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Kaltschnäuzigere Torjäger gibt es vermutlich nicht. Dennoch geht Radamel Falcao in seiner Karriere einen Schritt rückwärts, um finanziell auszusorgen.

KOMMENTAR
Von Mark Doyle

Radamel Falcao ist vermutlich der drittbeste Stürmer der Welt. Er ist 27 Jahre alt. Er steht kurz davor, seinen Zenit zu erreichen. Jeder Topklub in Europa hätte ihn gern in seinen Reihen. Und doch steht er kurz davor, zum Meister der Ligue 2 zu wechseln. Gibt es irgendeinen Fußballfan, dem der letzte Satz nicht sauer aufstößt?

Logisch, der Torjäger von Atletico Madrid schuldet uns neutralen Zuschauern sicher keine Erklärung. Dorthin wo er heute ist, gelangte er ganz allein dank einer Mischung aus harter Arbeit und außergewöhnlichem Talent. Er verdient seinen Erfolg. Und er verdient seinen Reichtum (jedenfalls in dem Maße, wie Fußballer im heutigen Business ihre übertriebenen Einkommen "verdienen").

FALCAO'S BILANZ IN EUROPA

 FC PORTO
SPIELE
TORE
TORE PRO SPIEL
87
72
0,82
 ATLETICO MADRID
SPIELE
TORE
TORE PRO SPIEL
87
69
0,79
Tottenhams Benoit Assou-Ekotto hat einmal ehrlich erklärt, dass eine Verletzung die Spielerkarriere von einem auf den anderen Moment beenden kann. Deshalb sei rationales Denken angesagt und man solle in so kurzer Zeit wie möglich so viel Geld wie möglich machen.

Allerdings dürfte Falcao für seine Treffsicherheit auf dem Platz bereits mit einem dicken Bankkonto belohnt worden sein. Er war der Mittelpunkt zweier Multi-Millionen-Transfers in den letzten acht Jahren. Diese brachten ihn aus Argentinien über Portugal nach Spanien.

Und sein nächster Wechsel, so pfiffen es die Spatzen von den Dächern, sollte noch lukrativer werden. Der FC Chelsea war bereit, die fixe Ablöse in Höhe von 60 Millionen Euro für ihn auf den Tisch zu legen. Für Falcao hätte es natürlich ein üppiges Jahressalär gegeben.

Egal, wie man es mit den "Blues" hält, einen Wechsel an die "Stamford Bridge" hätte man nachvollziehen können. Ein Klub, der in der Liga und in Europa Erfolge feiert. Falcao hätte dort die Gelegenheit gehabt, seinen Traum vom Erfolg in der Champions League zu verwirklichen. Chelsea gewann die Königsklasse im Vorjahr und als Falcao sagte, es gehe ihm nicht um das Geld, hätte man es ihm in diesem Fall sogar abnehmen können.

Aber kann man anders reagieren, als hinter Falcaos fast fixem Monaco-Wechsel ausschließlich Geldgier zu vermuten? Er wird doch wohl nicht die Kühnheit besitzen, uns von anderen Motiven als einem nahezu steuerfreien Jahreseinkommen in Höhe von zehn Millionen Euro vorzuschwärmen? Er wird uns doch auch nicht weismachen wollen, er habe Anderes im Sinne, als ein großes Vermögen anzuhäufen? Er wird doch sicher nicht von "neuen Herausforderungen" und "aufregenden Projekten" faseln, wie es vor zwei Jahren Samuel Eto'o tat, nachdem er das Weltrekord-Angebot von Anzhi Makhachkala akzeptiert hatte.

Nun ja, Eto'o konnte immerhin auf den Fakt verweisen, dass er auf Klubebene alles gewonnen hatte, was es zu gewinnen gibt. Er wechselte als dreifacher Champions-League-Sieger nach Russland. Falcao ist dagegen bislang "nur" der "König der Europa League".

AUS SPANISCHER SICHT
Falcao unterschrieb 2011 beim portugiesischen Star-Agenten Jorge Mendes. Das ließ viele glauben, er ginge nach Madrid. Das tat er auch - allerdings zu Atletico und nicht zu Real. Beide Klubs haben einen Nichtangriffs-Pakt. Ein "Gentleman's Agreement", dass keine Spieler vom Nachbarn abgeworben werden. Dies verhinderte den Wechsel Sergio Agüeros zu den "Blancos" und es sorgt auch dafür, dass Falcao (vorerst) nicht innerhalb der Stadt wechselt.

Mendes' Agentur
Gestifute verfügt über exzellente Kontakte zu Real. Jose Mourinho, Cristiano Ronaldo, Pepe, Ricardo Carvalho und Angel Di Maria stehen allesamt bei Mendes unter Vertrag. In Spanien heißt es, er werde in Falcaos Monaco-Vertrag eine Ausstiegsklausel für Real Madrid schreiben lassen. Etwas, das er im Moment nicht tun kann.

Als Teenager verkündete der kolumbianische Stürmer, sein Traum sei es, für Real Madrid zu spielen. Sein Vater bestätigte dies vor einem Jahr. In der Zwischenzeit könnte er an der französischen
Riviera zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen. Allerdings spielt er auch im vierten Jahr nacheinander nicht in der Champions League.

- Ben Hayward | Experte für Spaniens Fußball
Ob er auch zum "König der Champions League" wird, scheint angesichts des anstehenden Transfers nach Monaco fraglich. Sollten "Les Rouge et Blanc" ihren Streit mit dem französichen Verband wegen des extrem vorteilhaften Steuersystems gewinnen, könnten sie weitere Topstars nach Monte Carlo lotsen. Dennoch wäre es mindestens ein Jahr ohne Königsklasse für Falcao.

Und dann wird es vermutlich auch noch eine Zeit dauern, ehe sich der Verein unter der Creme de la Creme des europäischen Fußballs etabliert hat. Das hat auch Paris Saint-Germain gezeigt. Wenn es dann so weit ist, wird Falcao in seinen 30ern sein und die besten Jahre seiner Karriere liegen vermutlich hinter ihm. Und er wird sie fern eines Topklubs und fern einer Topliga verbracht haben.

Aus sportlicher Sicht wäre es tragisch. Wir sprechen hier von einem Spieler, der Chelsea im vergangenen Supercup-Endspiel mit einem Dreierpack allererster Güte nahezu im Alleingang zerstörte! Vier Monate später erzielte er im "Camp Nou" einen Treffer von solcher Klasse, dass selbst die Barca-Fans ihm applaudierten.

Die Reaktion des Publikums in Barcelona war keine Überraschung. Jeder konnte sehen, dass Falcao ein Spieler mit selten großem Talent ist. Er gehört auf die ganz große Bühne. Am besten mit Atletico, seinem Verein, den er langsam aber sicher zu einer europäischen Großmacht schießen kann.

Falcao wurde mit einem großartigen Geschenk gesegnet und es wäre schade, wenn er sein ganzes Potenzial nie zeigen kann.

Ein Sprichwort sagt, das Schlimmste im Leben sei verschwendetes Talent. Und es sind die Entscheidungen, die unser Leben formen. Falcao und seine Armee von Beratern haben ihre Wahl getroffen. Diese Wahl wird formen, wie wir ihn in Erinnerung behalten.

EURE MEINUNG: Wie denkt Ihr über Falcaos Wechsel zum AS Monaco?

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