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Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht bei uns! Wir verraten Euch Woche für Woche, wie sich die Ex-Bundesliga-Stars im Ausland schlagen.

Berlin. Goodbye Deutschland! Spieler kommen und gehen, Spieler wechseln in die Bundesliga und Kicker verlassen Deutschlands höchste Spielklasse. Aber wie geht es den Profis, die nun im Ausland auf Torejagd gehen? Sind sie aufgeblüht oder nur noch Bankdrücker. Haben sie sich prächtig entwickelt, oder folgte ein Karriereknick?

Jeden Dienstag stellt Euch Goal.com im Rahmen von "Was macht eigentlich..." drei Ex-Spieler der Bundesliga vor und zeigt, wie es ihnen an anderer Wirkungsstätte ergeht.

Bixente Lizarazu
In der Bundesliga: Von 1997 bis 2004 und von 2005 bis 2006

Vereine in Deutschland: Bayern München

Einsätze:
182

Tore:
7

Erfolge:
DFB-Pokalsieger 1998, 2000, 2003, 2005 und 2006; deutscher Meister 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006; Ligapokalsieger 1997 bis 2000; Champions-League-Sieger 2001 und Weltpokalsieger 2001
Der Lahm-Ersatz

Eigentlich sollte die Karriere langsam in seiner Heimat Frankreich ausklingen, doch daraus wurde nichts. Nach einem halben Jahr bei Marseille wurde der Baske nach Bayern "zurückbeordert", weil sich sein Nachfolger Philipp Lahm verletzt hatte und noch ausfiel.

Im zarten Alter von acht begann Bixente mit dem Vereinsfußball. Vom Provinzklub Les Eglantins Hendaye ging er 1988 zum damals sehr erfolgreichen Verein Girondis Bordeaux. Doch für die erfolgsverwöhnten Franzosen begann in jenem Jahr die Berg- und Talfahrt. Mal waren sie in der Tabelle ganz vorn, mal ganz hinten, durch finanzielle Engpässe mussten sie sogar in Liga 2. Doch mit Zinedine Zidane und eben Lizarazu stabilierte sich die Mannschaft ab 1992 langsam und gewann den UEFA-Intertoto-Pokal, der zur Teilnahme am UEFA-Pokal berechtigte. Sie stießen bis in Finale vor und unterlagen dort den Bayern.

Doch die Niederlage bedeutete für die Spieler das Sprungbrett zu internationalen Karrieren. Als gebürtiger Baske war Bixente einer der wenigen in Frankreich Geborenen, die für Athletic Bilbao und die baskische Auswahl auflaufen durften. Doch nach nur einem Jahr in der Primera Division zog es ihn nach Bayern. Hier feierte er alle Titel, die man auch Vereinsebene gewinnen konnte. Lediglich der UEFA-Pokal war nicht dabei, doch wen stört das schon, wenn man die Champions League und den Weltpokal gewinnen konnte.

Nach seiner aktiven Karriere wollte er sich nicht ausruhen und das Leben genießen, sondern noch einmal richtig angreifen und für seine Heimat bei den Olympischen Winterspielen im Skeleton antreten, doch schnell verwarf Lizarazu wieder den Gedanken, weil er dafür in die Alpen hätte ziehen müssen. Stattdessen wurde er am 31. Januar 2009 in Lissabon Europameister im Brazilian Jiu-Jitsu in der Klasse Blue Belt Senior 1 - Light. Inzwischen kämpft er vor der Kamera als Experte und Moderator. Außerdem besitzt er zusammen mit seinen ehemaligen Teamkameraden von Girondins Bordeaux, Alain Boghossian und Zinédine Zidane, das Team Olympique Croix de Savoie 74 aus der drittklassigen Championnat National.

Ciriaco Sforza
In der Bundesliga: Von 1993 bis 1996 und von 1997 bis 2006

Vereine in Deutschland: FC Bayern München, FC Kaiserslautern

Einsätze:
265

Tore:
23

Erfolge:
deutscher Meister 1998 und 2001, UEFA-Pokalsieger 1996, Champions-League-Sieger und Weltpokalsieger 2001
Als Aufsteiger deutscher Meister

Sforza gehörte der Pfälzer Wunderelf von Otto Rehhagel an, die 1998 als Aufsteiger die Bundesliga gewann und somit zu Meisterehren kam. Der Schweizer war ein wichtiger Bestandteil im Mittelfeld des FC Kaiserslautern.

Ciriaco Sforza wurde als Sohn italienischer Staatsbürger in Wohlen geboren und bekam erst 20 Jahre nach seiner Geburt das Schweizer Bürgerrecht. Dem jungen Ciriaco hielt dies natürlich nicht davon ab, gegen den Ball zutreten. Er wechselte noch als Jugendspieler zu den Grasshopper Zürich, wo er bald in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam. Als jedoch ein gewisser Ottmar Hitzfeld den Mittelfeldmann zum Verteidiger machen wollte, ergriff er die Flucht und ging nach Aarau, um sich dort in der ersten Liga zu etablieren und erneut zurück nach Zürich zu wechseln.

1993 begann mit seinem ersten Wechsel in die Pfalz seine Karriere in der Bundesliga. Hier konnte er sich schnell einen guten Ruf erarbeiten und die Macher der Bayern holten ihn an die Isar. Mit Vorschusslorbeeren im Gepäck holte er zwar den UEFA-Pokal, doch setzte sich nicht durch, sodass er gen Inter Mailand weiterzog. Die Kürze der Zeit zeigt an, dass sich der Schweizer auch hier nicht wohlfühlte, denn nur ein Jahr später bestieg er zum zweiten Mal den Betzenberg.

Die darauffolgende Saison war, auch wenn er später noch die Champions League und den Weltpokal gewinnen sollte, wohl einzigartig. Als Mittelfeldspieler unter seinem ehemaligen Bayerntrainer Otto Rehhagel führte er die Pfälzer zur Meisterschaft. Der Mythos Betzenberg lebte wieder, die Fritz-Walther-Elf 2.0 schrieb Geschichte und schnappte allen etablierten Teams als Aufsteiger die Schale weg!

Sein nächster Wechsel kam wenig überraschend und das Ziel war altbekannt, ebenso wie der Coach. Ottmar Hitzfeld und Ciriaco Sforza, das schien nicht zu passen, denn auch bei seinem zweiten Halt an der Säbener Straße schaffte er den Durchbruch nicht und holte die Königsklasse und den Weltpokal nur als Reservist. 2002 ging es, welch überraschende Wendung, zurück nach Kaiserslautern. Diese Zeit nahm allerdings kein gutes Ende. Er kam durch Verletzungen nur zu wenigen Einsätzen, wurde von Coach Michael Henke im Oktober 2005 suspendiert und kam zu keinem weiteren Einsatz mehr für seine "Roten Teufel".

Sforza spielte lange in der Bundesliga und wechselte immer wieder zwischen der Pflaz und dem Alpenvorland, als Trainer fungierte er bisher in Luzern und bei seinem Heimatklub Zürich. Er besitzt nach der erfolgreichen Absolvierung des DFB-Fußballlehrerlehrgangs die UEFA-Pro-Lizenz.

Marc Wilmots
In der Bundesliga: Von 1996 bis 2000 und von 2001 bis 2003

Vereine in Deutschland: FC Schalke 04

Einsätze:
138

Tore:
27

Erfolge:
UEFA-Pokalsieger 1997, DFB-Pokalsieger 2002
"Willi, das Kampfschwein"

Wilmots gehörte zur legendären Schalker Eurofighter-Elf unter Huub Stevens und war für seinen unerbittlichen und stets zuvorkommenden Einsatz bekannt. Daher auch sein Spitzname "Willi, das Kampfschwein". Er verwandelte 1997 gegen Inter Mailand den entscheidenden Elfer zum großen Wurf.

Die "Roten Teufel" Belgiens wurden Anfang des 20. Jahrhunderts Olympiasieger und sorgten in den 1970'er und 1980'er Jahren für Furore. Inzwischen stehten Spieler wie Vincent Kompany oder Eden Hazard für Belgien auf dem Platz. Nicht wenige gehen von einer neuen Phase der "Roten Teufel"-Dynastie aus. An der Seitenlinie gebändigt  werden sie von Marc Wilmots.

Der Eurofighter begann seine Profi-Karriere 1987 beim VV St. Truiden und gewann wenig später mit Mechelen den UEFA-Supercup und die belgische Meisterschaft. Mit dem belgischen Pokalerfolg mit Standard Lüttich im Gepäck wechselte er nach Gelsenkirchen zu Schalke 04. Unter dem niederländischen Trainer Huub Stevens holte der Mittelfeldspieler gleich in seiner ersten Saison den UEFA-Pokal.

Nach zwei eher durchwachsenen Spielzeiten ging er im Jahr 2000 zu Girondis Bordeaux, kehrte aber nur ein Jahr später wieder in die Bundesliga zu den Königsblauen zurück, mit denen er noch einen großen Titel feiern durfte. Im DFB-Pokalfinale 2002 schlugen sie "Vizekusen" 4:2. Im März 2003 beendete Wilmots seine Karriere und wechselte gleich auf die Trainerbank des Revierklubs. Im Sommer darauf wurde er von Jupp Heynckes ersetzt und ging als Coach zurück zu seinem ersten Profiklub nach Truiden. Auch dort baute man nicht lange auf ihn, sodass er schließlich beim Fußballverband seines Heimatlandes als Co-Trainer unter Dick Advocaat anheuerte.

Inzwischen ist der 44-Jährige verantwortlicher Übungsleiter der belgischen Nationalmannschaft und steht mit ihnen in der WM-Qualifikationsgruppe A ungeschlagen auf Platz eins vor den punktgleichen Kroaten. Das Ticket nach Brasilien haben sie somit schon kräftig angezahlt.

Folge Fabian Biastoch auf

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