den Bayern grundsätzlich mit zwei Spielsystemen. Dem bekannten 4-2-3-1 System und einem offensiveren 3-4-3. Hier wäre ein Spielertyp wie Robben – ein klassischer Flügelstürmer – eine sinnvolle Ergänzung. Außerdem möchten die Bayern trotz der erneuten Verletzung Holger Badstubers keinen weiteren Innenverteidiger verpflichten. Grund: Guardiola plant mit Javi Martinez als Alternative für die Defensiv-Zentrale. Dies bedeutet, Toni Kroos könnte im Mittelfeld eine Position zurück rücken und für Robben bliebe plötzlich doch ein Platz.

Übrigens: Aus Bayern-Kreisen heißt es, dass eine mögliche Verpflichtung Robert Lewandowskis keine Auswirkung auf Robbens Rolle im Team haben wird. Fakt ist aber: Es wird nicht einfach für Robben, das weiß er selbst. Aber das war es auch nicht nach den Pfiffen der eigenen Fans, nach dem verlorenen WM-Finale, ja selbst nach seinen vergebenen Großchancen in der ersten Halbzeit gegen Dortmund.

Arjen Robben ist ein Kämpfer, und Stand jetzt ist seine Zeit bei Bayern noch nicht vorbei.

Dazugehörig