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Die Aussagen, die die Verantwortlichen des BVB und des FCB treffen, werden oft in der Presse als "Giftpfeile" oder "Sticheleien" bezeichnet. Hier kommen die besten Sprüche.

Von Daniel Buse

Berlin. Nicht nur auf dem Platz findet das Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München statt. Auch verbal treten die beiden erfolgreichsten Klubs Deutschlands gegeneinander an und bearbeiten sich mit Worten. Vor dem großen Champions-League-Finale haben wir für Euch die besten Aussagen der vergangenen Jahre zusammengestellt.

Nachdem in den Siebziger Jahren Borussia Mönchengladbach und in den Achtziger Jahren Werder Bremen die Hauptkonkurrenten des FC Bayern München waren, wurde Borussia Dortmund erst in den Neunziger Jahren zu einem ernst zu nehmenden Gegner für den deutschen Rekordmeister. Mit großen Investitionen versuchten die Westfalen, den FCB vom Thron zu stoßen - und das gelang 1995 und 1996 mit zwei Meisterschaften und als Krönung dem Gewinn der Champions League 1997.

"Borussia Dortmund ist liquide und hat eine bessere Cash-Position als Bayern"
Viel Geld ausgegeben

Der BVB leistete sich eine teure Truppe und holte mit Vorliebe deutsche Nationalspieler, die schon in Italien ihr Geld verdient hatten. Mit Akteuren wie Andreas Möller, Jürgen Kohler oder Stefan Reuer sowie internationalen Stars wie Paulo Sousa, Julio Cesar oder später Marcio Amoroso wollte der BVB langfristig einen Dauer-Konkurrenten zu den Bayern aufbauen. Bis 2003 ging der Plan auch durchaus auf, auch wenn schon zu diesem Zeitpunkt aus München gerne einmal auf die extrem hohen Gehälter beim BVB hingewiesen wurde.

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Über die Börsenpläne der Dortmunder äußerten sich die Bayern auch nicht gerade wohlwollend und noch Jahre, bevor Uli Hoeneß das legendäre "Festgeldkonto" seines Klubs ins Gespräch brachte, legte BVB-Manager Michael Meier 2001 einen Satz vor, der im Nachhinein wahlweise ungläubiges Kopfschütteln oder einen Lachanfall hervorruft: "Borussia Dortmund ist liquide und hat eine bessere Cash-Position als Bayern", meinte Meier - und lag zumindest 2003 damit überhaupt nicht mehr richtig.

Zu diesem Zeitpunkt stand der BVB kurz vor der Insolvenz und konnte nur durch einen Kraftakt der Gläubiger gerettet werden. In den folgenden Jahren ging die Borussia auf einen strikten Sparkurs und arbeitete sich erst nach und nach wieder ganz nach oben.

"Dortmund ist eine relativ regionale Sache, Bayern ist ein Global Player"
Vergleichsmöglichkeiten

Das Duell zwischen dem BVB und den Bayern ist nicht nur ein Duell zwischen dem Westen Deutschlands und dem Süden. Oder dem Jäger und dem Gejagten. Die Vergleiche zwischen den aktuell besten Bundesliga-Klubs kann man auch auf eine wirtschaftliche Ebene bringen. Und genau das tat Bayern-Präsident Uli Hoeneß im September 2012, als er öffentlich seinen Verein und den BVB verglich.

"Dortmund ist eine relativ regionale Sache, Bayern ist ein Global Player", stellte Hoeneß zufrieden fest. Diese Aussage gelangte auch relativ schnell nach Dortmund und sorgte dort für erstaunlich viel Gelassenheit statt Aufregung: "Dass wir oder jemand anderes, um da ranzukommen, durchaus nachhaltiger und noch ein paar Jahre in Folge erfolgreich sein sollten, ist doch logisch. Das ist eine Darstellung von Tatsachen, die wir nie bestritten haben", stellte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fest.

2013 darf die "regionale Sache" aber immerhin zusammen mit den Bayern im größten Spiel der Welt auf Vereinsfußball-Ebene antreten, um sich mit dem "Global Player" zu messen.

Alles nur nachgemacht?

Während die Bayern wirtschaftlich immer noch deutlich die Nase vorn haben, gelang es den Dortmundern immerhin in den Jahren 2011 und 2012 drei von vier möglichen Titeln auf nationaler Ebene einzusammeln. Besonders in den direkten Aufeinandertreffen mit den Bayern erstaunte der BVB den Gegner mit seiner Spielweise und landete in den Giganten-Duellen seine Big Points. Das ging aus Borussen-Sicht lange gut - bis die Bayern in dieser Saison nicht nur im Halbfinale des DFB-Pokals mit 1:0 gewannen, sondern auch die Liga nach Belieben beherrschten und den Titel mit einem neuen Punkterekord holten.

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Für Jürgen Klopp war in diesem Jahr dann klar, womit die Bayern-Wiederauferstehung begründet ist: Der FCB ist der BVB 2.0. "Im Moment hat das ja ein bisschen was davon, wie das die Chinesen in der Wirtschaft und Industrie machen. Gucken, was die anderen machen und es dann abkupfern. Und mit mehr Geld und anderen Spielern den gleichen Weg einschlagen. Und schon wird man wieder besser für den Moment", sagte der Dortmunder Trainer - und handelte sich damit eine wütende Antwort von Bayern-Coach Jupp Heynckes ein.


"...wie das die Chinesen in der Wirtschaft und Industrie machen: Gucken, was die anderen machen und dann abkupfern."


- Jürgen Klopp

Das Thema China kam zwischen den beiden Klubs schon vorher einmal hoch - und erneut ging es darum, die Unterschiede ein für alle Mal deutlich zu machen. In Sachen sportliche Erfolg ging es zuletzt zwischen den beiden Kontrahenten hin und her und bei der Finanzkraft haben die Bayern mehr zu lachen, wie sie zuletzt auch beim Transfer von Mario Götze zum FCB bewiesen.

"Wenn man in Peking über die Flaniermeile läuft und nach einem deutschen Klub fragt, wird immer Bayern kommen und nicht Dortmund"
Bayern als Welt-Verein

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal war für Bayern-Präsident Uli Hoeneß 2012 auch der Auftritt seine Münchener als Marke, als Klub, der in der ganzen Welt bekannt ist. Und er benutzte dazu einen prägnanten Vergleich zwischen dem FCB und dem BVB:

"Wenn man in Peking über die Flaniermeile läuft und nach einem deutschen Fußball-Klub fragt, wird immer Bayern kommen und nicht Dortmund", stellte er nicht ohne Stolz fest. Und für diese Aussage erntete er auch noch beim großen Rivalen Verständnis.

"Ich weiß nicht, ob die Leute in China sofort darauf kommen, dass Borussia Dortmund ein Fußballverein ist. Das finde ich auch nicht wichtig", antwortete BVB-Trainer Jürgen Klopp auf den Satz aus München und ging damit nicht näher auf die Vorlage vom FCB-Präsidenten ein.

In China wird das Champions-League-Finale in jedem Fall auch gezeigt - und vielleicht können hinterher deutlich mehr Menschen mit dem Namen "Borussia Dortmund" etwas anfangen.

Wie die Stimmung in Asien vor den Bildschirmen sein wird, ist schwer einzuschätzen. Eine Partie in der Münchener Allianz-Arena ist für manche Dortmunder Spieler allerdings eher wie ein gemütlicher Fernsehabend auf der Couch. Das machte BVB-Mittelfeldmann Kevin Großkreutz 2012 deutlich, der das Auswärtsspiel in Bayern im Vergleich zu einer Partie vor mehr als 80.000 Leuten in Dortmund eher unaufregend fand.

"Es ist eine andere, ruhigere Stimmung dort. Bayern hat sehr viele - so nenne ich sie immer - Erfolgfans", sagte Großkreutz und machte sich damit wohl wenig Freunde beim FCB. Auch beim Gastspiel in London dürften die schwarz-gelben Anhänger im Vergleich zu den Bayern-Fans in der Überzahl sein und das dürfte für die Stimmung im Wembley-Stadion nicht schlecht sein - wenn man Kevin Großkreutz glauben kann.

"Es ist eine andere, ruhigere Stimmung dort. Bayern hat sehr viele - so nenne ich sie immer - Erfolgsfans."

- Kevin Großkreutz

Ob Großkreutz selbst zum Spielbeginn auf dem Rasen stehen wird, hängt vor allem davon ab, ob Mario Götze wieder rechtzeitig nach seinem Muskelfaserriss fit wird. Für Götze wäre es in jedem Fall ein ganz besonderes Spiel, denn immerhin wechselt er im Sommer vom BVB zu den Bayern. Das Champions-League-Finale ist damit für ihn die letzte Gelegenheit, seinen zukünftigen Arbeitgeber mit einer Top-Leistung zu beeindrucken.
"Sie haben etwas hungrigere Spieler, aber sie haben keine Weltklassespieler"

Viel Geld für einen Nicht-Weltklassespieler

37 Millionen Euro legten die Bayern für Götze auf den Tisch und sicherten sich damit die Dienste des Nationalspielers. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, wie sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß noch im April 2012 über den Kader des Konkurrenten ausgelassen hatte.

"Bei aller Liebe, was die Dortmunder im Moment haben. Sie haben, glaube ich, etwas hungrigere Spieler, aber sie haben keine Weltklassespieler", sagte der nie um einen provokanten Satz verlegene Hoeneß.

Die sportliche Antwort der Dortmunder folgte dann mit dem Gewinn der zweiten Meisterschaft in Serie und einem deutlichen Erfolg im Finale des DFB-Pokals in Berlin. 5:2 gewann der BVB gegen die Münchener und sorgte bei den Bayern für entsetzte Gesichter und entsetzte Kommentare nach dem Schlusspfiff.

Besonders Bayern-Kapitän Philipp Lahm bekam den Spott nach der Partie ab, weil er direkt nach dem Schlusspfiff in einem Live-Interview eine exklusive Sicht der Dinge verkündet hatte. "Wir waren die bessere Mannschaft. Aber das ist schwierig zu sagen, wenn man 5:2 verliert", so der Außenverteidiger. Mit seiner Aussage stand er ziemlich alleine da und wieder einmal sorgte ein Satz zum Thema "Bayern gegen BVB" für Kopfschütteln.


"Wir waren die bessere Mannschaft. Aber das ist schwierig zu sagen, wenn man 5:2 verliert."


- Philipp Lahm

Die Duelle und Sticheleien der Vergangenheit werden jedoch am Samstag um 20.45 Uhr vergessen sein. Dann pfeift Schiedsrichter Nicola Rizzoli das große Endspiel der Champions League an. Für die Bayern ist es die Chance, sich den zweiten Titel auf dem Weg zum angepeilten Triple zu holen und sich gleichzeitig für die bitteren Final-Niederlagen gegen Inter Mailand 2010 und gegen den FC Chelsea zu revanchieren.

"Mit einem einzigen Sieg können wir zum dritten Mal hintereinander die beste deutsche Mannschaft werden."
Die einzige Möglichkeit

Für die Dortmunder ist es hingegen die einzige verbliebene Möglichkeit, die grandiose Saison des Haupt-Konkurrenten in 90 oder 120 Minuten komplett zu zerstören. In ein paar Wochen wird niemand mehr vom souveränen Meistertitel des FCB in der Bundesliga sprechen, sondern es werden sich nur noch alle ganz genau an das "Königsklassen"-Finale in London erinnern.

Und das begreift der BVB inzwischen als Chance: "Mit einem einzigen Sieg können wir zum dritten Mal hintereinander die beste deutsche Mannschaft werden", sagte Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic nach dem Einzug ins Endspiel.

Die Bayern wollen genau das verhindern und sich ihren Platz in der Fußball-Geschichte sichern. Und ganz egal, wie es ausgeht: Nach dem Abpfiff wird es mit Sicherheit auch wieder den ein oder anderen Satz von den Beteiligten geben, der beim Konkurrenten Unruhe oder eine böse Antwort auslöst. Denn schließlich geht doch nichts über eine Rivalität mit viel Tradition und knackigen Aussagen. Und die muss gepflegt werden.

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