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„Ich werde immer türkisch sein“ - Warum Mesut Özil in Istanbul verehrt wird

Der Mittelfeldstar von Real Madrid hat sich für die deutsche Nationalmannschaft entschieden. In seinem Heimatland genießt er dennoch noch immer ein gutes Standing.

Madrid. Das Spiel zwischen der Türkei und Deutschland in Berlin war im Oktober 2010 vor allem für Mesut Özil ein besonderes Spiel. Zwar siegte Özil mit der DFB-Auswahl mit 3:0, doch dieses EM-Qualfikationsspiel für die Endrunde 2012 hatte für den Mittelfeldspieler auch einen nicht allzu schönen Beigeschmack. Die Pfiffe von fast 40.000 türkischen Anhängern in der mit 74.244 Zuschauern ausverkauften Arena gegen Jungstar Özil konnten Ballzauberer allerdings nicht aus der Ruhe bringen.

Mesut Özil entschied sich bei der Frage, für welche Nation er die Fußballschuhe schnüren will, für die deutsche Nationalmannschaft. Özil entschied sich gegen sein Heimatland und für das Land, in dem er geboren wurde und aufwuchs. Viele Türken nahmen ihm diese Entscheidung übel, doch genauso groß ist auch die Anzahl derjenigen, die ihn in der Türkei bewundern und seine Karriere von Beginn an mit viel Respekt verfolgen.

Am 12. August 2006, am ersten Bundesliga-Spieltag der Saison, gab er beim 1:1-Unentschieden im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt sein Bundesligadebüt, als er in der 80. Spielminute für den Türken Hamit Altintop eingewechselt wurde. Drei gute Spielzeiten in Gelsenkirchen später wechselte Özil zu Ligakonkurrent Werder Bremen. Dann stellte sich die Frage, für welche Nationalmannschaft er in Zukunft auflaufen wird.
FÜNF DER BESTEN
Türken, die nie für die Türkei spielten
 MEHMET SCHOLL | DEUTSCHLAND

Scholl brillierte im deutschen Mittelfeld und holte mit der DFB-Auswahl 1996 sogar den EM-Titel. Auch mit den Bayern durfte er regelmäßig jubeln.
 HAKAN YAKIN | SCHWEIZ
Ein Schweizer Held, Yakin absolvierte 87 Länderspiele für seine Nation - bei vier großen Turnieren war er dabei.
 ILKAY GÜNDOGAN | DEUTSCHLAND

Sein Wechsel von Nürnberg nach Dortmund sorgte dafür, dass er in die Nationalmannschaft berufen wurde. Eine schwere Entscheidung, wie er später erklärte.
 MESUT ÖZIL | DEUTSCHLAND

Özil kann sich in die besten deutschen Spieler einreihen - er macht seinen Klub und seine Nationalmannschaft stolz.
 GÖKHAN INLER | SCHWEIZ

Der Mittelfeldspieler machte sich zunächst in der Schweiz einen Namen, ehe der heutige Kapitän in die Serie A wechselte.


Leider, aus Sicht der türkischen Öffentlichkeit, entschied sich Mesut Özil für das Land, in dem er geboren wurde - Deutschland. Mit der DFB-Auswahl hatte er bereits im Jugendbereich für Aufsehen gesorgt und durchlief dort die U-Mannschaften.

Natürlich wurde seine Entscheidung mit Enttäuschung aufgefasst, doch seine Gründe waren verständlich. „Ich wurde in diesem Land geboren und bin dort aufgewachsen. Ich war mit den U-Mannschaften erfolgreich und ich fühlte mich stets wohl. Ich habe mich daher für Deutschland entschieden.“

Trotz seiner Entscheidung für Deutschland geht er auch mit seinen Wurzeln respektvoll um. „Meine Familie und ich werden immer türkisch sein, aber ich wurde in Deutschland geboren und lebe hier. Ich fühle mich im Deutschland-Trikot wohler“, erklärte er damals.

Im Rahmen der EM-Qualifikation 2012 trafen Deutschland und die Türkei dann aufeinander. Ein Spiel, das Özil gerne verhindert hätte. „Ich hätte lieber nicht in der Qualifikation gegen die Türkei gespielt. Wenn es nach meinem Willen geht, sollten beide erst im Finale aufeinandertreffen.“

Zwar durfte Özil in dem besagten EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei ein Tor bejubeln, doch so richtig Grund zur Freude hatte der Mittelfeldspieler nicht. Aus Respekt verzichtete er auf einen ausgelassenen Jubel.

Im Rückspiel siegte die DFB-Elf mit 3:1 in der Türkei. Bundestrainer Joachim Löw musste in diesem Spiel auf seinen Spielmacher verzichten. Wegen einer schmerzenden Achillessehne war Özil bei dem Spiel in der Türkei nur Zuschauer.

In der türkischen Kabine versprach er daraufhin seinen Freunden wie Hamit Altintop Schützenhilfe im Kampf um Platz zwei in der EM-Quali. Özil hielt Wort und glänzte wenig später im Qualifikationsspiel gegen die Belgier. „Danke Deutschland, danke Mesut”, übermittelte der damalige Real-Kollege Hamit Altintop direkt nach dem mageren 1:0-Heimerfolg der Türken gegen Aserbaidschan. „Die Türkei ist stolz auf Dich”, titelte die Sportzeitung Fanatik am Tag darauf. Dabei hatten die türkischen Medien vor der Partie zwischen Deutschland und der Türkei in Istanbul gemutmaßt, dass sich Özil „drücken“ würde.

„Wenn ich lese, dass der Druck in Istanbul zu groß für mich gewesen wäre – da fehlt mir jedes Verständnis“, erklärte Özil wenig später. Ein Traumtor erzielt, zwei Treffer genial eingeleitet, so seine Bilanz gegen die Belgier und schon waren die Türken dankbar. „Mehr Gutes kann Mesut nicht machen“, schrieb etwa die Radikal. „Es ist nicht an der Zeit für ein Dankeschön. Es ist die Zeit für eine Entschuldigung bei Mesut.”

„Ich denke, dass die Türken stolz auf mich sind”, sagte er 2011. „Beide Seiten gehen respektvoll miteinander um. Viele Türken verstehen meine Entscheidung, dass ich mit für Deutschland entschieden habe.“

Mit Real Madrid kehrt er nun am Dienstagabend nach Istanbul zurück. Im Champions-League-Viertelfinale trifft er mit Real auf Galatasaray. Özil hat erneut die Chance, sich vor dem türkischen Publikum zu zeigen und angesichts des Hinspielergebnisses würden ihm vielleicht einige sogar einen Treffer gönnen oder ihn diesen nicht allzu übel nehmen...

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