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Eine spannende Saison ist vorüber. Wir schauen ganz genau, was bei Hannover 96 gut lief und wo noch Luft nach oben ist!

ANALYSE
Von Claas Philipp

Verein: Hannover 96
Bundesliga: Platz 9
DFB-Pokal: Ausgeschieden im Achtelfinale
Europa League: Ausgeschieden in der Runde der letzten 32

Zielsetzung:
In den vorangegangenen zwei Spielzeiten lieferte Hannover 96 großartige Leistungen ab und qualifizierte sich jeweils für die Europa League. Für den Verein ein ganz neues Gefühl, und so wollte man vor der Saison die Messlatte dann auch nicht allzu hoch hängen: Das Ziel von Trainer Mirko Slomka war es, sich mit dem Team in der "oberen Tabellenhälfte" festzusetzen.

LIGA & POKAL

In der Bundesliga stand am Ende ein neunter Platz, wirklich zufrieden ist in Hannover nach einer spielerisch eher durchwachsenen Rückrunde aber niemand. 96 startete stark in die laufende Spielzeit und rangierte zu Saisonbeginn in der Bundesliga-Tabelle sogar auf dem dritten Rang. Gegen Ende der ersten Halbserie ging den Hannoveranern jedoch die Luft aus, man überwinterte auf Platz elf. Auch nach der Spielpause fanden die Niedersachsen nur selten zu alter Stärke, der Europa-League-Platz wurde um sechs Punkte verfehlt.

Im Pokal erreichte 96 immerhin das Achtelfinale, was seit fünf Jahren nicht gelang. In der Runde der letzten Acht setzte es nach einer blutleeren Vorstellung bei Borussia Dortmund jedoch eine schmerzhafte 1:5-Niederlage.

Goal-Fazit: Die letzten zwei Spielzeiten und der starke Saisonbeginn hatte in Hannover Hoffnungen auf ein weiteres Jahr im europäischen Wettbewerb geschürt. Hoffnungen, die das Team aufgrund der Formschwäche in der Rückrunde aber nicht erfüllen konnte. Spätestens seit der Verletzung von Szabolcs Huszti ging spielerisch nicht mehr viel, da auch der andere Kreativ-Akteur, Jan Schlaudraff, aufgrund seiner Formschwäche dem Team nur bedingt weiterhelfen konnte. Vergessen sollte man bei aller Kritik aber nicht, dass 96 noch vor drei Jahren als sicherer Abstiegskandidat galt.

EUROPA LEAGUE

96 hatte Lust auf Europa. Das hat das Team schon in der Quali-Runde bewiesen, in der man sich keine Blöße gab und mit vier Siegen in vier Spielen souverän in die Gruppenphase der Europa League einzog. In eben dieser marschierte Hannover zum Gruppensieg, verlor dabei nicht ein einziges Spiel. So zog 96 überzeugend in die K.o.-Runde ein, in der allerdings Schluss war: Gegen Anschi Machatschkala & Samuel Eto’o schied man nach einem 1:3 und einem 1:1 unglücklich aus.

Goal-Fazit: Es ist keine Schande, gegen einen finanzkräftigen Klub wie Anschi auszuscheiden. In den Spielen zuvor agierte man souverän, im entscheidenden Moment fehlte allerdings ein wenig die Kaltschnäuzigkeit. So musste man sich nach dem Viertelfinal-Aus im Vorjahr in dieser Saison schon ein wenig früher aus der Europa League verabschieden.

UNTERHALTUNG

96 hat in dieser Saison durchaus für Unterhaltungswert gesorgt. Ein 4:0-Sieg beim VfL Wolfsburg, Husztis Last-Minute-Fallrückzieher beim 3:2-Sieg gegen Werder Bremen oder das 4:2 beim VfB Stuttgart sind einige Beispiele von Partien, bei denen die Zuschauer voll auf ihre Kosten kamen. Auch der 3:2-Erfolg gegen Bayer Leverkusen, das 1:1 gegen Borussia Dortmund und der 5:1-Sieg gegen den Hamburger SV gehören sicherlich in diese Kategorie.

Aber nicht immer hatten diese Spiele einen positiven Ausgang für Hannover: So etwa beim 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach, als man eine 2:0-Führung innerhalb von wenigen Minuten verspielte. Denkwürdig war auch das 4:5 gegen den FC Schalke 04 zum Rückrunden-Auftakt. Ganz alt sah man gegen den FC Bayern München aus - der Rekordmeister deklassierte die Niedersachsen mit 5:0 und 6:1.

Goal-Fazit: Während 96 zu Saisonbeginn spielerisch begeisterte, waren fußballerische Leckerbissen ab Mitte der Spielzeit eher selten. Häufig waren Fehlpässe an der Tagesordnung. Immerhin entschädigten eine Reihe torreicher Spiele für mangelnde Klasse.

TRANSFERMARKT

96 hatte im vergangenen Sommer viermal auf dem Transfermarkt zugeschlagen: Szabolcs Huszti, Felipe, Hiroki Sakai und Adrian Nikci wechselten vor Saisonbeginn an die Leine. In der Winterpause legte man mit Andre Hoffmann, Franca, Sebastien Pocognoli und dem vom FC Arsenal ausgeliehenen Johan Djourou nach.

Felipe fällt bislang in die Kategorie "Fehleinkauf". Der Brasilianer war oft verletzt und konnte seine Verpflichtung auch dann kaum rechtfertigen, wenn er fit war. Auch Adrian Nikci blieb hinter den Erwartungen zurück. Tragisch wurde es im Fall Franca: Der Brasilianer erkrankte im Februar an Tuberkulose.

Sakai kam zunächst hier und da auf der Rechtsverteidigerposition für Steven Cherundolo zum Einsatz, präsentierte sich dabei aber häufig zu nervös. Später durfte er auch als Flügelspieler agieren - vielversprechende Ansätze zeigte er allemal.

Die Winter-Verpflichtungen Hoffmann, Pocognoli und Djourou fassten bei 96 unterdessen schnell Fuß und gehörten zumeist zur ersten Wahl. Im Falle von Djourou hofft man, sich mit Arsenal auf eine feste Verpflichtung einigen zu können.

Der große Wurf aber gelang mit Szabolcs Huszti. Der Ungar wurde für 750.000 Euro von Zenit St. Petersburg zurück nach Hannover geholt, drei Jahre zuvor war er für drei Millionen Euro von 96 nach Russland gewechselt. Huszti schlug zu Anfang ein wie eine Bombe und war in den ersten Wochen der Saison der alles überstrahlende Mann bei Hannover. Die Formkurve schwankte in der Folge zwar ein wenig, aber Huszti war stets eine wichtige Stütze im hannoverschen Team - bis zu seiner kuriosen Elfmeter-Verletzung am 23. Spieltag, die für ihn das Saison-Aus bedeutete.

Goal-Fazit: Ein Königstransfer, drei vielversprechende Winter-Verpflichtungen und einen Mann für die Zukunft - das hat 96 auf der Haben-Seite. Felipe und Nikci hingegen konnten bislang kaum überzeugen, im Fall Franca hatte man einfach Pech. Man darf gespannt sein, wie die Dinge sich unter dem neuen Sportdirektor Dirk Dufner entwickeln.

TRAINER & UMFELD

Hannover 96 hatte in den zwei Spielzeiten vor dieser Saison eine Phase voller Ruhe und Harmonie - eine eher ungewohnte Situation bei den Niedersachsen. Damit war es aber auch schnell wieder vorbei: Die Abwanderungsabsichten von Manager Jörg Schmadtke konnte Präsident Martin Kind zwar vorerst abschmettern, letztlich kam es aber doch noch zur Trennung mit dem ehemaligen Torhüter, der sich mit Slomka überworfen haben soll. Für Schmadtke kam im April Dirk Dufner, zuvor SC Freiburg. Es bleibt abzuwarten, ob Dufner besser als sein Vorgänger mit Slomka zusammenarbeiten kann.

Nicht die einzige Baustelle: Wie kaum ein anderer Präsident im deutschen Fußball ging Kind immer wieder auf Konfrontationskurs mit den 96-Ultras - und schuf so ein weiteres Spannungsfeld, das dem Verein eher schadet als nutzt. Zuletzt bekam er regelmäßig Gegenwind in Form von Sprechchören und Spruchbändern, die "Kind muss weg"-Rufe wurden wiederum mit "Ultras raus"-Gesängen anderer 96-Fans beantwortet - auf der Strecke blieb die Unterstützung für die Mannschaft.

Aber nicht nur die Ultras fühlen sich durch die Politik Martin Kinds ungerecht behandelt, sogar der offizielle Fan-Dachverband "Rote Kurve e.V." wird zum 31.12. abgewickelt und macht dann lediglich als Interessengemeinschaft weiter - man sieht sich nicht mehr in der Lage, konstruktiv mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Zustände, die dem Präsidenten zu Denken geben sollten.

Goal-Fazit: Für Dufner steht eine Menge Arbeit an. Zusammen mit Slomka muss er eine gemeinsame Linie entwickeln und den Umbruch des Teams vorantreiben. Die Abgänge von Sergio da Silva Pinto, Mario Eggimann, Konstantin Rausch und Sofian Chahed sind ein deutliches Zeichen, dass die Mannschaft in der kommenden Saison ein anderes Gesicht haben wird. Zudem muss Kind sich fragen lassen, ob er im Umgang mit den Fans die richtige Linie fährt.

DER ABGÄNGER
DER NEUE DER UNGLÜCKSRABE

GOAL-FAZIT

Der neunte Platz in der Bundesliga ist sicher kein Beinbruch, der fußballerische Leistungabfall in der Rückrunde aber war nur schwer nachzuvollziehen. Eine Europa-League-Teilnahme wäre dem Potenzial der Mannschaft durchaus angemessen gewesen. Nun gilt es für Dufner & Co., für die kommenden Aufgaben ein schlagkräftiges Team zu formen - man hat bereits angekündigt, auf mehreren Positionen personell nachbessern zu wollen.

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