thumbnail Hallo,

Mario Götze zum FC Bayern: Die Bundesliga auf dem Weg zur One-Team-Show

Jürgen Klopps Bedenken bezüglich der Konkurrenz innerhalb der Bundesliga waren vollkommen berechtigt. Spätestens der Transfer von Mario Götze nach München beweist das!

München. „Ich finde den Gedanken, dass zwei, drei Vereine davonziehen, nicht gut.“ Diese Worte sind eine Woche alt und sie stammen von Uli Hoeneß, dem Präsidenten des FC Bayern München. Hoeneß äußerte sich zum Stand der Dinge in der Bundesliga. Tatsächlich sind in Deutschlands höchster Spielklasse mittlerweile zarte Parallelen zur spanischen Primera Division zu finden: Die Bayern und Borussia Dortmund nehmen dabei die Rollen des FC Barcelona und von Real Madrid ein. In Spanien ist es längst kein „Wettbewerb“ mehr, der diesen Namen verdient. Und die dortigen Verhältnisse sind damit in Deutschland auch wenig wünschenswert.

In den letzten Spielzeiten waren die Dortmunder in der Bundesliga tonangebend. Die Bayern folgten kurz dahinter und schon diese beiden Saisons gaben einen Vorgeschmack auf das, was da kommen könnte. Allerdings bedeutet der Wechsel Mario Götzes vom ärgsten Konkurrenten zu den Bayern, dass sich die von Jürgen Klopp skizzierte (negative) Entwicklung drastisch beschleunigt: Ein Team, das die Liga dominiert. So, wie es Celtic Glasgow in Schottland tut.

Klopp sagte: „Ich befürchte eher schottische Verhältnisse. Nächstes Jahr werden wir den Kader der Bayern sehen und sagen: 'Ups'! Da wird Uli Hoeneß mit den spanischen Verhältnissen nicht Recht gehabt haben.“

Es ist nicht Spanien, es ist doppelt so schlimm.
BAYERNS KASSENBON
Spieler Ex-Klub Jahr Ablöse
Pizarro Bremen 2001 8,2 Mios
Ballack Leverkusen 2002 6 Mios
Lucio Leverkusen 2004 12,5 Mios
Klose Bremen 2007 15 Mios
Gomez Stuttgart 2009 30 Mios
Neuer Schalke 2011 22 Mios
Götze Dortmund 2013 37 Mios

Natürlich gehört zu Klopps Aussage wieder eine gute Portion Understatement. Gerne sieht er seine Mannschaft in der Rolle des Außenseiters, sei es in der Liga oder international. Dennoch, dass seine Prophezeiung nun so schnell wahr werden könnte, wird auch ihm nicht sonderlich schmecken.

In der heimischen Liga liegen die Bayern mit 20 Punkten Vorsprung vorn. Sie haben erst ein Match verloren und kassieren im Schnitt alle zwei Partien einen Gegentreffer. Vermutlich werden sie auf der anderen Seite die 100-Tore-Marke knacken. Und nun gesellt sich in der kommenden Saison zu dieser Mannschaft noch der hochgelobte Pep Guardiola. Der erfolgreichste Trainer der letzten Jahre. Ein Coach, dessen Erfolgstafel größer ist als die der meisten Klubs.

Am Dienstag tat der FCB dann, was er am besten kann: Aus dem Nichts die Verpflichtung eines Bundesliga-Stars bestätigen. Dass die hauseigene Münchener Talentschmiede dabei eine der Besten überhaupt ist, spielt keine Rolle. Der FC Hollywood hat eine lange Tradition, was das Kaufen der besten Spieler aus der heimischen Liga angeht.

Claudio Pizarro, Michael Ballack, Lucio, Miroslav Klose und Mario Gomez sind nur einige der Akteure, die in den vergangenen Jahren für gutes Geld an die Säbener Straße wechselten. Jeder dieser Transfers war mit einem dicken Seufzer der Vergeblichkeit beim abgebenden Klub verbunden. Welche Chance haben sie, wenn die Bayern den kompletten Etat eines kleinen Klubs für einen einzigen Spieler hinblättern? Mit großen Sponsoren wie Audi und Adidas ist es schwer zu glauben, dass die Münchener ökonomisch (und damit sportlich) nochmal eingeholt werden.

Am Dienstag gab es die Kostprobe, wie herzlich egal dem Rekordmeister die Ambitionen der Konkurrenz sind. Nachdem die Information, dass Götze wechselt, durchgesickert war, drehte sich beim BVB alles um den jungen Mittelfeldspieler, aber nichts mehr um das anstehende Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid. Außerdem war auch die Steuer-Affäre rund um FCB-Präsident Uli Hoeneß plötzlich nicht mehr in aller Munde.

Als europäische Supermacht brechen die Bayern nun wie eine Sonnenfinsternis über ihre Konkurrenten herein und stellen diese in den Schatten. Die zwei Jahre ohne Trophäe sind vorbei. Die Liga ist nun ein Spielball der Münchener und sie scheint allein für sie zu existieren.

„Ich befürchte eher schottische Verhältnisse. Nächstes Jahr werden wir den Kader der Bayern sehen und sagen: 'Ups'! Da wird Uli Hoeneß mit den spanischen Verhältnissen nicht Recht gehabt haben.“

- Jürgen Klopp

Die Nachricht von Götzes 37-Millionen-Wechsel schwappte über Nacht an die Öffentlichkeit. Keine 36 Stunden bevor Borussia Dortmund das wichtigste Spiel der letzten 16 Jahre bestreitet. Welchen Effekt dies nun auf die Leistung der Mannschaft haben wird, ist unvorhersehbar. Sicher ist nur: Götze war das Juwel in der Dortmunder Krone. Jeder Klub in Europa wollte ihn und er war das Gesicht des BVB. Nun wird er gehen. Für ein dickes Gehalt und Bedingungen, die er in dieser Form bei keinem Verein der Welt vorfindet. Vermutlich ist es keine Übertreibung festzustellen, dass wohl alle Spieler der Bundesliga irgendwann auf einen Anruf aus der bayerischen Landeshauptstadt warten. Kein Spieler ist außerhalb des FCB-Radars, kein Spieler ist nicht zu bekommen.

Deutschlands erste Liga war in den letzten Jahren stets eine der spannendsten, offensten Spielklassen. Fünf verschiedene Meister seit 2004 sind dafür ein eindeutiges Zeichen. Der Fakt, der aber steht ist: Erfüllen die Bayern die Erwartungen, stehen sie am Ende ganz oben. Sie haben das bei 50 Versuchen 23 Mal hinbekommen. Es ist ein Schock, wenn sie nicht gewinnen. Den Schlüsselspieler vom ärgsten Konkurrenten zu holen, macht das Unausweichliche nun noch unausweichlicher. Und es erinnert den BVB daran, wer der Boss ist.

EURE MEINUNG: Wie bewertet Ihr Götzes Transfer? Glaubt Ihr, die Bundesliga wird langweilig?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig