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Mous Mannen haben gegen den BVB in der Gruppenphase verloren, doch die Wirren früh in der Saison sind lange überwunden – und nun scheinen langsam alle Puzzleteile zusammenzupassen.

Dortmund. Jose Mourinho sagte am Dienstag, dass er hoffe, Real Madrid werde am Mittwoch im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals gegen Borussia Dortmund viel solider stehen als bei der Niederlage in der Gruppenphase im Oktober.

Sie werden es - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, denn Mourinho hat eine Startelf mit Coentrao links und Sergio Ramos auf der rechten Seite angekündigt, während Pepe und Varane innen verteidigen werden. In der Gruppenphase war der Portugiese gezwungen, Michael Essien als Linksverteidiger aufzubieten, da Marcelo (nun auch verletzt), Arbeloa (diesmal gesperrt) und Coentrao allesamt verletzt passen mussten, und Essien war für die BVB-Offensive keine große Herausforderung, verdeutlicht dadurch, dass am Ende Dortmunds Linksverteidiger das Siegtor für Dortmund erzielte – diese Lektion hat Real Madrid gelernt.

Doch das ist noch nicht alles: Trotz dieser Niederlage und dem wenig überzeugenden 2:2 zuhause, wo Mesut Özil Madrid in der 89. Minute per Freistoß rettete, ist Real diesmal der Favorit. Warum? Ganz einfach: Weil es ein anderes Team im Vergleich zu der verloren und lustlos wirkenden Truppe vom letztem Herbst ist.

GUARDIOLA HILFT
Es war unbeabsichtigt, gewiss, aber Pep Guardiola hat vielleicht den Rivalen von Real Madrid geholfen, als am Dienstagmorgen bekannt wurde, dass BVB-Juwel Mario Götze im Sommer zu Bayern wechselt.

Dortmunds Coach Klopp hat später aufgedeckt, dass der 20-Jährige von der Möglichkeit angelockt worden war, unter Guardiola zu spielen, während Bayern mitteilte, dass man mit der Veröffentlichung bis nach dem Hinspiel warten wollte, doch durch die Bild-Berichterstattung zur Bestätigung gezungen wurde.

Real Madrid hat nur eins der 24 Pflichtspiele in Deutschland gewonnen (und davon 17 verloren), aber sie schlugen den BVB im Halbfinale auf dem Weg zum Champions-League-Titel 1998.
Damals war Madrid in schwerer See unterwegs: Cristiano Ronaldo hatte sich öffentlich über mangelnde Wertschätzung seiner Person beklagt, Gerüchte kursierten, er werde am Saisonende oder sogar schon im Januar weg sein, während Berichte über Meutereien und Streit in der Kabine ein schlechtes Licht auf die Mannschaft und insbesondere Mourinho warfen. In der Zwischenzeit ging es in La Liga dahin. All die gute Arbeit aus der Vorsaison und die frühen Hoffnungen nach dem Sieg gegen Barcelona in der Supercopa waren plötzlich wertlos.

Die Niederlage in Dortmund war Madrids dritte der Saison, zwei weitere folgten bis Weihnachten. Nachdem der Ligatitel praktisch abgeschrieben war, wurde es nach den Feiertagen Zeit, sich neu aufzustellen. Doch anstatt aufwärts ging es erst einmal weiter bergab: Iker Casillas brach sich die Hand beim Copa-del-Rey-Match in Valencia, während Mourinho weiter schlechte Presse bekam, nachdem die Marca berichtet hatte, dass die Kapitäne Casillas und Ramos Florentino Perez ein Ultimatum gestellt hatten: „Präsident, entweder Mourinho geht, oder wir sind weg...“

Dies war der Punkt der Saison, an dem sich die Dinge drehten. Florentino stellte sich der Presse, denselben Blättern aus Madrid, die seine Rückkehr zum Verein 2009 ebenso begrüßt hatten wie die  Ernennung von Mourinho zum Cheftrainer im Jahr danach. Sie seien zu weit gegangen, sagte er und bezichtigte die Marca, Lügen zu veröffentlichen.

Die Zeitung reagierte, indem sie eine beleidigende Textnachricht auf der Titelseite druckte und darüber die Schlagzeile setzte: „Marca lügt nicht“. Aber Madrid hatte Stellung bezogen, und die ganze Geschichte half dem Klub, für die Herausforderungen der nächsten Zeit zusammenzurücken.

Im Tor war Diego Lopez als Ersatz für den verletzten Casillas verpflichtet worden, und der ehemalige Nachwuchsspieler Madrids wurde schnell zum Leistungsträger nach seinem beeindruckenden Debüt gegen Barcelona im Halbfinale der Copa del Rey im Bernabeu, in dem beide Teams sich mit 1:1 trennten, er blieb im Team beim 3:1-Sieg Reals im Camp Nou und auch beim Achtelfinalerfolg gegen Manchester United in der Champions League, der ihm sogar Lob von Sir Alex Ferguson einbrachte: „Casillas hätte diese Schüsse nicht gehalten, aber Lopez hielt sie“, sagte der Schotte nach Madrids 2:1-Sieg im Old Trafford.

In diesem Spiel zahlte auch der Sommertransfer Luka Modric einen großen Teil der Summe, die für ihn bezahlt worden war, zurück – mit einem Traumtor, das Madrid wieder zurück ins Match brachte, während Raphael Varane in der Verteidigung dem Klub half, die größten Herausforderungen zu bestehen. In den beiden Copa-Clasico-Begegnungen war seine Leistung entscheidend: Zwei Kopfballtore sowie eine Anzahl an wichtigen Klärungsaktionen sorgten dafür, dass das Pendel in Richtung Real Madrid ausschlug.

Dazu kommt, dass die Stürmer Karim Benzema und Gonzalo Higuain nach längerer Durststrecke wieder treffen, während Xabi Alonso das Zepter im Mittelfeld schwingt und Özil genau zur richtigen Zeit seine Bestform erreicht hat: Er traf in den letzten zwei Ligaspielen jeweils doppelt.

Und dann ist da natürlich noch Ronaldo. Der portugiesische Angreifer hatte den uneingeschränkten Rückhalt in Madrid, seit er den Ballon d'Or im Januar an Lionel Messi gehen sah und hat sich seine besten Leistungen für die großen Spiele aufgehoben: Er traf doppelt in Barcelona, jeweils einmal in beiden Spielen gegen United, und machte gleich drei der fünf Madrid-Tore gegen Galatasaray – das bedeutet eine Quote von elf Treffern aus zehn Spielen in der Königsklasse. Seine Trauerphase in Madrid zu Beginn der Saison gehört der Vergangenheit an – und zu Beginn der Woche versicherte Perez allen Fans, dass CR7 bald einen neuen Vertrag im Santiago Bernabeu unterschreiben werde.

Also sieht plötzlich alles wieder rosig aus für Real Madrid. Das Momentum ist da und sicherlich mit den Spaniern, sogar Schlüsselentscheidungen laufen zugunsten der Königlichen im Augenblick – siehe die kontrovers diskutierte Rote Karte gegen Nani im Achtelfinale im Old Trafford. Ob sich tatsächlich Kräfte im Universum vereinigt haben, um Mous Mannen beim Erringen von „La Decima“ zu unterstützen, bleibt abzuwarten, doch eins ist sicher: Diese Mannschaft ist viel, viel stärker als die, die gegen Dortmund im Oktober unterlag. Und das sind schlechte Nachrichten für den BVB.

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