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Mario Götze ist im Endspiel nicht dabei, Marco Reus dafür umso mehr gefordert: Er muss im Mittelfeld glänzen, damit Borussia Dortmund gegen die Bayern einen echte Chance hat.

TAKTISCHE ANALYSE
Von Jonathan Wilson

London. Etwa einen Monat, bevor Borussia Dortmund Real Madrid im Halbfinale der Champions League besiegte, wurde BVB-Trainer Jürgen Klopp gefragt, wie er es geschafft habe, sein Team so einzustellen, dass es in beiden Matches der Gruppenphase gegen Jose Mourinhos Mannschaft überlegen war. Ziemlich locker antwortete er, es sei darum gegangen Xabi Alonso auszuschalten und der Rest sei dann von alleine gefolgt.

Vermutlich bereute er diese Offenheit, als klar war, dass er wieder gegen Madrid antreten musste. Aber es änderte natürlich nichts an der Tatsache: Xabi Alonso bestimmt bei Real den Rhythmus, die Mehrzahl aller Angriffe läuft über ihn. Wenn die Spanier also den Ball hatten, wurde Alonso sofort von Mario Götze unter Druck gesetzt. Als dann Dortmund die Kugel hatte, stürmte Götze über eine der Außenbahnen nach vorn. Ilkay Gündogan rückte auf und hatte sofort wieder ein Auge auf Alonso.

SUPER MARIO?

 DORTMUNDS BILANZ MIT GÖTZE
SPIELE
ERZIELTE TORE
ANZAHL TORE PRO SPIEL
GEWONNENE SPIELE
SIEG-ANTEIL
39
94
2,4
24
61,5  %
 DORTMUNDS BILANZ OHNE GÖTZE
SPIELE
ERZIELTE TORE
ANZAHL TORE PRO SPIEL
GEWONNENE SPIELE
SIEG-ANTEIL
10
20
2
4
40 %
Bayern München pflegt zwar nicht ganz denselben Stil wie Real Madrid. Doch der FCB hat die Tendenz, über Javi Martinez zu spielen. Da ist es logisch, dass ein fitter Götze ihn ebenso gestört hätte, wie er es bei Xabi Alonso erfolgreich erledigt hatte. Doch daraus wird wegen Götzes Muskelverletzung nichts. Wahrscheinlich rückt Marco Reus auf seine Position, während Kevin Großkreutz dessen Part auf der linken Seite einnimmt.

Götze ist außerdem stark darin, sich aus seiner zentralen Position zu lösen und mit dem Flügel-Angreifer und dem Außenverteidiger ein Dreieck zu bilden. Das wird auch Reus' Aufgabe sein. Diese Aufgabe ist nicht nur für das eigene Angriffsspiel wichtig, sondern auch, um die gegnerischen Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba zu binden. Beide sind für ihren Offensivdrang bekannt.

Bayerns Abwehrspieler an den Seitenlinien werden ohnehin schwierige Jobs haben: Alaba und Franck Ribery treffen auf Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski, auf der anderen Seiten duellieren sich Lahm und Arjen Robben mit Marcel Schmelzer und (vermutlich) Kevin Großkreutz. Nicht einfach, wenn sie wissen, dass Reus jedes Mal in ihrem Rücken tief gehen kann, sobald sie sich nach vorne wagen.

Das setzt natürlich voraus, dass sich Klopp für eine 4-2-3-1-Formation entscheidet, seine gewöhnliche Wahl. Beide Teams agieren normalerweise in diesem 4-2-3-1, beide pressen hoch und suchen frühe Ballgewinne. Beide wollen beim Ballbesitz dominieren und ihren Stil könnte man jeweils als eine muskuläre, aggressivere Form des "Tiki-Taka" beschreiben.

Natürlich kann man nicht immer den Ball haben. Die Bayern stehen in der Ballbesitz-Statistik hinter Barcelona auf Platz zwei und wurden auch bei den meisten gespielten Pässen nur von den Katalanen geschlagen. Als sie also gegen Tito Vilanovas Mannschaft antraten, passten sie sich ein wenig an: Sie standen etwas tiefer und lauerten verstärkt auf Konter. Angesichts der aktuellen Verfassung und trotz des Weiterkommens in Madrid steht zu erwarten, dass Borussia Dortmund sich ein wenig zurückziehen wird.

Wenig Aufschluss gibt das Unentschieden in Dortmund zwischen beiden Mannschaft vor wenigen Wochen. Die Meisterschaft war längst entschieden und niemand wollte sich mit Blick auf Wembley in die Karten schauen lassen. Deutlich aussagekräftiger ist dagegen das Treffen beider Klubs im Februar. Damals, wie auch beim Bundesliga-Hinspiel im Dezember, entschied sich Jürgen Klopp gegen ein Duell mit offenem Visier. Mit gleicher Taktik und mit gleicher Herangehensweise wähnte er die Bayern im Vorteil. Nicht zu Unrecht: Sie haben die Liga mit 25 Punkten Vorsprung gewonnen, verfügen über eine stärkere Mannschaft und wären in einem offenen Kampf nur schwer zu bändigen.
 
SAMMER KONTERT KLOPP
Im Pokal wählte Klopp ein 4-3-3. Großkreutz durfte für Blaszczykowski ran, Götze rückte auf den Flügel. Ähnlich war es beim Bundesliga-Auftritt in der Allianz-Arena: Kuba übernahm eine zentralere Rolle, wieder spielte Götze rechts. Dabei bekam Dortmund Probleme: Sven Bender versuchte immer wieder, Martinez einzuengen und dadurch hatte Toni Kroos jede Menge Freiraum. Am Ende hieß es 1:1 und es war ein glücklicher Punkt für den BVB.

Bei der Niederlage im Pokal dagegen verhielten sich die Borussen merklich disziplinierter. Großkreutz kümmerte sich um Martinez, allerdings aus einer defensiveren Position heraus, als es Götze in einem 4-2-3-1 getan hätte. Bender engte Kroos' Kreise ein. Nun konnten allerdings Schweinsteiger, mit Abstrichen Martinez und auch der spielfreudige Dante durch das Zentrum nach vorn stoßen. Die Bayern kontrollierten die erste Hälfte, und obwohl Dortmund anschließend besser in die Partie fand, war das 1:0 der Gastgeber hochverdient.
Kroos wird am Samstag verletzungsbedingt fehlen. Dies bedeutet, Thomas Müller wird durch die Mitte kommen. Seine herausragende Fähigkeit, Räume zu schaffen, zu erkennen und hineinzustoßen, ist mitentscheidend für das flüssige Spiel des FCB.

Stoßstürmer Mario Mandzukic verfügt nicht über die starke Technik, die seinen Gegenüber Robert Lewandowski auszeichnet, dafür ist er außerordentlich dynamisch. Bei ihm beginnt das Pressing und stets lauert er auf einer Außenposition an der Abseitskante, wenn die gegnerischen Außenverteidiger marschieren. Die Art und Weise, mit der Ribery und Robben in dieser Saison ihre Flügel beackern, ist vermutlich Heynckes' größte Leistung: Beide sind nicht unbedingt für große Disziplin bekannt. Doch wie sie ihren Gegenspielern hinterher jagen, ist mittlerweile beispielhaft. Kein Wunder: Kroos' Aufschwung und Shaqiris Verpflichtung haben ernsthafte Alternativen beschert.

BAYERN UND DORTMUND IN DER BUNDESLIGA

  Sp S U N TG TK TD Pkt
Bayern München 34 29 4 1 98 18 +80 91
Bor. Dortmund
34 19 9 6 81 42 +39 66

Zweimal hat Klopp es also mit einem 4-3-3 gegen Bayern probiert und es hat nicht geklappt. Wenn man berücksichtigt, wie gut die Spiele gegen Real Madrid und frühere Partien gegen (zugegebenermaßen schwächere) Bayern liefen, ist eine Rückkehr zum 4-2-3-1 nicht unwahrscheinlich. Das bedeutet: Reus, der Götzes Rolle einnehmen soll, wird zur Schlüsselfigur.

Irgendwie wirkt es seit dem Wunder gegen Malaga, als stecke eine große Portion Schicksal hinter der Dortmunder Champions-League-Saison. Sie sind auf jeden Fall gefährlich genug, um Bayern in die Suppe zu spucken. 25 Punkte Rückstand in der Liga und Mario Götzes Abwesenheit machen München allerdings zu einem noch größeren Favoriten.

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