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Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht bei uns! Wir verraten Euch Woche für Woche, wie sich die Ex-Bundesliga-Stars im Ausland schlagen.

Berlin. Goodbye Deutschland! Spieler kommen und gehen, Spieler wechseln in die Bundesliga und Kicker verlassen Deutschlands höchste Spielklasse. Aber wie geht es den Profis, die nun im Ausland auf Torejagd gehen? Sind sie aufgeblüht oder nur noch Bankdrücker. Haben sie sich prächtig entwickelt, oder folgte ein Karriereknick?

Jeden Dienstag stellt Euch Goal.com im Rahmen von "Was macht eigentlich..." drei Ex-Spieler der Bundesliga vor und zeigt, wie es ihnen an anderer Wirkungsstätte ergeht.

Thomas Brdaric
In der Bundesliga: Von 1993 bis 1994, von 1995 bis 1996 und von 1999 bis 2008

Vereine in Deutschland: Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf, Fortuna Köln, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, Hannover 96

Einsätze:
204

Tore:
54

Erfolge:
Keine Titel, aber: DFB-Pokalfinalist 2002, Platz zwei in der Bundesliga 2000 und 2002, Champions-League-Finalist 2002
Der singende Stürmer

Nachdem Thomas Brdaric mit den Keepern Oliver Kahn, Jens Lehmann und Frank Rost immer wieder auf dem Feld aneinander geraten war, sang er sich 2003 den Frust von der Seele. Im Nachhinein gab er zu, den doch leicht verhöhnenden Song, "nicht ganz ernst gemeint" zu haben.

Thomas Brdaric begann seine Karriere in der Jugendabteilung des VfB Neuffen und ging über die Stuttgarter Kickers zum Stadtrivalen VfB. Bei den Schwaben feierte er am 29.08.1994 sein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse. Im Spiel gegen den FC Bayern München wurde er in der 82. Minute eingewechselt. Nur wenige Tage später erzielte er am 01.09. gegen Wattenscheid seinen ersten Treffer in der Bundesliga.

In der folgenden Saison ging er nach Düsseldorf und stieg mit der Fortuna in die höchste Spielklasse auf. Doch auch hier spielte er nicht so oft, wie er es sich wünscht. Bei der Fortuna aus Köln hingegen suchten sie einen jungen, hungrigen Stürmer und verpflichteten Brdaric. Er etablierte sich in der zweiten Bundesliga und die Rheinrivalen von Bayer Leverkusen wurden auf ihn aufmerksam. Bei der Werkself war er mal gesetzt, mal wieder nicht, doch eines war er - Bestandteil der "Vize-Kusen"-Elf.

Im Jahr 2002 mussten sich die Leverkusener in der Meisterschaft knapp Borussia Dortmund, im Pokalfinale Schalke 04 geschlagen geben. Die Elf von Klaus Toppmöller unterlag auch im Champions-League-Finale Real Madrid. In der darauffolgenden Spielzeit war der achtmalige Nationalspieler erneut nur Ersatz und wechselte zu Hannover, wo er 28 Spiele absolvierte und dabei zwölf Tore erzielte. Nach einem einjährigen Gastspiel bei Rivale Wolfsburg ging es zurück in die niedersächsische Hauptstadt, wo seine Karriere 2008 wegen Knieproblemen ein unrühmliches Ende fand. In seiner letzten Saison konnte er nicht einmal auflaufen.

Nach seiner Karriere war er Jugendtrainer in Leverkusen und Uerdingen. Als Sportdirektor arbeitete er in Minsk und Taschkent. Nebenbei machte er seine Fußballlehrer- und seine Spielervermittlerlizenz.

Martin Demichelis
In der Bundesliga: Von 2003 bis 2010

Vereine in Deutschland: FC Bayern München

Einsätze:
174

Tore:
13

Erfolge:
deutscher Meister und Pokalsieger 2005, 2006, 2008 und 2010, UEFA-Pokalsieger 1996, Ligapokalsieger 2004 und 2007, Super-Cup 2010, Champions-League-Finalist 2010
Eklats in München

Nicht nur unter Ottmar Hitzfeld, auch unter dem "Tulpengeneral" Louis van Gaal beschwerte er sich über seine Stellung im Team. Das erste Mal ging es noch gut, nach dem zweiten Mal konnte er keinen Fuß mehr so recht auf den Boden bekommen und verließ Bayern in Richtung Spanien.

Martin Demichelis wurde in Argentinien geboren und begann seine Karriere in der Provinz Cordoba. Mit River Plate feierte er erste Erfolge und weckte das Interesse des deutschen Rekordmeisters. Als zweifacher argentinischer Meister wechselte Demichelis an die Säbener Straße. In seinem ersten Jahr spielte er eine gute Hinrunde, doch wurde in der Rückserie nicht mehr so sehr berücksichtigt.

Erst mit der Saison 2004/05 spielte er regelmäßig. Bis zur Saison 2010/11 wechselte er immer wieder zwischen Abwehr und "Sechser" im Mittelfeld. Ottmar Hitzfeld beorderte ihn teilweise in die Innenverteidigung zurück, was ihm nicht gefiel und er auch öffentlich kundtat. Ein weiterer Eklat im August 2010, als er sich als Nicht-Startelf-Spieler nicht auf die Bank setzen wollte, ließen seinen Stern in München sinken.

In der Winterpause 2010/11 zog es ihn zum FC Malaga in die Primera Division. Mit den Spaniern sorgte er zuletzt im Viertelfinale der Champions League für Furore, als Malaga den späteren Finalisten Dortmund an den Rand einer Niederlage brachte. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert. Einen neuen Verein hat er bisher noch nicht.

Jens Jeremies
In der Bundesliga: Von 1994 bis 2006

Vereine in Deutschland: Dynamo Dresden, TSV 1860 München, Bayern München

Einsätze:
251

Tore:
9

Erfolge:
DFB-Pokalsieger 2000, 2003, 2005 und 2006; deutscher Meister 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006; Ligapokalsieger 1998 bis 2000, 2004; Champions-League-Sieger 2001 und Weltpokalsieger 2001
Der Wadenbeißer

Jens Jeremies war schon immer ein Kämpfer. In seiner Jugend spielte er für Motor Görlitz. Kam in die Jugend von Dynamo Dresden und "diente" sich über TSV 1860 München hoch bis zu den Bayern. Ironischerweise ist er seit eh und je ein eingefleischter Hosen-Fan. Spätestens seit deren Bayern-Lied musste er sich den einen oder anderen Kommentar in der Kabine anhören.

Görlitz. Die Stadt am östlichsten Punkt Deutschlands ist nur einen Schlag entfernt von Polen. Schaut man über die Lausitzer Neiße, sieht man schon unseren Nachbarn im Osten winken. Der Mystiker und Philosoph Jakob Böhme arbeitete hier als Schumacher. Aus Görlitz kommt auch der erste DDR-Trainer in der Bundesliga, Dixie Dörner.

Viel bekannter wurde die Stadt aber als ein gewisser Spieler namens Jens Jeremies zum deutschen Rekordmeister wechselte. Der ehemalige Spieler von Dynamo Dresden wurde Im März 1974, knapp ein halbes Jahr vor Michael Ballack in der sächsischen Stadt geboren. In der DDR wurde er früh in die heutige Landeshauptstadt geschickt. Mit der SG kam er in die Bundesliga und empfahl sich für höhere Aufgaben in München. Allerdings zog es ihn zuerst zu den Löwen. Im Sommer 1998 unterschrieb er schließlich an der Säbener Straße.

Bei den Bayern wurde er zu einem Führungsspieler auf dem Platz, feierte unzählige Titel und nahm für seinen großen Traum sogar körperliche Schmerzen auf sich. Sein Traum, die Champions League zu gewinnen, kostete ihn vielleicht sogar die Karriere, denn Jeremies spielte immer wieder unter Schmerzen oder unter dem Einfluss von Schmerzmitteln. Unglaubliche fünf Knieoperationen musste er über sich ergehen lassen: "Ich war für meinen Traum, die Champions League zu gewinnen, bereit, viel zu riskieren. Deswegen gibt es von meiner Seite aus nichts zu bereuen."

Inzwischen schaut er jedes Heimspiel des FCB in seiner privaten Loge und arbeitet für einen Vermarkter. Zudem gründete er eine eigene Stiftung, die Kindern und Jugendlichen in sozialer Not hilft und ihnen langfristig Zukunftsperspektiven verschafft.

In den Mittelpunkt gelangte er zuletzt unbeabsichtig, als "Die Toten Hosen" ein Wohnzimmerkonzert bei ihm gaben. Dass er bei den Münchner Bayern noch immer existent ist, zeigte Uli Hoeneß, als er im vergangenen nach dem verlorenen Champions-League-Finale genau so einen Spielertypen, wie Jeremies einer war, im Finale gegen Chelsea vermisste: "Ich habe keinen Jens Jeremies gesehen, der dem Gegner schon beim Einlaufen in die Waden beißt."

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EURE MEINUNG: Braucht Deutschland Typen wie Jens Jeremies?

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