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Eine spannende Saison ist vorüber. Wir schauen ganz genau, was beim SC Freiburg gut lief und wo noch Luft nach oben ist!

ANALYSE
Von Martin Ernst

Verein: SC Freiburg
Bundesliga: Platz 5
DFB-Pokal: Halbfinale

Zielsetzung: Im Grunde lautet das Saisonziel im Breisgau jedes Jahr gleich: Klassenerhalt! Daran hat sich schon nach der guten Rückrunde 2011/12 nichts geändert, daran wird sich auch nach der tollen Saison 2012/13 nichts ändern. Dass der Verbleib im Oberhaus schon schon vor dem Saisonfinale feststehen könnte, ließ sich bereits in der Winterpause erahnen. Am 28. Spieltag konnte dann die 40-Punkte-Marke geknackt werden - was folgte, war die Kür: Bis zum letzten Spieltag gegen Schalke waren sogar noch Platz vier und die Qualifikation für die Champions League drin.

LIGA & POKAL

Tabellenplatz fünf - das spricht als Endresultat einer Mannschaft, die alljährlich zu den üblichen Verdächtigen in Sachen Abstieg zählt, für sich. Stattdessen hat sich der SC zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte (nach 1995 und 2001) für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Eine weitere Bestmarke: 2012 war punktetechnisch das beste Jahr seit der Bundesligazugehörigkeit. Außerdem bleibt Freiburg erstmals in seiner Historie auch im vierten Bundesliga-Jahr nacheinander erstklassig.

Dass man auch im Pokal eine weitere Bestmarke aufstellte, zeigt, dass der Erfolg in der Liga alles andere als Zufall ist. Erstmals in der Vereinsgeschichte stießen die Breisgauer bis ins Halbfinale des DFB-Pokals vor, wo allerdings ausgerechnet gegen den BaWü-Rivalen vom VfB Stuttgart das Aus kam.

Außerdem bemerkenswert: Im Saisonverlauf festigten gleich mehrere Spieler aus der eigenen Jugend ihren Status als Stammspieler in Deutschlands oberster Spielklasse (Schmid, Ginter, Sorg) oder gaben ihren Einstand (Höhn, Günter, Kerk).

Goal-Fazit: Sehr viel besser hätte die Saison für den Traditions-Underdog vom Fuße des Schwarzwaldes nicht laufen können. In der Liga überraschte Streichs Truppe mit einer ungemeinen Konstanz (nie mehr als zwei Niederlagen in Folge), kollektiven Disziplin und Spielfreude. Der kurze Leistungseinbruch Mitte der Rückrunde (2:5 gegen Wolfsburg; 1:5 gegen Dortmund) kam angesichts der laufintensiven Spielweise und der Breite des Kaders eher weniger überraschend und konnte mit den anschließenden drei Siegen gegen Gladbach, den HSV und Hannover erfolgreich überwunden werden.


Der Vater des Erfolgs mit seinem Kapitän: Christian Streich und Julian Schuster

UNTERHALTUNG

Nicht nur das Endergebnis, auch das Wie überzeugte: Freiburg zeigte in dieser Saison ansehlichen Offensivfussball, der dank dem kollektiven Defensivverhalten und der stabilen Abwehr auch Zählbares einbrachte. Neben dem spätsommerlichen 5:2 gegen Hoffenheim vom Saisonbeginn gefielen vor allem auch der 3:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart, der Hinrundenabschluss auf Schalke (3:1) oder das 3:2 in Bremen. Das Highlight: Das DFB-Pokal-Viertelfinale in Mainz! Nach frühem 0:2-Rückstand rettet sich Freiburg in den letzten vier Minuten der regulären Spielzeit durch ein Tor von Santini und einen Caligiuri-Elfmeter in die Verlängerung. Dort besorgt 'Cali' in der 108. Minute auch den Endstand und bringt den SC erstmals unter die letzten vier.

Goal-Fazit: Frühes Pressing, Kurzpassspiel und Zug ins Vertikale gepaart mit großer Laufbereitschaft: Freiburgs Fußball bringt per se selten Langeweile mit sich. Der SC "bespielte" (wie Christian Streich die eigene Vorwärtsbewegung bei Ballbesitz gerne nennt) mitunter auch große Kaliber wie Schalke und Dortmund erfolgreich und konnte fast alle seine Saisonspiele offen gestalten. Einzig mit seiner Schwäche im Abschluss stand der SC sich einige Male selbst im Weg und hat dadurch den ein oder anderen Treffer und die dazugehörigen Punkte liegen lassen.

TRANSFERMARKT

"Was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, der Transfer des Jahres" - Der Bemerkung von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp über Max Kruse, der im Sommer für kleines Geld vom St. Pauli kam, gibt es eigentlich kaum noch was hinzuzufügen. Elf Tore und acht Vorlagen in der Liga (Im Pokal: ein Tor, zwei Assists) machen den 25-Jährigen zum Schnäppchen. Mittlerweile ist Kruse sogar im DFB-Dress unterwegs. Die Folge: Borussia Mönchengladbach hat den Mittelfeldspieler bereits vor Wochen für die neue Saison unter Vertrag genommen.

In den Lobeshymnen über Kruse gehen die übrigen Sommer-Transfers zuweilen etwas unter. Ezequiel Calvente, eine günstige Leihgabe von Betis, kam auf nur zwei Einwechslungen in der Hinrunde - größtenteils verletzungsbedingt. Er kehrt diesen Sommer zurück. Und Außenverteidiger Vegar Eggen Hedenstad arbeitet nach wie vor an einem Platz in der Stammelf, der ihm langfristig auch zuzutrauen ist. Die Eingewöhnung fiel dem Norweger insgesamt aber wohl schwerer als erwartet. Marco Terrazzino erzielte mit dem 3:0 gegen Nürnberg zwar einen der schönsten Saisontreffer, plagte sich ansonsten jedoch mit Blessuren.

Goal-Fazit: Neben Königtransfer Kruse waren also nicht alle Sommer-Einkäufe Volltreffer. Angesichts der Kosten und auf lange Sicht lässt sich aber auch kein Flop ausmachen. Hedenstad und Terrazzino waren günstig, dazu brauchbare Optionen von der Bank und haben weiterhin eine Perspektive.


Kam, traf und wurde Nationalspieler: Max Kruse

TRAINER & UMFELD

"Tief im Süden - isch unser Platz", heißt es in der ersten Strophe der SC-Vereinshymne. Das trifft auf ihn sowieso zu: Christian Streich ist als gebürtiger Südbadener und langjähriger Leiter des Jugend-Internats die perfekte Besetzung für den Trainerstuhl. Der 47-Jährige kennt den Verein und sein Innenleben bereits seit vielen Jahren aus dem Effeff und hat die meisten seiner Spieler von Jugendtagen an persönlich betreut.

Auch die Medien haben schnell Gefallen am Akzent und den mitunter philosophisch anmutenden Formulierungen des Fussballehrers gefunden. Viel wichtiger aber ist: Die Mannschaft zeigt sich als geschlossene Einheit ohne Solisten, in der die Defensive bereits bei den 'schwimmenden Neunern' beginnt. Freiburgs Fans zeigten bei Heimspielen erstklassige Unterstützung, Pfiffe von der Nordtribüne sind eine Seltenheit.

Goal-Fazit: Selbst die Trennung von Manager Dirk Dufner, der mit Streich in Sachen Transfers und Zukunftsplannung auf keinen gemeinsamen Nenner kam, verlief ohne größere Nebengeräusche. Dass das gesamte Trainerteam erst vor Kurzem seine Verträge verlängerte, kann kaum anders denn als positives Zeichen für die Zukunft gedeutet werden.

DER GEHEIMTIP
DER BLEIBENDE
DAS VERSPRECHEN


GOAL-FAZIT

Eine großartige Saison, die am Ende lediglich von den Abgängen von gleich vier Leistungsträgern getrübt wird (Caligiuri, Flum, Rosenthal, Kruse). Angesichts der kommenden Doppelbelastung aus Bundesliga und Europa League ist nun erneut ein gutes Transfer-Händchen gefragt. Denn auch 2013/14 wird der Klasssenerhalt wieder oberste Priorität haben. Gelingt es, die Offensive, die bis auf 'Johnny' Schmid von Bord geht, adäquat zu ersetzen, ist nicht auszuschließen, dass die 40 Punkte auch in der kommenden Saison frühzeitig fallen.

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