thumbnail Hallo,

Vor dem "Endspiel" gegen Schalke sprach Goal.com mit SC-Fan Gregor Wiestler. Ein Gespräch über Humba in Fürth, gewachsene Erwartungen und gespaltene Ansichten zum Thema Europa.

Freiburg. Spannende eineinhalb Jahre liegen hinter dem SC Freiburg: Im Januar 2012 stand der Sportclub noch auf einem Abstiegsplatz - diesen Samstag können die Breisgauer am 34. Spieltag gegen Schalke 04 sogar Platz vier und damit die Qualifikation für die Champions League sichern. Wie erleben und sehen die Fans den Höhenflug ihres Klubs?

Seit drei Jahren steht Gregor Wiestler, 23, bei jedem Heimspiel in der Nordkurve, alle zwei Wochen reist er zu den Auswärtsspielen in den Rest der Republik. Goal.com hat mit dem SC-Fan gesprochen - über Humba in Fürth, gewachsene Erwartungen und gespaltene Ansichten zum Thema Europa.

Du warst letztes Wochenende in Fürth, als der SC sich das Ticket für Europa gesichert hat. Wie haben Fans und Mannschaft zusammen gefeiert?

Dass Oli Baumann in der allerletzten Minute den Elfmeter von Djurdjic hält, war natürlich bombig und hat die Stimmung auf den Siedepunkt gebracht. Ich hatte zudem von Anfang an den Eindruck: Freiburg will jetzt auch unbedingt in die Europa League. Nach dem Spiel kam er in die Kurve, schnappte sich den Banner, auf dem stand „Wir sind total international“ und hat ihn in den Mittelkreis gelegt. Die ganze Mannschaft tanzte dann Arm um Arm drumherum – ich denke, das sind die Momente, die du als Fans nicht vergisst, ebenso wie den Nichtabstieg 2012. Der Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Fans ist in Freiburg schon immer sehr wichtig und ausgeprägt.

Du bist seit deinem 14. Lebensjahr SC-Fan, seit drei Jahren gehst du zu jedem Spiel. Was macht die Faszination aus?

Dieser Verein war es für mich einfach immer schon wert auch kreuz und quer durch Deutschland zu fahren. Bescheidenheit und Zurückhaltung sind so was wie Grundprinzipien: Ich denke allen, oder zumindest den meisten, ist klar, dass das gerade ein Ausnahmezustand ist und es im kommenden Jahr sehr gut wieder gegen den Abstieg gehen kann. Immerhin gehen vier Leistungsträger...

Wie war die Stimmung im Fanlager, als die einzelnen Abgänge nach und nach bekannt wurden?

Als zuletzt publik wurde, dass auch Johannes Flum wechselt, gab es eigentlich kaum schlechte Stimmung – auch bei Kruse und Caligiuri nicht. Allerdings: Bei Jan Rosenthal ist das nicht ganz der Fall. Irgendwie fehlen ihm die Sympathiepunkte bei den Fans. Bei ihm hatte man vielleicht auch nicht immer den Eindruck, dass er bis zum Umfallen rennt, kratzt, beißt. Und wenn ich ehrlich bin: Bis auf Stuttgart und Schalke in der Hinrunde habe ich ihn nicht wirklich stark gesehen.

Ab wann hattest du den Eindruck, dass der SC nicht nur um den Abstieg spielen kann?

Ende der letzten Saison hat sich das sicherlich schon abgezeichnet, nach der starken Rückrunde 2011/12. Dass die Mannschaft nicht um den Abstieg spielen muss, hat man damals gleich nach dem ersten Spiel unter Streich gemerkt, gegen Augsburg im Januar 2012. Wenn man das mit der Dortmund-Niederlage aus dem Dezember verglich, was Elan und Körpersprache betrifft, dann war das schon auffällig. Streich hatte nur zwei bis drei Wochen Zeit damals, aber man hatte gleich den Eindruck: Der Mann bewegt was. Dass er dann den Klassenerhalt schaffte, als alle sagten: 'Die sind doch weg', schon damit hat er sich bei den Fans damals eigentlich unsterblich gemacht.


Blick aus der Freiburger Nordkurve

Gabe es in dieser Saison eigentlich sowas wie Tiefpunkte?

Tiefpunkte gab es wenige. Aber die Spiele gegen Wolfsburg und in Dortmund, als es zweimal fünf Tore setzte, haben weh getan. Vor allem, weil wir von Wolfsburg im eigenen Stadion vorgeführt wurden. Wie Streich sagte, man merkte, dass der Akku leer war. Auch das Pokal-Halbfinale gegen Stuttgart war natürlich bitter. Manche befürchteten dann den Einbruch. Aber der SC hat sich gefangen, in München zum Beispiel. Auch wenn Bayern gewonnen hat, der SC hat exzellent verteidigt und wenn kurz vor der 80. Minute der Ausgleich fällt, hätte mich interessiert, wie die Bayern reagieren.

Wie war die Stimmung im Fanlager nach den solchen „Rückschlägen“?

Ich würde sagen so und so. Die einen sagen: Erwartungen tief halten. Und andere wieder sagen: Wenn du schon soweit oben bist, dann willst du auch mithalten. Es ist für mich aber völlig normal, dass die Mannschaft mit einem kleinsten Etats der Liga irgendwann auch mal einbricht.

Welches waren für dich in dieser Saison die besonderen Höhepunkte?

Der Höhepunkt ist, das kann man wirklich so sagen, die ganze Saison. Es ist ein Traum, diese Mannschaft spielen zu sehen. Es gab Ausrutscher, aber Kampf, Wille und Geschlossenheit waren immer da. Ich hätte niemals zu träumen gewagt, dass wir Vierter oder Fünfter werden. Mit etwas Glück Elfter oder Zwölfter.

Hast du persönliche Favoriten im Team?

Das ist schwierig bei einer Mannschaft, die so geschlossen als Kollektiv auftritt. Aber Matthias Ginter strahlt für sein Alter schon eine unglaubliche Erfahrung aus. Und wenn man bedenkt, dass Fallou Diagne aus er zweiten französischen Liga kam, ist die Ruhe und Abgeklärtheit, mit der er diese Saison gespielt hat, sehr beachtlich. Ich wage zu behaupten: Er ist der Hauptbaustein für die gute Defensive dieses Jahr...



Was nicht unbemerkt blieb: Dortmund soll an Diagne dran sein...

Dann will ich daran erinnern, dass vor dem Fürth-Spiel, als die Verträge von Streich und dem gesamten Trainerteam verlängert wurden, unser Präsident Fritz Keller bei dieser Gelegenheit gesagt hat, es werde keine weiteren Abgänge in der Sommerpause geben. Darauf hoffen jetzt natürlich viele Fans!

Der internationale Wettbewerb ist mittlerweile ja schon unvermeidlich. Wie sehen die Fans das?

Durchaus gespalten. Vor allem ältere Fans sind skeptisch. Als Freiburg 2001 den UEFA Cup erreichte, ist man später abgestiegen, war damals hoffnungslos überfordert mit der Doppelbelastung. So einige sagen konsequent, lieber nicht. Ich persönlich mache mir auch Sorgen wegen eines Abstiegs, der folgen könnte. Das bedeutet keineswegs, dass man momentan nicht euphorisch ist und sich nicht mit der Mannschaft freut. Auch ein Abstieg war und ist kein Beinbruch, das hat der Verein ja auch immer klar gemacht. (Lächelt) Im Grunde sind solche Bedenken aber auch Jammern auf hohem Niveau...

Was bedeutet Europa denn im positiven Sinn?

Nach 1995 und 2001 wäre es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und wenn Freiburg also wirklich in die CL kommt, wäre das der einmalige Beweis, dass du im Fussball nicht immer Geld brauchst. Freiburg und Mainz sind für mich die Teams, die das diese Saison bewiesen haben.

EURE MEINUNG: Europa ode Königsklasse - wie endet die Saison des SC Freiburg?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig