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Der FC Bayern spielt eine großartige Saison. Nach der vergangenen Spielzeit ohne Titel ist nun der ganz große Wurf möglich - wofür vor allem Trainer Heynckes verantwortlich ist.

Düsseldorf. Für alle, die es mit dem FC Bayern halten und sich vor dem FC Barcelona fürchten, hatte Jupp Heynckes am Montag ein paar wohltuende Worte übrig. „So wie wir ein Spielkonzept vor Turin hatten, so haben wir auch eine ganz klare Vorstellung, wie die Mannschaft gegen Barcelona zu spielen hat“, sagte der Trainer des neuen deutschen Meisters vor dem Champions-League-Hinspiel am Dienstag (20.45 Uhr).

In der vergangenen Saison wäre Heynckes für derlei Aussagen vielleicht nicht belächelt worden, aber so richtig geglaubt hätte man ihm nicht. Und nun? Gibt es keine Zweifel am Versprechen des Münchner Trainers.

Jupp Heynckes hat sich im Alter von 67 Jahren noch einmal neu erfunden. Er hat bewiesen, dass der Vorwurf, er sei ein Verwalter, in der vergangenen Spielzeit zu Unrecht erhoben wurde. Zwar standen die Bayern im Vorjahr im Finale der Champions League (Niederlage im Elfmeterschießen gegen Chelsea), aber  zwei Titel gingen ausgerechnet an Borussia Dortmund verloren.

Bayerns Probleme im Vorjahr

Und nicht nur die Fakten taten den Münchnern weh. Auch der Fußball, den Heynckes spielen ließ, war wenig spektakulär. Nach starker Hinrunde, in der das chaotische Ende der Ära van Gaal vergessen gemacht wurde, enttäuschten die Bayern spielerisch. Es war damals nicht besonders schwer, die Heynckes-Elf zu ärgern, man musste als gutklassiger Gegner nur tief stehen und überfallartig kontern.

Der Bayern-Trainer hatte damals keinen Plan B, das Spiel seiner Mannschaft war kaum variabel. Ein weiteres Problem: Auf der Bank gab es keine ernstzunehmenden Alternativen, ein echter Konkurrenzkampf fand nicht statt. So würgte sich der FC Bayern durch die Rückrunde und stand am Ende mit leeren Händen da.

Der Qualitätssprung, den der FC Bayern in dieser Saison machte, ist nicht zuletzt mit den Spieler-Transfers im vergangenen Sommer zu erklären. Mit Mario Mandzukic, Dante und Javier Martinez, die sehr gut spielen. Mit Xherdan Shaqiri, der die Außenspieler Arjen Robben und Franck Ribéry unter Druck setzt und überzeugt, wenn er ran darf.

Vor allem aber ist der Qualitätssprung mit Jupp Heynckes zu erklären. Er ist der heimliche Held dieser Saison, in der der FC Bayern so gut spielt wie selten zuvor. Dabei steht dem Trainer zwar stärkeres Personal zur Verfügung, auf der anderen Seite hat Heynckes aber auch viele Schwierigkeiten zu bewältigen.

Da wäre die Tatsache, dass er die Stars bei Laune halten muss, wenn sie auf der Ersatzbank sitzen. Für Arjen Robben kommt eine derartige Degradierung einer Majestätsbeleidigung gleich, aber nach einigem Murren zwischendurch hat er sich dem Erfolg des Kollektivs untergeordnet.



Kein Frust wegen Pep

Auch die Bekanntgabe der Verpflichtung von Pep Guardiola, der im Sommer kommt, machte es für Heynckes schwierig – nicht zuletzt, weil es so schien, als habe er seinen Posten gar nicht unbedingt räumen wollen. Als hätten die Bayern-Granden über seinen Kopf hinweg entschieden. Dieser angekündigte Wechsel auf der Trainer-Position hätte zu einem Autoritätsverlust von Heynckes führen können. Es wäre auch möglich gewesen, dass Heynckes öffentlich Frust ablässt.

Und was hat er tatsächlich getan? Bei der ersten Pressekonferenz nach Verkündung des Guardiola-Deals begrüßte er die Journalisten mit den Worten „Buenos dias a todos“ und lachte. Heynckes, so scheint es, hat im Angesicht seines bevorstehenden Abschieds entschieden, noch härter zu arbeiten. Er fordert noch mehr Disziplin und Konzentration von seinen Spielern ein. Nicht einmal der Gewinn der Deutschen Meisterschaft durfte groß gefeiert werden.

Heynckes ließ sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, dass der FC Bayern in einer Pressemitteilung suggerierte, sein Karriereende stehe bevor. Kühl konstatierte der Coach, dass er den Zeitpunkt, an dem er in Rente geht, selbst bestimmen werde.

Dann kam das Spiel gegen Juventus Turin, das Viertelfinale der Champions League. In der Bundesliga gibt es nur selten Gegner, die wie Juve mit einem 3-5-2-System agieren. Aber Heynckes fand mit dem offensiven Pressing, mit dem die Italiener nicht zurechtkamen, eine Lösung. Die besonders aggressive Spielweise war der Grundstein für den Erfolg.

Heynckes sagte, auch für Barcelona habe er sich etwas einfallen lassen. Damit es am Ende erneut zum Finaleinzug reicht. Und es am Saisonende so kommt, wie Heynckes ebenfalls vor dem Barca-Spiel sagte: „Wenn eine Mannschaft auf so hohem Niveau spielt wie wir zurzeit, dann verabschiedet sich jeder Trainer durch die große Türe.“

Verdient hätte es Jupp Heynckes auf jeden Fall.

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