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In Freiburg weckt der Ausblick auf die Europa League auch Erinnerungen an 1995 und 2001. Damals folgte für den SC auf das internationale Geschäft jeweils der Abstieg.

Freiburg. Freiburg ist ein Ort, an dem Nachhaltigkeit groß geschrieben wird. Dort, wo 1995 das erste Sonnenkraftwerk in einem Bundesligastadion stand, hat man immer schon einen etwas anderen Blick auf die Dinge gehabt. Eine Sichtweise, die besagt: Hauptsache, wir gehören zu den 36 besten Mannschaften in Deutschland! Und: Steigen wir ab, ist das kein Beinbruch! Warum nicht auch diese: Europa? Bitte erst nächstes Jahr! Im Sinne der Nachhaltigkeit.

Erreicht der SC heute gegen den VfB Stuttgart das DFB-Pokal-Finale, winkt – abgesehen von einem Vereinsrekord - die Europa League. Hält die Form in der Liga, vielleicht sogar die Königsklasse. Die Euphorie in Südbaden ist immens. Bei manchen hat die Erinnerung an das letztmalige Erreichen Europas aber auch reflexartiges Stirnrunzeln ausgelöst: Nachdem man sich 1995 und 2001 qualifiziert hatte, stieg man jeweils in den folgenden Spielzeiten ab, auch weil zentrale Spieler wie Rodolfo Cardoso, Jörg Heinrich oder Sebastian Kehl damals zu größeren Clubs abwanderten. Der Euphorie folgte Ernüchterung.

Der SC Freiburg und Europa
Saison
Tabellenplatz  
1994/95
1995/96
1996/97
...
2000/01
2001/02
3.  
11.
17.
...
6.
16.
UefaCup
...
Abstieg
...
UefaCup
Abstieg
Trainer Christian Streich wird das im Kopf haben. „Ich hoffe, dass die Fans genauso hinter uns stehen, wenn in Freiburg wieder die Normalität einkehrt“, sagte der SC-Trainer nach dem Heimsieg gegen Hannover. Vielleicht hatte ihm Trainerkollege Mirko Slomka auch gerade sein Leid von den Strapazen der Europa League geklagt. Slomka hat die 96er 2011 sensationell auf Platz vier geführt, in dieser Saison wird es wohl ein Platz im Mittelfeld werden. Am Ende ihrer zweiten Europa-Saison schwächeln die Niedersachsen, nachdem sie die erste noch relativ gut verkraftet hatten.

Wohlgemerkt: Slomka konnte 2011 fast sein gesamtes Personal für die Folgesaison und die EL halten. Beim SC Freiburg zehren die Fliehkräfte des freien Marktes schon jetzt an der Substanz. Mit Jan Rosenthal, Daniel Caliguiri und Max Kruse werden drei Viertel der momentanen Offensive wegbrechen. Spieler, für die es im aktuellen Kader bereits kaum adäquaten Ersatz gibt. Auch Jonathan Schmid oder Fallou Diagne könnten auf der ein oder anderen Wunschliste stehen. Der SC wird für seine Leistungsträger ordentlich Geld einnehmen. Ihre Führungsrollen wird er aber nur schwer ersetzen können.

Eine gute Transferbilanz kann am Ende dann weit weniger wert sein als ein funktionierender Kader. Der soll in der kommenden Saison schließlich mehr als nur für den Abstiegskampf aufgerüstet werden, sondern müsste (vielleicht sogar 'hökschten') europäischen Ansprüchen genügen. Manager Dufner ahnt bereits, dass es schwer werden könnte, Königstransfers wie Papiss Cisse oder Max Kruse zu wiederholen. Gut, dass es noch die eigene Jugend gibt.

Die Frage bleibt, ob das junge und dann neu zusammengestellte Team für die gewachsenen Ansprüche und die Belastung zwischen Europa und Klassenerhalt gewappnet ist. Eine europafreie Spielzeit zur 'natürlichen' Regeneration des Kaders entspräche weit mehr dem Prinzip Nachhaltigkeit. Bei aller Euphorie und Vorfreude auf ein Baden-Württemberg-Derby, das vor allem die Badener als allerletztes verlieren wollen: Klappt es dieses Jahr mit Europa nicht, sollte auch das kein Beinbruch sein. Dann eben nächstes Jahr - und dann auch nicht zum letzten Mal!


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