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Nach 2011 sollte Barca die Champions League erneut dominieren, doch nun bezahlen sie den Preis, ihren Kader nicht konsequent verstärkt zu haben.

ANALYSE
Von Mark Doyle

Josep Maria Bartomeu, Vizepräsident des FC Barcelona, versprach nach der Demütigung in München den Fans „vier oder fünf neue Spieler“. „Wir müssen die Mannschaft wachrütteln“, mahnte er. Es ist sowohl bejammernswert als auch rätselhaft, dass diese Erkenntnis erst jetzt kommt.

Wenn es keine Sensation im Camp Nou gibt, werden die Katalanen im zweiten Jahr nacheinander im Halbfinale der Königsklasse die Segel streichen. Mal wieder waren sie gut, aber nicht gut genug. Dafür trägt der FC Barcelona selbst schuld, das ist die harte Wahrheit, denn sie haben es versäumt, die Mannschaft in verschiedenen Bereichen zu verstärken.

Als Barcelona Manchester United vor zwei Jahren im Wembley besiegte, konnte man davon ausgehen, dass die Katalanen die erste Mannschaft sein werden, die den Titel in der Champions League verteidigen.

Danach verpflichtete Barca gerade einmal zwei Spieler. Das Unglaubliche daran: Es war kein Verteidiger dabei Cesc Fabregas und Alexis Sanchez kamen nach Barcelona. Fabregas war eine Herzensangelegenheit. Barca versuchte verzweifelt, den verlorenen Sohn zurück nach Spanien zu holen. Anstatt noch ein Jahr zu warten und dann weniger Ablöse zu zahlen, wurden 34 Millionen Euro investiert. Dieses Geld hätte man lieber in die Verteidigung gesteckt, die derzeit überlastet ist. Beide Spieler schaffen es dazu noch nicht, sich in die erste Elf zu spielen. Fabregas ist wahrscheinlich der teuerste Ersatzspieler der Welt. Natürlich ist es der richtige Spieler, der aber zur falschen Zeit gekauft wurde.

WIE SICH DIE TRANSFERS VON BARCELONA IN DEN LETZTEN ZWEI JAHREN ENTWICKELT HABEN

FABREGAS
ALEXIS ALBA
SONG
GEWECHSELT VON
Arsenal
Udinese
Valencia
Arsenal
ABLÖSE
€34m €36m €14m €19m
SPIELE 91
82 39
30
TORE
28 23 5 1
VORLAGEN
31
16 5
1

Fabregas wird früher oder später im ersten Team spielen. Von Alexis Sanchez kann man das nicht behaupten, er stellte sich als Flop heraus.

Der Chilene gab in seinem ersten Jahr flüchtige Einblicke, zu was er imstande zu leisten ist, doch seine zweite Saison ist bisher ein Desaster. Eigentlich ist es lächerlich, dass Alexis immer wieder zurückfällt, sobald er Tore erzielt. Umso härter er es probiert, umso mehr fällt er zurück.

Vor der Saison kam Barca dann in den Sinn, es könnte schwierig in der Abwehr werden. Mit Jordi Alba und Alex Song wurden ein Linksverteidiger und ein defensiver Mittelfeldspieler verpflichtet. Alba, der gegen Bayern in der Startelf stand, kann schon eine Verstärkung sein. Das Problem ist allerdings, dass er genauso offensiv agiert wie Dani Alves, sodass Barca in der Abwehr meistens nur zu zweit verteidigen muss.

Der Gedanke bei dem Transfer von Alex Song war der, dass sie einen Spieler bekommen, der sowohl im Mittelfeld als auch in der Innenverteidigung spielen kann, allerdings haben sie dafür den Falschen gekauft. Für das doppelte Geld hätten sie einen Spieler bekommen, der beides drauf hat: Javi Martinez wechselte letzten Sommer für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao zu Bayern München.

Die Bayern waren zunächst nicht bereit, eine solche Summe für Martinez hinzublättern, doch der Rekordmeister wusste genau: Das ist der Spieler, den sie benötigen. Wenn Barca eine solche Überzeugung an den Tag gelegt hätte, hätte Martinez im Herzen der Abwehr positioniert werden können und die schwach Defensive aus der letzten Woche stärken – stattdessen sorgt Martinez bei Bayern im Mittelfeld für Ordnung.

Größer, schneller, stärker | Bayerns Stärke in der Tiefe erlaubt ihnen mehr zu rotieren als Barca

Man sollte einmal die Transfers von Barca und Bayern miteinander vergleichen. 2011 schafften es die Münchner nur ins Achtelfinale. Sie wussten, dass sie viel investieren müssen, und das haben sie auch gemacht. In den letzten zwei Jahren wurden mit Martinez, Mandzukic, Shaqiri, Dante, Pizarro und Manuel Neuer ordentlich eingekauft.

Man muss sich eingestehen, dass Bayern „Größer, schneller und stärker“ wirkte, wie Gerard Pique nach dem Hinspiel anmerkte. Dazu ist Jupp Heynckes dank der Stärke des Kaders in der Lage, sein Team rotieren zu lassen, ohne einen großen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen.

Damit die Unterschiede deutlich werden, sollte man sich nur die Vorstellung von Bayerns B-Elf gegen Hannover 96 anschauen. „Wir haben keine B-Elf“, sagte Heynckes. Der Trainer hat zwei Weltklasse-Spieler für eine Position. Tito Vilanova verfügt nicht über diesen Luxus, wie man nach dem Verlust des 35-Jährigen Carles Puyol deutlich sieht.

Barcelona hat es nicht nur versäumt, den Kader zu verstärken, es wurden auch die falschen Spieler gekauft. Sie haben die Abhängigkeit von Lionel Messi in der Offensive ignoriert und in der Abwehr schlichtweg nicht nachgelegt. Sie haben falsch investiert – dafür zahlen sie einen sehr hohen Preis.

EURE MEINUNG: Muss der FC Barcelona seine Taktik auf dem Transfermarkt überdenken?

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