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Goal.com hat exklusiv enthüllt, dass Neymars Wechsel zu Barcelona immer näher rückt. Aber wird er den immensen Ballast der Erwartungen überhaupt stemmen können?

KOMMENTAR
Von Paul Macdonald

Barcelona braucht Messi, mehr denn je sogar. Gegen Paris Saint-Germain erschienen die Unbesiegbaren plötzlich verwundbar. Ohne ihren Genius ist die Mannschaft nicht diesselbe: Schwerfällig, gelähmt, schlagbar.

Dann kam er, wie ein verwundeter Krieger, von der Bank. Messi hatte nicht nur Anteil am Tor sondern spielte noch eine viel wichtigere Rolle: Als Antreiber, der das Camp Nou von Trostlosigkeit zu freudiger Erwartung trieb. Die Euphorie, welche seine erneute Verwandlung in Barcas Superhelden begleitete, hat einmal mehr die Frage nach der Messidependecia in den Raum geworfen.

Barca sei nichts ohne ihn, riefen einige. Pedro, Villa, Tello, Alexis - sie bieten nicht genug an, sagen andere. Und dann glauben wieder einige zum wiederholten Mal das Rätsel gelöst zu haben: Neymar kann genau das leisten, wenn Messi mal nicht trifft. Mit den anvisierten Verhandlungen mit Barca im Juli, über die Goal.com exklusiv berichten konnte, rückt ein Wechsel immer näher.

Barcelonas Mann in Südamerika, Andre Cury, hat den festen Glauben, dass Neymar im Camp Nou ein Superstar wird. „Messi, Xavi und Iniesta erwarten ihn mit offenen Armen. Wenner zu Barca kommt, enden zwei Formen der Abhängigkeit: Santos hängt nicht mehr Neymar ab und Barca nicht mehr dermaßen von Messi. Er hätte einen zweiten Spieler seines Niveaus neben sich.“

Ikone vs Ikone | Aber braucht Barca beide, Messi und Neymar?

Vieles von dem, was oben steht, ist natürlich überspitzt und übertrieben. Gewiss, der Abhängigkeitsgrad war in jener Nacht gegen Paris für alle greifbar. Seine Hereinnahme hat seine Nebenleute psychologisch gepusht und wiederbelebt. Aber würde die Verpflichtung eines Spielers wie Neymar, der ja nicht ohne ein Packet von Erwartungen anreisen würde, diese Denkweise wirklich ändern?

Ob es gesund ist oder nicht: Die etablierte Ordnung wird von allen verstanden. Xavi, Iniesta und Pique haben das nach dem PSG-Spiel durchblicken lassen. Messi ist der Mann, den sie anspielen, der 'Most valuable player', der geschützt werden muss wie ein NFL-Quarterback und seine Freiheiten genießt.

BARCAS SÜDAMERIKA-FEHLER
 KEIRRISON

Kostete 2009 14 Millionen als er von Palmeiras kam. Blieb ohne Einsatz in der A-Mannschaft und ist derzeit zum fünften Mal verliehen.
 HENRIQUE
Noch ein teurer Palmeiras-Einkauf, der aber nie die Farben der Blaugrana trug. Sein Vertrag lief 2012 aus.
 GEOVANNI

Kam 2001 für 22 Millionen, blieb aber nur zwei Spielzeiten, bevor er zu Benfica abgeschoben wurde.
 JUAN ROMAN RIQUELME

Unterschrieb 2002 für 11 Millionen, nachdem er im Toyota Cup Real Madrid bezwungen hatte. Ein Riesenflop in Katalonien!
 FABIO ROCHEMBACK

Der Brasilianer kam zu kaum einem nennenswerten Einsatz und verbrachte zwei fürchterliche Jahre im Camp Nou.
Und ihre Fügung hat er sich verdient: 310 Tore, drei Champions League-Titel, viel Ballon d'Ors. Seine Mannschaftkameraden erkennen an, dass er besser ist. Nachdem es jahrelang bewiesen wurde stellt man nun (scheinbar) überrascht fest, dass die Messidependecia ein akzeptiertes Stilmittel ist.

Die gegenwärtige Machtpyramide sieht Messi so nah an der Spitze wie nur möglich. Tito Vilanova und Sandro Rosell sind, und sollten es wahrscheinlich auch, an die Bedürfnisse und Wünsche des Argentiniers gebunden, der die moderne Verkörperung des Vereins ist und die Phantasie jedes empathischen Cule beflügelt.

Neymar verändert all das. Einen Spieler, der bisher lediglich Momente flüchtiger Brillanz gegen Mannschaften hervorbrachte, die wohl kaum dem europäischen Standard entsprechen, in einem Atemzug mit Messi, Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahiovic zu nennen, ist komplett lächerlich.

Den grundsätzlichen Fehler und seine Eigenschaften als Spieler mal beiseite gelassen: Aber sein Egoismus bei Ballbesitz und seine Verschwendung von Gelegenheiten, die mehr ihm selbst als dem Team helfen, ist die Antithese von allem, wofür Barcelona steht und was es bleiben möchte.

Es sei auch mal seine extravagante Transfer-Saga beiseite geschoben, die einen wundern lässt, wieviel von solch unfairer Vorwegnahme ein 21-Jähriger wird einhalten können.

Barcelonas Befürchtung sollte sich auf die Tatsache richten, dass Neymar ein Sponsoren-Gigant ist. Er repräsentiert Football 2.0, ein Verkaufshit, der im Voraus auf seine Leistungen entworfen wurde. Dabei ist Neymar ist wie ein A-Filmstar, der erst einen einzigen Trailer gedreht hat.

Die schier unzählbaren Parteien mit einem Interesse an ihm haben ihn gleichzeitig zu einem Show-Act gemacht, der mit Bällen jongliert und auf den Höchstbietenden wartet. Wenn er spielt, dreht sich alles nur noch um die Euphorie, die er entfacht, und die Minuten, die er auf dem Bildschirm zu sehen ist. Und natürlich auch um seine Kompatibilität mit Messi und Barcas Philosophie.

Andre Curys Bemerkungen schrauben den Optimismus noch höher: „Messi wird den Ball auf ihn spielen können, wie es Ronaldinho vorher mit Messi gemacht hat.“

Solch hohes Lob erscheint unangebracht bei der Frage, wie ein junger Mann und aufkeimender Star - und lasst uns ehrlich sein: er ist gerade erst 21 - von Südamerika nach Europa wechselt. Spieler, die für Ruhm den Kontinent wechseln, werden meist verhätschelt, aber letzten Endes davor geschützt, dass ihnen ihr Ruf zu weit voraus eilt. Nur wenige schaffen das, die wenigsten kommen mit dem Druck klar. Barca hat sich auch schon vorher die Finger verbrannt.

Doch in Neymars Fall scheint sich das Gegenteil zu bewarheiten. Es gibt diesen erdrückenden Willen, ihn unbedingt jetzt schon auf eine Stufe mit Messi und Cristiano Ronaldo zu stellen. Wenn je ein Spieler mehr auf seinen Fall vorbereitet wurde, dann ist es Neymar. In einem falschen Umfeld, in dem viele glauben, er sei schon längst ein besserer Fussballer als er es wahrscheinlich je werden wird.

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