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Eine spannende Spielzeit ist vorüber. Wir schauen ganz genau, was beim FC Schalke 04 gut lief und wo noch Luft nach oben ist!

SAISONANALYSE
Von Hassan Talib Haji

Verein: FC Schalke 04
Bundesliga: Platz 4
DFB-Pokal: Achtelfinale
Champions League: Achtelfinale

Zielsetzung: Der FC Schalke 04 ging mit großen Vorschusslorbeeren in die Saison. Nach Platz drei und der direkten Teilnahme an der prestigeträchtigen und finanziell lukrativen UEFA Champions League waren die Hoffnungen sehr groß, einen ähnlichen Erfolg einfahren zu können. Das offen nach außen proklamierte Ziel war der erneute direkte Einzug in die Königsklasse, zudem sollte im laufenden Wettbewerb die Gruppenphase überstanden werden. Zusätzlich nahm man sich vor im DFB Pokal mindestens zu überwintern.

LIGA & POKAL

Die Bundesligasaison des FC Schalke 04 glich einer reinen Achterbahnfahrt. Zu Beginn der Spielzeit legte das Team, zu diesem Zeitpunkt noch von Huub Stevens betreut, einen beeindruckenden Start hin und galt bis in den November hinein als einziger "Bayern-Jäger". Doch nach dem Derbysieg gegen Lokalrivale Borussia Dortmund und dem Triumph beim FC Arsenal in der Champions League fiel Schalke 04 in ein Loch, aus dem sich der Verein vorerst nicht befreien konnte. Huub Stevens wurde im Dezember entlassen, Jens Keller inthronisiert. Zwischenzeitlich lag S04 sogar auf Tabellenplatz zehn, Trainer-Novize Keller ist es gelungen, die Saison halbwegs zu retten. Der 42-Jährige führte sein Team von Rang sieben auf vier.


Seit Jahren befindet sich der Revierklub auf der Suche nach Konstanz in der Bundesliga. Die fehlte auch in der aktuellen Spielzeit, dies ist ein zentraler Punkt, weshalb Borussia Dortmund oder Branchenprimus Bayern München regelmäßig vor "Königsblau" landen. Zur Verteidigung des FC Schalke muss allerdings erwähnt werden, dass in dieser Spielzeit einige Leistungsträger wochen- oder gar monatelang ausfielen. Im DFB-Pokal musste der Cupsieger aus 2011 eine bittere Heimniederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 im Achtelfinale verdauen. Eine Mannschaft mit diesem Potenzial sollte mindestens das Halbfinale erreichen.

Goal-Fazit:
Der Gradmesser ist eindeutig: Das Preis-Leistungs-Verhältnis beim FC Schalke 04 stimmt vorne und hinten nicht. Mit dem zweitteuersten Kader der gesamten Bundesliga ist ein Platz vier, ein Achtelfinale im DFB-Pokal und in der Champions League in der Gesamtheit schlichtweg zu wenig. Der Revierklub denkt groß und die Verantwortlichen sehen sich mindestens als dritte Kraft in Deutschland. In den letzten fünf Spielzeiten landete der Verein auf den Plätzen vier, drei, vierzehn, zwei und acht. Somit schloss der FC Schalke im Durchschnitt der letzten fünf Jahre zwischen Platz sechs und sieben ab – das ist mit Hängen und Würgen gerade mal ein Europa-League-Rang, aufgerundet. Was fehlt, ist Konstanz! Der ständige Wandel auf Schalke sollte beendet werden, um regelmäßig und nicht ab und zu für ein Jahr um die Meisterschaft oder zumindest um Platz zwei oder drei zu spielen. Mit diesem hohen Personalaufwand muss dies der Maßstab sein. Das ist die besondere Schwere der Aufgabe, die Horst Heldt zuteil wird.



UNTERHALTUNG

Was wäre die Bundesliga wohl ohne diesen Verein? Um eine wirkliche Attraktion ärmer, denn der FC Schalke 04 gehört zu den Klubs mit sehr großer Aufmerksamkeit. Das ständige Auf und Ab, die Querelen um Vertragsverlängerungen, die Trainerentlassung von Stevens und die Ernennung von Jens Keller – all dies begleitet durch die Fans und das große mediale Umfeld. Schalke 04 ist absolute Unterhaltung! Über diesen Klub sprechen viele fußballbegeisterte Menschen - nicht nur in Deutschland.

Goal-Fazit:
Nach der Entlassung von "Jahrhunderttrainer" Huub Stevens und der Verpflichtung von Jens Keller als neuem Cheftrainer gab es ein Mediengewitter ungeahnten Ausmaßes. Manager Horst Heldt stellte sich zwar hinter Keller, doch anscheinend nicht offensiv genug. Der Trainer geriet trotz der Erfolge ständig in die Kritik. Zudem wurde die Liste der Trainerkandidaten medial durchgespielt, Gespräche mit Roberto Di Matteo, Armin Veh, Christian Streich und Stefan Effenberg gerieten an die Öffentlichkeit. In dieser Häufigkeit schadet solch ein Gebaren der Atmosphäre und Stimmung, Schalke ist ein nervöses Pflaster, wo selten Ruhe herrscht.

TRANSFERMARKT

Der FC Schalke 04 verkaufte und verlieh viele Spieler, Horst Heldt war 2012 immer noch nicht mit der Abarbeitung des aufgeblähten Magath-Kaders fertig. Spieler wie Peer Kluge, Jan Moravek oder Mario Gavranovic wechselten den Verein. Ladenhüter wie Jose Manuel Jurado oder Anthony Annan konnten verliehen werden. Das Aufgebot wurde weiter verschlankt, das Gehaltsbudget erleichtert – trotzdem schloss der Verein das Kalenderjahr 2012 mit einem Minus von mehr als vier Millionen Euro ab. Sportvorstand Horst Heldt musste mit Bedacht den Kader verbessern, doch die einzige Verstärkung war Roman Neustädter. Den Transfer von Chinedu Obasi ließ man sich rund vier Millionen Euro kosten – eine Fehlinvestition. Tranquillo Barnetta ist nur ein Mitläufer und Ibrahim Afellay verletzte sich schwer, war bis zu diesem Zeitpunkt aber Leistungsträger. Michel Bastos und sein brasilianischer Landsmann Raffael kamen im Januar auf Leihbasis. Bastos konnte in den ersten Spielen überzeugen, baute allerdings immer mehr ab. Raffael war zu Beginn nicht fit, kam dann besser in Fahrt.

Goal-Fazit:
Schalke braucht Qualität, der Verein muss sich punktuell verstärken. Dies wird nicht immer zwingend viel Geld kosten, was die Beispiele Roman Neustädter und die zum S04 wechselnden Christian Clemens und Felipe Santana beweisen. Wichtig ist es, dass die Baustellen in der Abwehr (Außenpositionen) beseitigt werden. Zudem braucht der Verein dringend einen Ersatz für Klaas-Jan Huntelaar, sollte dieser mal verletzungsbedingt aussetzen müssen. Ciprian Marica und Teemu Pukki zeigen nicht die nachhaltige Qualität, den auf Schalke herrschenden eigenen Anspruch zu wahren. Und wer kann eigentlich Jefferson Farfan ersetzen, sollte dieser sich wie gefühlt jede Saison eine mehrwöchige Muskelverletzung zuziehen? Alles offene Fragen, auf deren Antworten der Fan in den nächsten Monaten gespannt warten wird.



TRAINER & UMFELD

Die sportliche Leitung brachte sich selbst in die Bredouille. Intern herrschte Kritik an der Arbeit von Trainer Huub Stevens, der Absturz ins Bundesligamittelfeld veranlasste Manager Horst Heldt zur Reaktion, Unverständnis über den Zeitpunkt der Stevens-Entlassung vor dem letzten Pflichtspiel der Hinrunde (DFB-Pokal gegen Mainz 05) kam ebenfalls auf. Mit Jens Keller heuerte ein Trainerneuling aus der Schalker Jugend an, der beim VfB Stuttgart zuvor kein glückliches Kurzzeit-Intermezzo als Cheftrainer erlebte. Horst Heldt musste viel Kritik einstecken, Keller noch mehr. Am Ende steht Platz vier – das Minimalziel.

Doch auch die Spieler des FC Schalke 04 werden sich hinterfragen müssen ob der gezeigten Leistungen gegen vermeintlich schwächere Gegner. Die Verantwortlichen und auch der oberste Boss Clemens Tönnies gingen mit dem Team öffentlich hart ins Gericht. Dem S04 fehlte auf dem Platz erschreckenderweise oft der Wille gewisse Wege zu gehen. Der Eindruck fehlender Siegermentalität zog sich durch diese Spielzeit.

Goal-Fazit:
Schalke 04 hat sich für Jens Keller entschieden und diesem einen Vertrag bis 2015 gegeben. Man wolle auf Konstanz setzen, heißt es aus dem Verein. Die wird der S04 auch brauchen, erneut im Herbst oder Winter den Trainer auszutauschen, wäre fatal. Bleiben die Ergebnisse aus, kann es durchaus so kommen, denn Jens Keller genießt wenig Rückhalt im Umfeld. Das beweisen schon die zahlreichen Gespräche mit potenziellen anderen Kandidaten. Kellers Trumpf ist, dass die Mannschaft sich für ihn aussprach. Wird sie das auch tun, wenn Erfolge ausbleiben, gewisse Spieler auf der Bank landen und der Frust größer wird? Dies ist ein Knackpunkt. Man darf gespannt sein, wie sich das Thema auf Schalke noch entwickelt.

DER FLOP
DER PECHVOGEL
DER BESTE


GOAL-FAZIT

In der Gesamtheit war diese Spielzeit eine Berg- und Talfahrt. Teilweise lieferte das Team des FC Schalke 04 sehr schlechte Leistungen ab, aber auch wirkliche Highlights, wie die beiden Derbysiege gegen den BVB, das 5:4 gegen Hannover 96 oder das 4:1 gegen den Hamburger SV. Gemessen an den eigenen Vorstellungen ist Platz vier aber zu wenig. Diesen Rang verdankt man zwar auch sich selbst, jedoch halfen noch schlechtere Konkurrenten tatkräftig mit, diesen zu erreichen.

Will man diese Saison aber wirklich analysieren und nimmt sich einen Gradmesser zu Hilfe, dann ist dieser das Team von Bayer Leverkusen auf Platz drei. Schalke 04 hat satte zehn Punkte Rückstand auf den Werksklub und ein wesentlich schlechteres Torverhältnis mit 18 Treffern Unterschied – das sagt schon alles. Selbstverständlich hat Manager Horst Heldt recht, wenn er sagt, dass Platz vier "in Ordnung" geht, den Beigeschmack dieser turbulenten Runde kann aber auch er nicht leugnen.

Erreicht der FC Schalke 04 in den Playoffs der Champions League die Gruppenphase, dann ist nicht viel passiert. Im Gegenteil: Zum ersten Mal würde sich der Ruhrpottverein zweimal in Folge für die Königsklasse qualifizieren und sich wichtige Einnahmen sichern. Die braucht der Verein, um aufrüsten und gleichzeitig konsolidieren zu können. So erhält man sich mit finanziellem Volumen die Chance auf Jahre hinaus mindestens die dritte Geige zu spielen. Die Qualität regelmäßig ganz oben mitzumischen, die hat der FC Schalke 04, der Kultklub muss sie nur konstanter zeigen.

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