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Thomas Schaaf verlässt Werder Bremen und hinterlässt eine Zerrissenheit in der Gefühlswelt

Werder ohne Thomas Schaaf, das geht doch gar nicht! Geht doch, wie wir am Mittwoch feststellen durften. An der Weser wird nun ein ganz besonderer Trainerposten frei...

KOMMENTAR
Von Falko Blöding

Bremen. Nun ist es also passiert. Das, von dem man glaubte, es könne nicht passieren: Thomas Schaaf ist nicht mehr Trainer von Werder Bremen. Ziemlich genau 14 Jahre lang war der Coach das Gesicht, der Erfolgsbringer, und das Zeichen für Stabilität an der Weser. Das hat nun ein Ende und was bleibt, ist Zerrissenheit. Nicht (nur) im Klub, aber bei der Gefühlslage der Fans in grün und weiß.

Sie wissen nicht so recht, wie sie diese Trennung denn nun finden sollen. 14 Jahre lang derselbe Cheftrainer! Das war etwas, auf das man stolz sein konnte. Man war anders als die anderen, bei denen die Trainerposten Schleudersitzen glichen. Und Schaaf war dabei der Inbegriff eines Urgesteins. 41 Jahre im Verein, erfolgreich als Spieler und erfolgreich als Trainer. Nach den sportlich miesen Jahren der Post-Rehhagel-Ära baute er Werder gemeinsam mit Klaus Allofs wieder auf. Er formte eine Top-Mannschaft und ließ sie offensiv spielen. Der Schaaf'sche Fußball brachte der zwischenzeitlich zur grauen Maus verkommenden Truppe viele neue Fans und Sympathisanten auch in anderen Fanlagern.

IN ZAHLEN
Wie Schaaf Werder prägte
4 Drei Pokalsiege und eine Meisterschaft: Schaaf führte Werder zu vier bedeutenden Titeln.
6 Ein halbes Dutzend Mal spielte Werder zwischen 2004 und 2011 unter Trainer Schaaf in der Champions League.
45 Anzahl der Profis, die unter dem Trainer Thomas Schaaf ihr Debüt in der Bundesliga feierten.
647 So viele Pflichtspiele absolvierte er als Werder-Trainer. 311 davon gewann er, 205 gingen verloren.
5119 So viele Tage dauerte Schaafs Amtszeit als Profi-Coach. Bei Erfüllung seines Vertrags hätte er Otto Rehhagel überholt.
Schaaf gewann Titel und etablierte den chronisch unter schlechten Voraussetzungen leidenden SV Werder in der Champions League. Er erarbeitete sich den Ruf eines Coaches, "der Spieler besser macht." Er formte Talente zu Stars und bewies, dass er auch mit schwierigen Typen umgehen kann. Schaaf und auch sein Kompagnon Allofs wurden indes auch während des Erfolgs nie müde zu betonen, dass dies alles keine Selbstverständlichkeit sei.

Wer das damals nicht geglaubt hat, der ist spätestens in den letzten Monaten und Jahren eines Besseren belehrt worden. (Finanziell) Stärkere Klubs mit großen Einzugsgebieten und großen Konzernen im Rücken sind vorbeigezogen und haben ihren Vorsprung ausgebaut. Werder leistete sich dagegen ein paar Fehlgriffe auf dem Transfermarkt und schwupps ging die Reise langsam aber sicher in Richtung Tabellenkeller. Höhepunkt war dabei der Abstiegskampf bis fast zum bitteren Ende in der laufenden Spielzeit. Eben diesen Kampf gewann Schaaf und hielt Werder in der Liga, nur wenige Tage später kam sein Aus.

Schaaf genießt bei seinen Spielern und seinen Kollegen in der Bundesliga nach wie vor einen enorm guten Ruf. Bei einigen Fans hat sein Denkmal allerdings ein paar Kratzer bekommen. Seit einigen Jahren werden ihm immer wieder die gleichen Dinge vorgeworfen: Schaaf habe seine Lieblinge, die stets den Vorzug bekämen. Schaaf habe sich taktisch nicht weiterentwickelt, während von Tuchel, Klopp, Slomka und Co. trainierte Mannschaft moderner spielten. Schaaf bekäme es nicht hin, die ewig löchrige Defensive endlich stabil zu machen. Und so weiter und so fort.

Ob an dieser Kritik etwas dran ist, kann sich jeder selbst aussuchen (an welchem Trainer wird eigentlich nicht rumgemäkelt?). Dass der neue Mann es besser macht, das muss er erstmal beweisen. Werder ist in keiner einfachen Lage und der frische Wind, der Einzug halten soll, muss schnell Erfolge mit sich bringen.



Und eben das ist maßgeblich für die Zerrissenheit der Hanseaten in dieser Situation. Die Vorfreude auf neue Besen ist groß, aber eben auch die Angst vor einer Phase, wie sie nach Rehhagel da war.

"Man merkt erst, was man an jemandem hat, wenn er nicht mehr da ist", weiß der Volksmund. Es ist nicht so, dass sie in Bremen Thomas Schaaf keine Wertschätzung entgegenbrachten. Allerdings kann es auch gut sein, dass sie sich ihr Urgestein schneller zurückwünschen als ihnen lieb ist.

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