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Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht bei uns! Wir verraten Euch Woche für Woche, wie sich die Ex-Bundesliga-Stars im Ausland schlagen.

Berlin. Goodbye Deutschland! Spieler kommen und gehen, Spieler wechseln in die Bundesliga und Kicker verlassen Deutschlands höchste Spielklasse. Aber wie geht es den Profis, die nun im Ausland auf Torejagd gehen? Sind sie aufgeblüht oder nur noch Bankdrücker. Haben sie sich prächtig entwickelt, oder folgte ein Karriereknick?

Jeden Dienstag stellt Euch Goal.com im Rahmen von „Was macht eigentlich“ drei Ex-Spieler der Bundesliga vor und zeigt, wie es ihnen an anderer Wirkungsstätte ergeht.

Stefan Wessels
In der Bundesliga: Von 1999 bis 2004 und von 2005 bis 2006

Vereine in Deutschland: FC Bayern München, 1. FC Köln, VfL Osnabrück

Einsätze:
60

Tore:
0

Erfolge:
Deutscher Meister 2000, 2001, 2003; DFB-Pokalsieger 2000 und 2003, Champions-League-Sieger 2001; Ligapokalsieger 1999 und 2000; Weltpokal 2001
Jüngster deutscher CL-Keeper

Stefan Wessels war mit 20 Jahren und 205 Tagen bis 2011 der jüngste deutsche Tormann in der Champions League. Erst Bernd Leno löste ihn vor knapp zwei Jahren ab. Er lieferte in Glasgow eine gute Leistung und sollte, wie eigentlich jeder junge Keeper des FC Bayern München auch, einmal dem "Titan" nachfolgen. Die Leistungen bei seinen Einsätzen im Bayerntrikot waren stets gut, doch sein Ehrgeiz war stärker, sodass er nicht auf die Rente von Oliver Kahn warten wollte und den Klub verließ, um sein Glück anderswo zu suchen.


Damals, vor der Jahrtausendwende im Jahre 1998 war es noch nicht so üblich, dass die jungen Nachwuchsleute im eigenen Verein ausgebildet worden. Die Idee der Nachwuchsleistungszentren war noch weit entfernt und so kam es, dass ein 19-jähriger Schlussmann vom damaligen Oberligisten TuS Lingen den Schritt zum FC Bayern München wagte. Im Sommer 1998 ging Stefan Wessels als Keeper der FCB-Reserve nach München.

Es gehörte schließlich etwas Glück dazu, dass er am 21. September 1999 zum jüngsten deutschen Keeper in der Champions League wurde. Zahlreiche Ausfälle musste die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld verkraften, sodass der junge Wessels eine richtig gute Leistung bei den Glasgow Rangers absolvieren durfte. In den folgenden Jahren erwies er sich als beständige und sichere Nummer Zwei hinter dem großen Oliver Kahn, doch an ihm vorbei schaffte er es nicht. Da der "Titan" noch mindestens bis zur Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land spielen wollte, entschloss sich sein Vertreter, den Verein zu wechseln.

Die kommenden vier Jahre war der 1. FC Köln seine Heimat. Unter jedem Trainer in dieser Zeit, und davon gab es immerhin acht, setzte er sich als Stammkeeper durch, wurde jedoch immer wieder von Verletzungspech getroffen. Dieses Pech sollte auch für das Ende am Rhein sorgen. In der Rückrunde der Saison 2006/07 prallte er im Spiel gegen den MSV Duisburg mit Markus Kurth zusammen. Die Saison und seine Karriere beim FC war damit gelaufen, denn mit Faryd Mondragon kam ein Torwart, der ihn als Nummer eins endgültig verdrängte.

Seine nachfolgenden Engagements beim FC Everton, dem VfL Osnabrück, dem FC Basel oder in Dänemark bei Odense waren nie von langer Dauer und von Arbeitslosigkeit durchbrochen, aber dennoch mit Titeln gekrönt. Mit seinem ehemaligen Mitspieler Thorsten Fink als Coach gewann er 2010 das Schweizer Double.

Nun ist Stefan Wessels als Torwarttrainer im Jugendleistungszentrum Emsland des SV Meppen engagiert und bringt jungen Menschen in dem gemeinnützigen Verein "BaKos - Die Osnabrücker Ballschule e.V." den Umgang mit dem runden Leder bei. Eine Tätigkeit, die ihn voll und ganz ausfüllt, wie er unlängst der WAZ offenbarte: "Ich finde es schön zu sehen, wie man bei Kindern die Euphorie für etwas wecken kann. Ich kann da etwas vermitteln."

Patrik Andersson
In der Bundesliga: Von 1993 bis 2001

Vereine in Deutschland: Borussia Mönchengladbach, FC Bayern München

Einsätze:
212

Tore:
11

Erfolge:
Deutscher Meister 2000, 2001; DFB-Pokalsieger 1995 und 2000, Champions-League-Sieger 2001; Ligapokalsieger 1999 und 2000; Weltpokal 2001
Das goldene Tor zum Titel 2001

Patrik Andersson erzielte in seiner Karriere elf Tore in der Bundesliga. Eines davon war das schlimmste, was dem FC Schalke 04 wiederfahren konnte. Am letzten Spieltag der Saison 2000/01 pfeift Markus Merk in der Nachspielzeit der Partie HSV gegen FCB indirekten Freistoß für die Bayern. In diesen Minute wähnt sich S04 bereits als deutscher Meister, doch Andersson macht sein einziges Tor für den FCB und seinen Klub damit zum Meister.


Patrik Andersson war bei seinem Jugendverein Malmö FF Stammspieler, ehe er den Schritt ins Ausland wagte. In seiner schwedischen Heimat lernte er das Fußballspielen, was auch den Vereinen in der Premier League nicht verborgen blieb, sodass der eigentlich hauptsächlich als Abwehrspieler eingesetzte Andersson als Mittelfeldmann zwar zu den Blackburn Rovers ging, dort aber nicht glücklich wurde.

Erst seine nächste Station bei Borussia Mönchengladbach brachte ihm die erhofften Erfolge. Im DFB-Pokalfinale 1995 schlugen die Fohlen den damaligen Zweitligisten VfL Wolfsburg 3:0. In den folgenden Jahren lief er zusammen mit seinen Teamkollegen Stefan Effenberg und Heiko Herrlich immer wieder im UEFA-Pokal auf und konnte sich im oberen Drittel der Bundesliga etablieren. Nach dem Weggang von "Effe" wurde der Schwede auch im Verein Mannschaftsführer (nachdem er bereits seit 1997 Nationalmannschaftskapitän war), konnte jedoch den bitteren Gang in Liga zwei 1999 nicht verhindern.

Er folgte Effenberg zum FC Bayern München und feierte dort seine größten Erfolge. In der Spielzeit 2000/01 erzielte er in der Nachspielzeit beim Hamburger SV den 1:1-Ausgleich, der zum Meistertitel für die Bayern reichte, jedoch Schalke als Meister der Herzen in ein tiefes Tal der Tränen stürzen ließ. Vier Tage später gelang auch der bisher letzte Sieg einer deutschen Mannschaft in der Champions League, obwohl der Schwede im entscheidenden Elfmeterschießen vom Punkt vergab.

Danach zog es ihn für zweieinhalb Jahre zum FC Barcelona, wo er aber verletzungsbedingt nur 19 Partien absolvieren durfte. Eine schwere Knieverletzung zwang ihn, inzwischen wieder bei Malmö angekommen, 2005 seine Karriere zu beenden. Immerhin wurde er zum Abschluss mit Malmö 2004 noch das erste Mal in seiner Karriere schwedischer Meister. Inzwischen ist er Sportchef bei Malmö und verantwortet zudem noch 23 Fußballakademien in Schweden.

Ailton
In der Bundesliga: Von 1998 bis 2005 und 2006 sowie von 2007 bis 2008

Vereine in Deutschland: Werder Bremen, Schalke 04, Hamburger SV, MSV Duisburg

Einsätze:
219

Tore:
106

Erfolge:
Deutscher Meister 2004; DFB-Pokalsieger 1999, 2004; UI-Cup-Sieger 2004
Ein Kugelblitz in der Bundesliga

Ailton ist bei Werder Bremen ein Publikumsliebling. Als dritter Ausländer erreichte er die magische 100-Tore-Grenze, doch trotz aller Erfolge galt er als Enfant terrible. Ihm wurde Egoismus vorgeworfen und Faulheit auf dem Feld. Zudem fiel er durch mehrere Versuche für eine Nationalmannschaft zu spielen auf. Geglückt ist ihm ein Länderspiel bisher nicht.


Schon vor seiner Zeit bei Werder Bremen war Ailton ein Wandervogel. Bevor er an die Weser kam, spielte er bereits bei acht verschiedenen Klubs. Seine erste richtig erfolgreiche Zeit feierte er jedoch als Stürmer bei Werder Bremen. Mit den Bremern gelangen ihm zwei Erfolge im DFB-Pokal und der Meistertitel 2004. Im gleichen Jahr wurde er Torschützenkönig in der Bundesliga und als erster Ausländer zu "Deutschlands Fußballer des Jahres" gewählt.

Danach zog er zum Ligarivalen Schalke 04, wurde jeweils Zweiter im Pokal und in der Liga, doch wechselte trotz seiner 14 Treffer in 29 Partien in die Türkei. Grund waren Querelen zwischen der Vereinsführung und dem Brasilianer. Im Sommer 2005 begann also die zweite Wanderzeit des Aílton Goncalves da Silva.

In den Jahren nach 2005 spielte er bei 13 verschiedenen Vereinen. Darunter waren mit dem MSV Duisburg und dem Hamburger SV auch zwei weitere Bundesligisten. Für die restlichen elf Klubs zog es ihn von der Türkei (Besiktas) nach Serbien zu Roter Stern Belgrad. Von dort in die Schweiz (Grasshoppers Zürich), dann in die Ukraine (Metalurg Donezk) und nach Österreich (SCR Altach), zurück in seine brasilianische Heimat (Campinense Clube), dann über China (Chonqing Lifan) wieder zurück nach Deutschland (KFC Uerdingen, FC Oberneuland), um dann erneut für ein Jahr in Südamerika bei Rio Branco EC zu spielen. Seit 2012 lässt er bei Hassia Bingen in der Verbandsliga West mehr schlecht als recht seine Karriere ausklingen.

Zwischenzeitlich zog er für einen großen deutschen Privatsender in den Dschungel und macht nun auch für einen Kaffeehersteller Werbung.

EURE MEINUNG: Wessels, Andersson oder Ailton - Wer hat Euch in der Bundesliga am besten gefallen?

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