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Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht bei uns! Wir verraten Euch Woche für Woche, wie sich die Ex-Bundesliga-Stars im Ausland schlagen.

Berlin. Goodbye Deutschland! Spieler kommen und gehen, Spieler wechseln in die Bundesliga und Kicker verlassen Deutschlands höchste Spielklasse. Aber wie geht es den Profis, die nun im Ausland auf Torejagd gehen? Sind sie aufgeblüht oder nur noch Bankdrücker. Haben sie sich prächtig entwickelt, oder folgte ein Karriereknick?

Jeden Dienstag stellt Euch Goal.com im Rahmen von „Was macht eigentlich“ drei Ex-Spieler der Bundesliga vor und zeigt, wie es ihnen an anderer Wirkungsstätte ergeht.

Thiago Neves
In der Bundesliga: Von 2008 bis 2009

Vereine in Deutschland: Hamburger SV

Einsätze:
6

Tore:
0

Erfolge:
Fehlanzeige
Teurer Reservist

Rund 7,5 Millionen Euro musste der Hamburger SV Richtung Brasilien überweisen. Bezahlt hat sich der Transfer nicht gemacht. Lediglich ein halbes Jahr spielte Neves für den Dino...

Thiago Neves war ein junger, talentierter Mittelfeldmann, als er nach Deutschland kam. In seiner Heimat Brasilien gelang ihm bei Fluminense schnell der Durchbruch und bei den Olympischen Spielen 2008 holte er die Bronzemedaille. Den Norddeutschen des HSV waren seine Dienste immerhin rund 7,5 Millionen Euro wert, die sie im August des Jahres 2008 auf die Reise schickten.

In Hamburg jedoch stagnierte die Entwicklung des damals 23-Jährigen. Er kam im Norden der Republik nicht so richtig klar. Nach nur sechs Monaten mit eben so vielen Spielen auf seinem Konto "beantragte" er die Versetzung zu einem anderen Klub. Diesem Wunsch wurde entsprochen und er zurück nach Fluminense verliehen. Ein halbes Jahr später zog es ihn schließlich zu Al-Hilal, wo er drei Jahre bis 2012 kickte. Inzwischen steht er wieder bei Fluminense unter Vertrag.

Für Aufsehen sorgte am Wochenende ein Bild des Fußballers bei Twitter. Er und seine Teamkollegen Fred und Rhayner posierten nach der Hinspielniederlage im Copa-Libertadores-Achtelfinale gegen Emelec in Talibanvermummung mit einem Fluminense-Tuch und betitelten das Bild mit "Taliban Tricolor". Damit wollten sie die Kampfbereitschaft ihres als "Tricolor" bekannten Klubs versinnbildlichen. Die Vereinsführung fand diese Art und Weise nicht ganz passend und wies die drei Profis mächtig in die Schranken. Die Absicht der Initiatoren sei sicher nicht gewesen, das Bild zu zeigen, für das die Taliban stünden, nämlich für Terroristen und ein mit modernen Vorstellungen nicht vereinbares Frauenbild, versuchte der Klub den Imageschaden noch abzuwehren. Die Geschichte des Klubs passe so gar nicht zu einem Aufruf zu Gewalt und Aggression.

Ali Karimi
In der Bundesliga: Von 2005 bis 2007 und 2011

Vereine in Deutschland: FC Bayern München, FC Schalke 04

Einsätze:
34

Tore:
3

Erfolge:
deutscher Meister und Pokalsieger 2006, DFB-Pokalsieger 2011
Ein iranischer Dribbelkünstler in München

Als Ali Karimi in die bayerische Landeshauptstadt zum deutschen Rekordmeister wechselte, war er als starker Dribbler und Publikumsliebling im Iran bekannt. Auch bei Bayern unterstrich er diesen Ruf, musste sich aber einer Fußverletzung geschlagen geben und das Abenteuer Deutschland beenden.

Ali Karimi dribbelte und zauberte 1998 bei einem Hallenturnier in seiner Heimat. Trainer Ali Parvin, erfolgreichster Coach des Iran und eine Institution bei Persepolis Teheran, holte den jungen Mittelfeldmann zum Haupstadtklub. Auf Anhieb wurde Karimi zum Publikumsliebling und Sympathieträger. Gleich in seiner ersten Saison holte er das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Seine Leistungen blieben nicht lange unentdeckt, sodass Al-Ahli aus den Vereinigten Arabischen Emiraten schnell anklopfte und ihn schließlich 2001 verpflichtete.

Die folgenden vier Jahre bedeuteten einen wahren Karriersprung. Die Mittel in den VAE waren da, die asiatische Champions League sollte her. Auf Vereinsebene reichte es "nur" zu nationalen Titeln, doch mit der Nationalmannschaft kam er zu Titelehren. 2004 wurde der Mittelfeldmann aus Teheran Westasienmeister, Dritter der Asienmeisterschaften, Rekordtorschütze bei letztgenanntem Turnier und Asiens Fußballer des Jahres.

Den wachsamen Augen des Felix Magath entgingen die Ehrungen und nicht und er holte Karimi zu den Bayern. Dort angekommen glänzte er in seinen ersten Monaten als dribbelstarker Mittelfeldmotor. Eine Verletzung und ein schwacher Auftritt des Iran bei der Weltmeisterschaft 2006 leißen auch den Stern Karimis sinken. Nach den beeindruckenden Leistungen zu Beginn der Saison 2005/06 kam er nicht mehr richtig in den Tritt und verließ Deutschland im Sommer 2007. Auf seinem Titelkonto reihte sich der Doublesieg in seiner Premierensaison ein.

Über Katar und Persepolis kam er zu Steel Azin FC. Diese Zeit wurde jedoch unrühmlich beendet. Sein Verein warf ihm vor im Fastenmonat Ramadan nicht vorschriftsmäßig gefastet zu haben und so "die Regeln des heiligen Monats Ramadan nicht respektiert [zu] haben". Am Ende war er arbeitslos.

Doch sein alter Trainer Magath erinnerte sich an ihn und lotste den Iraner für ein halbes Jahr nach Schalke. Unter Ralf Rangnick holte er zum zweiten Mal den DFB-Pokal. Inzwischen steht er wieder bei seinem Stammklub Persepolis unter Vertrag.

Hasan Salihamidzic
In der Bundesliga: Von 1995 bis 2007 und von 2011 bis 2012

Vereine in Deutschland: Hamburger SV, FC Bayern München, VfL Wolfsburg

Einsätze:
321

Tore:
52

Erfolge:
DFB-Pokalsieger 2000, 2003, 2005 und 2006; deutscher Meister 1999, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006; Ligapokalsieger 1998, 1999, 2000 und 2004; Champions-League-Sieger 2001 und Weltpokalsieger 2001
Rekordspieler im Ligapokal

Lange spielte "das Bürschchen" (deutsch für seinen Spitznamen "Brazzo") in der Bundesliga, doch Rekordspieler wurde er im deutschen Ligapokal, der stets im Sommer zwischen den Spielzeiten ausgetragen wurde. Mit 14 Einsätzen, in dem 2007 zuletzt ausgetragenen Mini-Turnier steht er ganz oben auf der Liste. Auch war an vier von sechs Titeln des FC Bayern München beteiligt.

Der Bosnier Hasan Salihamidzic war schon in jungen Jahren sein begnadeter Fußballer. Er wurde in die U-15 und U-16 Auswahlmannschaften des damaligen Jugoslawiens berufen und spielte groß auf. 1992 musste er seine Heimat infolge des Bosnienkriegs verlassen. War dieser Schritt ein schwerer Einschnitt in das Familienleben, war er doch umso wichtiger für die spätere Karriere von "Brazzo".

Er kam bei Verwandten in Hamburg unter und spielte bei den Jugendmannschaften des Hamburger SV. Nach drei Jahren in der Jugendabteilung wurde er mit einem Lizenzspielervertrag ausgestattet und avancierte von 1995 bis 1998 zur Stütze und zum Stammspieler der Norddeutschen. Mit Ende seines Vertrags erhielt einer der besten Spieler des HSV Angebote aus Barcelona, Manchester, Dortmund und dem Süden der Republik. Der damals 21-Jährige entscheid sich für Bayern München.

Salihamidzic sollte eine der erfolgreichsten Zeiten des deutschen Rekordmeisters prägen. Nach dem Champions-League-Erfolg von Borussia Dortmund, holte man deren Trainer Ottmar Hitzfeld an die Säbener Straße und wollte es den Schwarz-Gelben nachmachen. 1999 scheiterte "Brazzo" noch in den letzten zwei Minuten an Manchester United, 2001 verwandelte er seinen Elfmeter gegen Valencia und wähnte sich auf dem Thron Europas. Zahlreiche Titel folgten noch im Dress der Bayern, die er 2007 in Richtung Italien verließ.

Bei dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin war er der flexible Mann im Mittelfeld. Mal auf links, mal auf rechts oder auch als Außenverteidiger eingesetzt, spielte er stark, es gelang ihm aber kein Titelerfolg. Nach vier Jarhen wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert und Bosniens Fußballer der Jahre 2000 und 2004 zog weiter in die Autostadt Wolfsburg. Sein Beginn beim VfL war gleich durch Verletzungspech gestört. Eine Armfraktur warf ihn zurück, seine Zeit in Niedersachsen war mit 15 Einsätzen nicht von großem Erfolg geprägt.

Im Sommer 2012 entschied er sich zu seinem Karriereende. Nun ist er immer wieder als Experte in verschiedenen TV-Formaten Europas zusehen.

Folge Fabian Biastoch auf

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