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Im Sommer wird Jupp Heynckes den FC Bayern verlassen. Ob es eine gute Wahl ist oder nicht, wird sich zeigen, doch mit der starken Leistung des aktuellen FCB ist Kritik berechtigt.

KOMMENTAR
Von Akarsh Sharma

Es ist immer toll und ein Hobby vieler Fans über den Aufstieg oder den Niedergang eines Imperiums zu spekulieren. Noch mehr Freude macht es, wenn es dabei um die Dominanz des FC Barcelona geht. Selbst viele neutrale Fußballfans haben sich an der Spielweise der Katalanen ergötzt.

Nach den Bayernsiegen gegen Barca waren alle begeistert. Fans, Journalisten und die weltweite Twittergemeinde feierten den Erfolg der Deutschen und leuteten eine neue Ära ein. Ähnlich war es 2004, als Barca die "Galaktischen" von Real Madrid im heimischen Stadion schlugen und so zum Meister wurde. Fünf Jahre später wiederholten sie das Kunststück im Bernabeu und untermauerten ihre europäische Dominanz erneut.

Vielleicht haben die Bayern etwas ähnliches geschafft, doch die nicht vorhandene Kontinuität auf der Trainerbank ist eine Hürde, die sie erst noch überwinden müssen. Im Sommer hört Jupp Heynckes auf und Pep Guardiola übernimmt. Jener Trainer, der die Grundlage für jenes Team baute, das die Bayern unter der Woche vernichtend geschlagen haben.

Im Schatten | Guardiola übernimmt im Sommer von Heynckes

Der deutsche Philosoph Wolfram Eilenberger sagte im Januar in der ZEIT, Guardiolas Fußball sei sehr feminin: "Die taktisch forcierte Abkehr von männlich codierten Tugenden: der Physis, dem Kampf, der Durchsetzungskraft, der Ichbezogenheit, auch der potenziellen Großräumigkeit des Spiels. Im idealen Fußball des Guardiola regieren kurze Pässe, es gibt keine Distanzschüsse, direkten Freistöße, Flanken, Kopfballtore. Kleinteilige Ballkontrolle und Penetrationsarmut kennzeichnen seinen Stil. Günter Netzer, übernehmen Sie!" Die BILD betitelte ihn als "Denk-Doktor", aber auch als "Philodoofen". Aber er hat einen gewissen Punkt getroffen.

Das heutige Bayern ist ein ganz anderes Team, als jenes des FC Barcelona der vergangenen Jahre. Das heutige Bayern ist eine wahre Bestie, eine Maschine, Barbaren auf dem Feld, eine Mannschaft mit hochtalentierten Spielern vom Keeper bis in den Sturm. Es ist eine typisch deutsche Mannschaft mit einer guten Balance zwischen Stahl und Kunst. Sie erledigen ihren Job, weniger mit einer ausgeklügelten Taktik, sondern vielmehr mit der Kombination aus einer starken Physis, einer gesunden Portion Aggressivität und einem gewissem Flair.

Es ist ein Team, an dem Guardiola seine Freude habe wird, aber es erst zähmen muss, bevor er seinen eigenen Stil einbringen kann.

Die Geschichte hat gezeigt, dass die größten Sieger vorher schmerzhafte Niederlagen hinnehmen mussten. Die Bayern mussten im vergangenen Jahr die bitterste Saison seit langer Zeit verkraften. In der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League scheiterten sie spätestens im Finale. Besonders dramatisch: Die Niederlage im "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea und jene gegen Borussia Dortmund.

Ihre Vielseitigkeit und die taktische Intelligenz ist etwas, was sie heute von den anderen Mannschaften unterscheidet und auch den Unterschied gegen Barcelona ausmachte.

Nach dem Hinspiel waren die Bayern im Verhalten und in der Dominanz gleichwertig; nur im Ballbesitz und in der Passgenauigkeit lagen sie hinter den Katalanen. Es war ein Spiel zwischen dem "einen" Barcelona und dem "anderen" Barcelona.

BAYERNS BESTE SPIELER DER SAISON
 NR.1 | FRANCK RIBERY

3.6/5
Der Franzose ist eine echte Konstante und Stütze in der Bayern-Elf. In der Bundesliga machte er schon acht Tore und bereitete zehn vor. Sein Tempo und seine Dribbelstärke haben schon viele Abwehrreihen in Deutschland und Europa zum Verzweifeln gebracht. Er wird auch im Wembley ein Waffe sein.
 NR.2 | TONI KROOS

3.38/5
Auch wenn er gegen Barcelona verletzt war, so war er stark im Mittelfeld der Bayern. Seit Saisonbeginn zeigte er eine tolle Leistung nach der anderen. Es ist noch unklar, ob Kroos für das Finale am 25. Mai wieder fit sein wird.
 NR.3 | ARJEN ROBBEN

3.35/5
Der niederländische Nationalspieler war in der ersten Saisonhälfte etwas beleidigt, da er einen festen Platz in der Stammelf haben wollte. Doch seit Februar glänzt er in allen Spielen, so auch gegen Barcelona, als er sowohl im Hin- als auch im Rückspiel traf und die Katalanen auf der linken Seite vor unzählige Probleme stellte.

Es gibt aber einen großen Unterschied. Bayern München hängt nicht an einer festen Philosophie, was sie noch schwerer zu schlagen macht. Sie können von einem brillanten Ballbesitz- und Kurzpassspiel in ein starkes Konter-Spiel umschalten oder sogar die perfekte Balance zwischen beiden finden.

Vor dem ersten Spiel legte sich Xavi fest und rief den hohen Ballbesitz und das Kurzpassspiel als Mittel zum Zweck aus. Damit könne Barca das Spiel gewinnen. Das Tiki-Taka ist in Barcelona eben eine Frage der Ehre.

Die Bayern hatten aber andere Ideen. Sie hatten nur knapp 34 Prozent Ballbesitz und waren damit zufrieden. Sie waren froh, wenn sie den Ball spielen konnten, sie vertrauten darauf mehr, als um jeden Ball zu kämpfen. Sie konterten intelligent, offenbarten die Schwächen der Katalanen in der Luft und auf den Flügeln und nutzten sie schlicht und einfach aus. Viel wichtiger noch, die Bayern hatten immer die Kontrolle. Nicht einmal für eine Minute hatte es den Anschein, als ob sie die Kontrolle verlören.

Die Bundesligisten haben gezeigt, dass sie in dieser Saison die Klasse haben, sich an jeden Gegner anzupassen und sich auf ihn mit Personalwechsel auch einstellen können.

Bei Arsenal dominierten sie die Partie, gegen Juventus nutzte die Heynckes-Elf wiederum hohen Ballbesitz und kontrollierte zuerst das Tempo im Hinspiel und nahm es im Rückspiel so heraus.

Haben sie in der kommenden Saison jedoch auch einen Trainer, der ähnlich spielen lässt?

Das sollte man einen der besten Trainer wohl kaum fragen, doch in seiner letzten Saison in Barcelona regierte eine gewisse Hartnäckigkeit vom eigentlichen Plan abzuweichen und den Gegner mit einem neuen zu überraschen.

Zum Beispiel die Niederlage im Camp Nou gegen den Erzrivalen aus Madrid. Alexis Sanchez kam viel zu spät um die Innenverteidiger direkt zu attackieren und Messi so mehr Raum zu bieten. Nicht nur in diesem Spiel, auch in den Partien zuvor, war ein weiterer Stürmer eher Requisite.

Die ersten Bayern-Tore im Hinspiel waren nicht aus Guardiolas Taktikbuch, denn Lufthoheit und der Einsatz eines echten Mittelstürmers ist ein Schlüsselfaktor im Spiel der Münchner. Eilenberger sagte noch weiter: "Körperlich extrem starke, auch elegante Stürmer wie Samuel Eto'o und Zlatan Ibrahimovic hatten bei Guardiola keine Chance. Mario Gomez und Mario Mandzukic sollten davon Notiz nehmen." Wird es ab Sommer keinen Mittelstürmer mehr geben?

Es gibt noch viele andere Faktoren - wie zum Beispiel eine fehlende "bayerische La Masia" - die Guardiola daran hindern werden, einfach so die Bayern umzukrempeln. Jedoch hat er mit dem Transfer von Mario Götze und dem erwarteten Wechsel von Arjen Robben bereits jetzt seine Handschrift hinterlegt.

Ein Mann, der Idealismus predigt, übernimmt eine Mannschaft, die mehr mit Pragmatismus Europas Fußball dominiert. Manche Kritiker haben gesagt, Guardiola nimmt gar keinen echten Kampf in München an. Aber es könnte sein größter werden, den Bayern seine Kunst beizubringen ohne dabei den möglichen, deutschen Triple-Sieger zu kränken.

EURE MEINUNG: Was wird aus Bayern München unter Guardiola?

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