thumbnail Hallo,
Für Westermann, Adler und van der Vaart gab es nicht viel zu feiern

Der Goal-Check: So lief die Saison für den Hamburger SV

Für Westermann, Adler und van der Vaart gab es nicht viel zu feiern

Bongarts

Eine spannende Saison ist vorüber. Wir schauen ganz genau, was beim Hamburger SV gut lief und wo noch Luft nach oben ist!

ANALYSE
Von Daniel Jovanov

Verein: Hamburger SV
Bundesliga: Platz 7
DFB-Pokal: Ausgeschieden in der 1. Runde

Zielsetzung:
Der Hamburger SV entschied sich nach dem Fast-Abstieg im vergangenen Jahr in Sachen Zielsetzung kleine Brötchen zu backen. Am Ende der Saison sollte möglichst ein einstelliger Tabellenplatz herausspringen. Kurzzeitig lebte sogar die Hoffnung auf Europa.

LIGA & POKAL

Nach einem katastrophalen Saisonstart mit dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal und der Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg verfiel der Verein in Panik und investierte 17 Millionen Euro in zwei neue Spieler – gegen den Willen der sportlichen Leitung. Zumindest kurzfristig brachte diese Maßnahme den Erfolg zurück. Die Rückkehr von Rafael van der Vaart sorgte für Aufbruchstimmung, es folgte ein glücklicher Sieger gegen Borussia Dortmund vor heimischer Kulisse und ein 1:0 über Hannover zum 125. Geburtstag am 29. September 2012. Positiv herauszuheben ist auch das 4:1 in Dortmund – dem steht allerdings ein 9:2 beim deutschen Meister in München gegenüber. Eine historische Niederlage, die fortan fester Bestandteil der Bundesliga-Klassiker sein wird. Nichtsdestotrotz wahrte der HSV seine Chance auf Europa bis zum letzten Spieltag. Gegen Leverkusen gab es eine 0:1-Niederlage, während Mitkonkurrent Frankfurt 2:2 gegen Wolfsburg spielte. Dennoch gab es von Publikum Applaus.

Goal-Fazit: Auch wenn die Chance auf Europa selten so groß gewesen ist, wie in dieser Saison, kann der HSV mit dem siebten Tabellenplatz zufrieden sein. Nichts anderes war vor der Saison als Ziel ausgegeben worden. Auch die millionenschweren Einkäufe am Ende der Transferperiode halfen (noch) nicht, das Spiel des HSV besser zu machen.

UNTERHALTUNG

Der Verein ist einfach zu groß, als dass es ruhig um ihn werden könnte. Dank Investor Klaus-Michael Kühne wurde es auch während der Sommerpause nicht langweilig. Der Milliardär kritisierte den Vorstand öffentlich, gab der Presse exklusive Interviews und forderte die Verpflichtung von Rafael van der Vaart. Dieser passte zwar nicht das sportliche Konzept – der Vorstand hielt dem Druck jedoch nicht stand. Sportlich hingegen sorgten die Hamburger nur selten für Glanzpunkte.

Goal-Fazit: Für Europa fehlte dem HSV die Konstanz, für attraktiven Fußball das Konzept. Viele Änderungen im Spielsystem belegen, dass Thorsten Fink den Schlüssel zum Erfolg noch nicht gefunden hat. Der Cheftrainer tat sich schwer, den 30-jährigen van der Vaart in sein Spiel zu integrieren. Bereits beim Spielaufbau hapert es.

TRANSFERMARKT

Mit der Verpflichtung von René Adler und Artjoms Rudnevs hat Frank Arnesen ein glückliches Händchen bewiesen. Adler knüpfte an die Leistungen vergangener Tage an und kämpfte sich mit sehenswerten Paraden sogar zurück in die Nationalmannschaft. Der lettische Stürmer Rudnevs strafte seine Kritiker mit zwölf Saisontoren Lügen. Nach seiner Ankunft in Hamburg wurde Rudnevs die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Mit Milan Badelj und Rafael van der Vaart hat der HSV zwei technisch starke Kreativspieler in seinen Reihen dazugewonnen, die die Probleme auf Dauer lösen könnten. Allerdings nur wenn Fink herausfindet, wie man beide am besten einsetzen kann. Petr Jiracek und der im Winter an Wigan Athletic verliehene Paul Scharner kamen zu selten zum Einsatz, um sie abschließend bewerten zu können.

Goal-Fazit: Der Königstransfer sorgte kurzfristig für eine Welle der Euphorie. Gleichzeitig hinterließ der van der Vaart-Deal einen faden Beigeschmack. Der Verein hatte sich von außen in seine Transferpolitik reinreden lassen und ist ein finanzielles Risiko gegangen. Es lässt sich darüber streiten, ob die Gesamtinvestitionen in Höhe von 27 Millionen Euro im Verhältnis zum erreichten Tabellenplatz stehen.

TRAINER & UMFELD

Cheftrainer Thorsten Fink hat es nicht geschafft, die Mannschaft spielerisch weiterzuentwickeln. Stattdessen herrscht im Aufbauspiel der Hamburger meist Ratlosigkeit. Lange Bälle in die Spitze haben nie den erwünschten Effekt erzielt. Daran wird Fink im Sommer arbeiten müssen – wenn er überhaupt noch darf. Der Aufsichtsrat hat Sportchef Frank Arnesen gestern entlassen und sucht nach einem Nachfolger. Die Fans reagieren mit Unverständnis. Mit einem Protestmarsch wollen einige unter ihnen ihren Unmut kundtun. Denn trotz des Verpassens der Europa League hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. Die Erwartungshaltung ist zwar noch immer hoch – nach der letzten Horror-Saison mit dem Fast-Abstieg ist sie jedoch merklich gesunken. Nichtsdestotrotz sah sich der Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen.

Goal-Fazit: Wenn der Verein Frank Arnesen nicht entlassen hätte, könnte man von einer ruhigen Saison sprechen. So macht sich der Bundesligadino Mitten in der Planung der neuen Saison jedoch eine neue Baustelle auf. Völlig ohne Not. Mit Hakan Calhanoglu und Kerem Demirbay stehen bereits zwei hoffnungsvolle Talente als Neuverpflichtungen fest, die die Qualität des Kaders erhöhen werden. Fragwürdig, warum man sich ausgerechnet in dieser Phase der Saison von seinem Sportchef trennt.

DER GESCHEITERTE
DER RÜCKKEHRER
DER BUNDESADLER

GOAL-FAZIT

Der HSV braucht Ruhe, ein Konzept und punktuelle Verstärkungen. Andererseits könnte der Rausschmiss von Arnesen für eine Abwanderungswelle sorgen. Jegliche Vertragsgespräche müssen nun vorerst auf Eis gelegt werden. Auch René Adler, Heiko Westermann oder Dennis Aogo werden sich genau überlegen, ob sie den Weg des Vereins weiter mitgehen wollen. Auch ein neuer Sportchef wird vor der unlösbaren Aufgabe stehen, ohne Geld eine Mannschaft zu formen.

EURE MEINUNG: Wo landet der HSV in der kommenden Saison?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig