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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

ehrlicherweise muss ich gestehen, dass die Hoffnung bei mir ziemlich groß war. Ich hielt es nicht für ein Ding der Unmöglichkeit, aus Sicht des HSV auf Schalke Punkte zu holen. Die Mannschaft von Jens Keller hat mich und viele andere eines besseren belehrt. Und für die Champions League ist es tatsächlich noch zu früh. Dafür hat sich der HSV viel zu blauäugig angestellt. Dennoch muss man dem Team in diesem Kontext auch ein Lob aussprechen, denn immerhin haben sie es geschafft, in Reichweite zum vierten Platz um ihre Chance mitspielen zu dürfen. Erinnern wir uns, wo der HSV vor einem Jahr stand. Ich erkenne in dieser Hinsicht eine Entwicklung.

Klar ist aber auch, dass die jetzige Tabellenplatzierung nicht günstig war. Bekanntlich investierte der HSV 27 Millionen Euro in den Kader. Ob diese Rechnung aufgegangen ist, wird man am Ende der Saison feststellen können. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müsste man sagen, dass mindestens die Europa League herausspringen sollte. Doch genau darin sehe ich ein großes Problem. Angesichts der dargebotenen Leistungen in dieser Saison zweifle ich stark daran, dass die junge Mannschaft der Doppel- oder Dreifachbelastung gewachsen ist. Das sieht man zum Beispiel am VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach oder Hannover. Jedes Team hat in der Liga Schwierigkeiten gehabt.

Unterm Strich bleibt den Vereinen in der Europa League meist wenig über. Doch mit der Teilnahme könnte man das Abschneiden in der Bundesliga erheblich in Gefahr bringen. Anders als bei anderen Vereinen, weht der Wind bei Misserfolgen in Hamburg um einiges kräftiger. Und erfahrungsgemäß hält der HSV diesem Druck selten stand. Meine These mag zwar im ersten Moment absurd klingen, allerdings glaube ich die Mechanismen im Profigeschäft mittlerweile gut einschätzen zu können. Mit der Europa League steigt die Erwartungshaltung an die sportliche Leitung. Bleiben die Erfolge aus, wird der Trainer ausgetauscht. Der bereits angeknockte Sportchef hätte spätestens dann sehr schlechte Karten. An der Verwirklichung einer Philosophie wäre überhaupt nicht mehr zu denken. Es ginge dann erneut nur darum, seinen eigenen Arsch zu retten.

Ich will darauf hinaus, dass das Gebilde beim HSV noch auf viel zu wackeligen Beinen steht, als dass es sich einer noch größeren Belastung stellen könnte. Dazu wirkt die Mannschaft unausgereift, es sind kaum Automatismen und Spielzüge zu erkennen, regelmäßig gibt es Änderungen im System und der Startelf. Fink ist noch auf der Suche nach dem Weg zum Erfolg, nach der passenden Ausrichtung für seine Spieler. Ich glaube kaum, dass die Mehrbelastung und der zusätzliche Druck in Europa eine Hilfe wären. Natürlich sind meine Gedanken nur Theorie – die Praxis kann ganz anders aussehen. Und persönlich würde ich mich sehr über eine Rückkehr des HSV ins internationale Geschäft freuen. Zumindest ist die Ausgangslage – trotz des 1:4 – nicht schlecht. Mir ist es jedoch lieber, wenn der Verein in ein paar Jahren für etwas steht, als einen Schritt zu früh zu machen und ganz übel auf die Nase zu fallen.

EURE MEINUNG: Wie bewertet ihr die Leistung des HSV auf Schalke?

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