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Werder Bremen: Lemkes Freifahrtschein vor dem Abstiegs-Knaller

Werder nähert sich der 2. Bundesliga. Trotzdem stärkt Willi Lemke dem Trainer vor dem Hoffenheim-Spiel demonstrativ den Rücken. Mittelfeldspieler de Bruyne spricht von Krieg.

Düsseldorf. Die Anhänger von Werder Bremen, die der Meinung sind, dass eine Ablösung von Thomas Schaaf längst überfällig ist, mussten am Donnerstag die nächste Enttäuschung einstecken. Diesmal war sie ausnahmsweise nicht sportlicher Natur, vielmehr meldete sich Werders Aufsichtsratsvorsitzender zu Wort – und stärkte dem Cheftrainer den Rücken.

Auch Schaaf unterliege den Gesetzen der Branche, sagte Willi Lemke bei Sky: „Aber er hat 14 Jahre hier hervorragende Arbeit geleistet. Das ist 'Bremisch', dass wir sagen, es gibt gute Zeiten, dann ist es leicht sich feiern zu lassen, und wir haben schwierige Zeiten.“ Jetzt stecke man in einer schwierigen Zeit, so Lemke weiter, „und da steht man erst recht zusammen und fällt nicht übereinander her.“

Nach den jüngsten Misserfolgen in der Bundesliga war intensiv über eine bevorstehende Demission Schaafs spekuliert worden, Lemkes Äußerungen sprechen aber dafür, dass die Zeit für einen Wechsel auf der Trainerposition (noch) nicht gekommen ist. Dabei wächst die Anzahl derer, die für einen Neuanfang ohne Schaaf plädieren, innerhalb der Anhängerschaft stetig.

Support ja, Unwissen nein

Darüber darf auch die phänomenale Performance der Fans beim 0:1 zuletzt in Leverkusen nicht hinwegtäuschen. Sie haben erkannt, dass die Mannschaft die größtmögliche Unterstützung braucht, um in der ersten Liga verbleiben zu können. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie den fortwährenden Niedergang ihres Klubs nicht bemerken und die Verantwortlichen, zu denen Schaaf zweifellos gehört, nicht kennen würden.

Womöglich werden die Konsequenzen aber erst in geraumer Zeit gezogen - wenn überhaupt. Erst einmal steht für die Bremer, die als Tabellen-14. nur noch zwei Punkte vor dem 16. FC Augsburg stehen, das Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim an. Es ist das drittletzte Duell der Saison, und für beide Teams geht es um nicht weniger als die Existenz. Verliert Hoffenheim, könnte es das mit den Hoffnungen auf den Klassenerhalt für den aktuell 17. schon fast gewesen sein.

Verpasst Bremen den Sieg und gewinnen Düsseldorf (in Frankfurt) und Augsburg (in Freiburg), wäre der Absturz auf den Relegationsplatz perfekt. Damit es nicht soweit kommt, wird am Samstag auch Kevin de Bruyne wieder sein Können in die Waagschale werfen. Der 21-Jährige, Bremens Bester in dieser Saison, steht nach Oberschenkelproblemen wieder zur Verfügung. Vor dem Spiel stimmte er sich und seine Kollegen mit martialischen Ansagen beim Kurznachrichtendienst Twitter auf die Begegnung ein. Ein „Krieg“ werde das Spiel gegen Hoffenheim werden, schrieb er.

Blutleere Vorstellungen

Zumindest der vom FC Chelsea ausgeliehene de Bruyne, der im Sommer den Klub verlässt, hat den Ernst der Lage erkannt. Mehrere Mitspieler dagegen zeigten zuletzt oftmals blutleere Vorstellungen oder gaben ausschließlich auf der Autobahn Vollgas. Auch diese Tatsachen könnte man Trainer Schaaf zum Vorwurf machen. Zum einen scheint es ihm nicht zu gelingen, die gesamte Mannschaft einzuschwören, zum anderen fehlt ihm möglicherweise die Autorität, damit Eskapaden wie jene um Marko Arnautovic und Eljero Elia gar nicht erst passieren können.

Vielleicht hat Willi Lemke Recht. Vielleicht ist es müßig, in der jetzigen Lage über die Rolle des Trainers zu diskutieren. Wer weiß schon, ob ein Wechsel auf der Bank den gewünschten Knalleffekt zur Folge hätte! Vielleicht ist es besser, mit Ach und Krach den Klassenerhalt zu schaffen (wenn es denn klappt) und erst im Sommer zu resümieren.

Eines ist in jedem Fall klar, und da findet auch Willi Lemke unmissverständliche Worte: „Der letzte Auftritt hier im Weserstadion (0:3 gegen  Wolfsburg, d. Red.) war ja völlig blutleer. Das war furchtbar. Jetzt müssen wir gegensteuern und den Zuschauern zeigen, dass wir nicht absteigen.“

Und wenn nicht? Zumindest Thomas Schaaf muss sich, ausgestattet mit einem Freifahrtschein von ganz oben, keine Sorgen um seinen Job machen.

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