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Ausgerechnet der Niederländer entscheidet das Champions-League-Finale zugunsten des FC Bayern. Damit hat der Flügelspieler sein Final-Trauma besiegt.

ANALYSE
Von Tim Röhn in London

Vier Minuten nach dem Schlusspfiff löste sich Arjen Robben auf dem Rasen des Londoner Wembley-Stadions von seinen Teamkollegen und marschierte alleine auf die jubelnden Bayern-Fans zu. Als er an der Seitenlinie angekommen war, breitete der 29-Jährige seine Arme aus, blickte in die kreischenden Massen und schloss kurz die Augen. Er tat alles, um diese Augenblicke, die wohl bedeutendsten seiner Karriere, so gut wie möglich auszukosten.

Robben, ausgerechnet er, der so oft gescholtene und umstrittene Superstar, hat den FC Bayern München zum fünften Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte geschossen. Es war in der 89. Minute, als Franck Ribery Robben an der Strafraumgrenze anspielte, der Niederländer zwei Gegenspieler aussteigen ließ und den Ball dann gegen die Laufrichtung von Torhüter Roman Weidenfeller ins Tor schob. Das 2:1 war der Siegtreffer im großen Finale gegen Borussia Dortmund.

„Ich kann das so kurz nach dem Spiel gar nicht fassen. Das bedeutet mir so viel. Das sind die ganz großen Momente einer Karriere. Als ich getroffen habe, ist mir meine gesamte Laufbahn durch den Kopf gegangen“, sagte Robben wenig später. Mit seinem Treffer, mit diesem Sieg, hat er sein Werk beim FC Bayern vollendet. Er hat auch seine Kritiker, von denen es in der Vergangenheit viele gab, eines Besseren belehrt.



Robben galt als nervenschwach und egoistisch, sein Spitzname lautete Aleinikov. Schon vor der Saison gab es viele Experten, die den Bayern einen Verkauf der launischen Diva nahe legten. Als der Flügelspieler dann zwischenzeitlich nur Reservist war, war diese Situation frisches Wasser auf die Mühlen seiner Gegner.

Bis zu jener Nacht des 25. Mai 2013 sind es vor allem Szenen wie diese gewesen, die Fußball-Fans mit Arjen Robben in Verbindung brachten: Beim WM-Finale 2010 scheitert er kurz vor Schluss freistehend an Spaniens Torhüter Iker Casillas, die Niederlande verlieren 0:1.  Am 30. Spieltag der Saison 2011/2012 vergibt er in Dortmund einen Elfmeter, die Bayern verlieren 0:1. Und vor allem: Beim Champions-League-Finale 2012 verschießt er kurz vor Schluss abermals einen entscheidenden Elfmeter, am Ende gewinnt Chelsea. Kurzum: Robben litt an einem Finaltrauma.

Und die schwarze Serie hätte auch am Samstagabend in London ihre Fortsetzung finden können. Zweimal entschied sich Robben in der ersten Halbzeit, bei Kontern selbst abzuschließen anstatt Stürmer Mario Mandzukic in der Mitte zu bedienen. Es waren erfolglose Versuche, Mandzukic meckerte, und auch Thomas Müller schüttelte den Kopf. Kurz vor der Pause hatte Robben dann Pech, als er bei einem Schuss aus kurzer Distanz nicht das Dortmunder Tor, sondern das Gesicht von BVB-Keeper Weidenfeller traf. Er habe den Eindruck, Robben könne in entscheidenden Spielen keine Tore schießen, sagte Franz Beckenbauer in der Halbzeitpause bei Sky.

Nicht nur Bayerns Ehrenpräsident täuschte sich. Er, fast 90.000 Fans im Wembley-Stadion und Millionen vor den TV-Geräten wurden Zeuge eines der größten Befreiungsschlage im im europäischen Fußball der letzten Jahre. Erst bereitete Robben das 1:0 für die Münchner durch Mandzukic vor, nach dem Ausgleich per Elfmeter durch Ilkay Gündogan schlug dann in der Schlussphase seine Stunde als Torheld.



Für den Niederländer war es ein Abend wie im Märchen. Endlich ist es ihm gelungen, seine riesige Qualität in einen riesigen Erfolg umzumünzen. Er sei „einfach nur glücklich“, sagte Robben, ehe er sich samt Henkelpott und Teamkollegen auf den Weg zum Bayern-Bankett machte.

Glücklich waren auch seine Kollegen, zumindest für den Moment, da sie die Könige Europas sind. In der kommenden Saison dürften sie schon wieder grimmiger dreinschauen, wenn Robben den Ball wieder einmal eigensinnig verspielt hat. Das letzte bisschen Hoffnung auf ein Umdenken des Niederländers ist mit seinem entscheidenden Tor in Wembley wohl endgültig gestorben.

Außergewöhnliche Spieler brauchen eben ihre Freiheiten. Irgendwann zahlen sie das Vertrauen zurück.

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