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FC Barcelona auf dem Weg zum 100-Punkte-Rekord - aber Pep Guardiolas Team war besser

Der Meister besiegte Atletico am Sonntag mit 2:1 und Reals Punkterekord von 2012 ist in Reichweite. Aber wie schneidet dieses Team im Vergleich mit Peps Mannschaften ab?

KOMMENTAR
Von Ben Hayward

Barcelona. Ist die aktuelle Mannschaft des FC Barcelona die beste in der Ära des Zauberfußballs der letzten Jahre?

Barca hat zum 22. Mal die spanische Meisterschaft gewonnen und statistisch könnte die Mannschaft von Tito Vilanova als die erfolgreichste aller Zeiten in die Geschichtsbücher des Klubs eingehen. Nach dem Auswärtssieg gegen Atletico Madrid am Sonntag ist das Team noch in der Spur, Reals Rekord von 100 Punkten aus der letzten Saison auszugleichen. Ebenso hat die Blaugrana bereits 107 Tore erzielt, was bereits jetzt eine neue Bestmarke für den FC Barcelona ist. Aber: Statistiken sind nur die halbe Wahrheit.

Pep Guardiolas Übermannschaft der Spieljahre 08/09, 09/10 und 10/11 erreichte jeweils 87, 99 beziehungsweise 95 Punkte. Aber mit drei Siegen aus den letzten Spielen kann Vilanovas Team diese Mannschaften übertrumpfen. Ist also die aktuelle Version von Barca besser, als Peps Truppe es war?

Guardiolas erste Pressekonferenz: "Schnallt euch an!"

"Schnallt euch an", sagte Guardiola in seiner allerersten Pressekonferenz, "denn wir werden unseren Spaß haben." Er behielt recht. Zwar verlor Barca damals den Ligaaauftakt unter Guardiola mit 0:1 in Numancia, gefolgt von einem 1:1 gegen Racing Santander, aber die Achterbahnfahrt sollte bald losgehen.

Ronaldinho und Deco hatten im Sommer 2008 das Team verlassen, wohingegen Samuel Eto'o gehalten wurde, damit er ein fantastisches Offensivdreieck mit Thierry Henry links und Lionel Messi rechts formen sollte. Und auch wenn der Argentinier seitdem eher in einer zentraleren Position agierte (und damit seine Torstatistiken in eine andere Hemisphäre katapultierte), war wohl dieses magische Trio die beste Sturmreihe auf der Zeitachse dieser großen und vielleicht größten Mannschaft.

Ausgeglichenes und brandgefährliches Offensivtrio

BARCAS LETZTE VIER MEISTERTITEL
2008/09
2009/10
2010/11
2012/13


  87 Punkte (105 Tore)
99 Punkte (98 Tore)
95 Punkte (96 Tore)
    91 Punkte (107 Tore)*

*drei ausstehende Spiele
Die Mannschaft hatte alles: Tempo, Kraft, Pressing, Dribbling, Gedankenschnelle, Weitblick, Größe, Kopfballspiel, Tricks, Technik und vor allem: Tore von allen Seiten des Feldes. Während heute Messi für einen Großteil von Barcas Toren verantwortlich ist, erreichten 2008/09 alle drei fantastische Trefferquoten. Messi erzielte 38 Tore, Eto'o 36, Henry 26. Heute kommt die Gefahr meist durch die Spielmitte und damit über den überragenden argentinischen Superstar. Aber damals war Barcelona von allen Seiten gefährlich und holte in Guardiolas Debütsaison das historische Triple.

Sechs von sechs Titel in der ersten 18 Monaten

Man erreichte weniger Punkte als in den folgenden Spielzeiten (87), denn Peps Mannschaft benötigte etwas Zeit, um sich zu Saisonbeginn einzuspielen. Zudem schonte Guardiola in den letzten Spielen des Jahres zahlreiche Stammkräfte für die Finalspiele der Copa del Rey und der Champions League (und fuhr so nur zwei Punkte aus den letzten vier Spielen ein). Dennoch hatte man die Meisterschaft bereits zuvor in der Tasche und darüber hinaus wurde die absolute Ausnahmestellung dieses Barca-Teams durch das brillante 6:2 in Madrid am 2. Mai 2009 bestätigt.  

2009/10 sammelte Peps Team mehr Punkte (99) und erreichte eine weitere Meisterschaft mit Zlatan Ibrahimovic als Eto'o-Ersatz. Dominant in der Liga, gewann Barca auch den Weltpokal, den spanischen Superpokal und den UEFA-Super-Cup, so dass man innerhalb der ersten 18 Monate unter Guardiola sechs von sechs möglichen Titeln gewann. Aber die Katalanen verloren im Viertelfinal der Copa del Rey gegen Sevilla und schieden auch in der Champions League im Halbfinale gegen Inter aus. Von da an bröckelte die Beziehung zwischen Ibrahimovic und Guardiola und auch die Leistung von Henry entsprach nicht mehr jener des Vorjahres. Damals entschied der Trainer, Messi müsse auf einer zentraleren Position agieren.


Villa + Messi + Pedro = 98 Tore!

Ibrahimovic wurde zeitig abgegeben und David Villa kam als sein Ersatz. Nur: Der Spanier musste auf der linken Seite neben Messi in der Mitte spielen. Aber der ehemalige Stürmer des FC Valencia passte sich seiner neuen Rolle sehr gut an, auch wenn er damit wohl nie hundertprozentig zufrieden war. Aber sein Spielverständnis mit Messi sorgte für eine atemberaubende Torquote (wettbewerbsübergreifend erzielte Messi 53 Treffer, Villa 23 und Pedro 22). In der Meisterschaft verlor die Mannschaft lediglich zwei Spiele und lieferte mit dem legendären 5:0 gegen Mourinhos Real vielleicht die stärkste Demonstration aller Zeiten ihres einzigartigen Fußballs ab.

Barca erreicht in dieser Spielzeit 99 Zähler und hätte locker die 100-Punktemarke übertreffen können, wäre nicht beim 0:0 am letzten Spieltag gegen Deportivo La Coruna eine komplette Ersatzelf aufgelaufen, um die Stammkräfte für das Finale der Champions League gegen Manchester United zu schonen.

Wir haben eine absolut herausragende Meisterschaft gespielt. 10 von 10 Punkten. Die Saison war nahezu perfekt für uns und wir haben verdammt viel dafür investiert.
- Gerard Pique -

Champions-League-Titel 2011: Ein neuer spielerischer Höhepunkt

Vor der nächsten "Aufführung" in Wembley hatte Guardiola geäußert, er hoffe, seine Mannschaft werde noch besser spielen als im 2009, als das Team von Sir Alex Ferguson mit 2:0 geschlagen worden war. Sie erfüllten den Wunsch des Trainers und ließen mit einem dominanten 3:1 den Schotten erstaunt zurück. Peps Herrschaft: Das Mittelfeldtrio Xavi, Andres Iniesta und Sergio Busquets hatte sich seit der ersten Spielzeit hervorragend entwickelt, während in der Offensive weiterhin Villa, Messi und Pedro für die Tore sorgten.

Wie dem auch sei: Die Sturmreihe wirkte nicht mehr auf der Höhe der Spielzeit 2008/09. Villa verletzte sich zum Ende der Saison schwer und Pedro litt unter einem deutlichen Formverlust, sodass die Mannschaft nun zu sehr von Messi abhängig wurde. Ein Problem, das bis heute anhält. Verletzungen von Carles Puyol und Gerard Pique, gelegentliche Aussetzer von Dani Alves und die gesundheitlichen Probleme von Eric Abidal schwächten Barcelona ebenfalls in den letzten beiden Jahren. Hier lässt sich sagen, dass Vilanova es geschafft hat, seine Mannschaft über alle Schwierigkeiten und Erfolgserlebnisse hinaus immer wieder zu motivieren – während es schien, dass ebendies Guardiola in seiner letzten Saison scheinbar schwer fiel. Dennoch geriet Barcelona vor allem gegen die anderen großen Vereine ins Hintertreffen (mit drei Niederlagen gegen Real Madrid, zwei gegen Bayern, einer gegen den AC Mailand). Zudem wirkt die spanische Primera Division zunehmend schwächer.

Wahrhaftig: Das demütigende 7:0 aus den beiden Duellen gegen die Bayern ist eine Niederlage, die unter Guardiola nur schwer vorstellbar war. Also: Selbst wenn diese Barca-Mannschaft Real Madrids Punkterekord der Vorsaison ausgleicht und damit eine eigene historische Bestmarke erreicht, so wird dieses Team dennoch von Peps großartiger Elf übertroffen – was auch immer die Statistiken sagen.  

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