Zwei Jahre Horst Heldt beim FC Schalke: Die vielen Facetten eines Managers

Nach dem Abgang von Alleinherrscher Felix Magath rückte Horst Heldt 2011 aus dem zweiten Glied in die Verantwortung. Seitdem ist vieles auf den Sportvorstand eingeprasselt.

Gelsenkirchen. Wenn die Sonne scheint, dann sieht man Horst Heldt auf dem Balkon der Schalker Geschäftsstelle. Meistens mit dem Handy am Ohr, aber auch auf den Trainingsplatz blickend. Seit nun mehr zwei Jahren ist der Manager des FC Schalke 04 in Amt und Würden, an vorderster Front. Turbulente 24 Monate in voller Verantwortung hat der 43-Jährige hinter sich. Goal.com blickt zurück und zeigt die Facetten des Schalker Machers auf.

Der stille Beobachter

Im Sommer 2010 löste Horst Heldt seinen Vertrag beim VfB Stuttgart auf und wechselte zum FC Schalke 04. Das Aufgabengebiet „Sport“ gehörte zu diesem Zeitpunkt klar Felix Magath. Heldt übernahm die Marketingabteilung, musste vom entscheidenden sportlichen Leiter in Stuttgart zunächst ins zweite Glied auf Schalke. Ganz im Stillen leistete er hier seinen Beitrag, während es sportlich ein Auf und Ab gab. Vielleicht wusste der gewiefte „Hotte“, wie ihn die Schalker Fans zum Teil nennen, dass seine Zeit kommen wird.

Schließlich trennten sich die Wege zwischen Schalke 04 und Felix Magath. Horst Heldt wurde vom allmächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies als Sportvorstand inthronisiert. Seine Zeit war gekommen. Horst Heldt war neuer starker Mann bei dem lebhaften Revierklub.

Das Pokerface

Ein paar Monate später setzte der in Königswinter geborene Heldt die erste Duftmarke. Er konnte den Wechsel von Torhüter und Eigengewächs Manuel Neuer nicht verhindern. Dieser entschied sich für den FC Bayern München. Die Königsblauen brauchten einen neuen Torwart. Viele Gerüchte und Spekulationen sprossen wie Unkraut im Blätterwald. Bis ein großer Name die Runde machte: Jens Lehmann in Verhandlungen mit Schalke 04!

Zu diesem Zeitpunkt hatte S04 bereits mit Ralf Fährmann einen ehemaligen Schalker Jugendspieler der „Knappenschmiede“ aus Frankfurt zurückgeholt. War das Lehmann-Gerücht ein bewusst taktisch gesetztes Mittel um andere Dinge in Ruhe abzuarbeiten? Zwei Wochen später verkündete Horst Heldt voller Stolz bei der Jahreshauptversammlung 2011 die Verlängerung von Julian Draxler bis 2016. Der Jungspund wurde zu dieser Zeit nicht nur von Lokalrivale Borussia Dortmund heftig umworben.

Der Unermüdliche

Horst Heldt hat im Laufe seiner Zeit bei Schalke 04 viele Verträge von Leistungsträgern verlängert. Doch zunächst musste dieser auch die magathschen Ladenhüter loswerden. Die Gehaltsliste war mit zeitweise an die 40 Fällen des Lizenzspielerkaders rappelvoll. Personalien, die den S04 nicht weiterbrachten, mussten verliehen oder verkauft werden. Akribisch nahm sich Heldt jeder an und löste die teils schwierigen Aufgaben.

Ein besonderes Augenmerk hatte man auf der Vertragsverlängerung von Jefferson Farfan, da diese medial enorme Aufmerksamkeit genoss. Dort bewies der Sportvorstand Stehvermögen. Handgeldsummen standen plötzlich in der Öffentlichkeit. Ein Schalker Stilmittel um Druck bei Jefferson Farfan öffentlich aufzubauen? Wie auch immer, am Ende knickte der Peruaner ein und blieb bei Schalke 04. Auch die Verlängerungen um Benedikt Höwedes, Klaas Jan Huntelaar, Marco Höger, Joel Matip, Atsuto Uchida, Timo Hildebrand, Lars Unnerstall und Kyriakos Papadopoulos sind Verdienste von Heldt. Ebenso sind die Verpflichtungen von Roman Neustädter oder Michel Bastos positiv in dessen Vita zu beurteilen. Auch Ibrahim Afellay war ein positiver Transfer, solange er gesund war.

Die Schattenseiten

Der 43-Jährige hat jedoch auch unglückliche Entscheidungen getroffen. Spieler wie Chinedu Obasi, Tranquillo Barnetta, Teemu Pukki oder Ciprian Marica dienen für nicht wenige Fans als Kritikpunkte. Auf Schalke sollte in die Breite investiert werden. Heldt betonte gebetsmühlenartig, dass man „Qualität“ holen wolle. Diese ist den benannten Akteuren, bei Blick auf dessen Gesamtzeit im Schalker Dress, nach jetzigem Stand abzusprechen. Auch, dass Heldt den Abgang von Superstar und Publikumsliebling Raul Gonzalez Blanco nach Katar nicht verhindern konnte, stößt einigen Kritikern auf.

Vor allem die Entlassung des auf Schalke verehrten Huub Stevens dürfte Heldt nicht leichtgefallen sein, nicht nur medial wurde der Zeitpunkt kritisiert. Der Niederländer beerbte den damals erkrankten Ralf Rangnick und führte S04 2012 an Rang drei der Bundesliga. Doch es knatschte zwischen Mannschaft und Trainer. Stevens musste den Hut nehmen! Dafür wird Horst Heldt von einigen Anhängern immer noch kritisiert. Jens Keller ist seit Winter der neue Übungsleiter. Man schaut bis Saisonende, dann wird sich herausstellen, ob ein neuer Coach kommt oder Keller die Arbeit fortsetzen darf.


Wenn der FC Bayern, der normalerweise in zehn Jahren neun Mal Meister wird, schwächelt, dann darf kein anderer Verein da sein. Dann muss der FC Schalke da sein. Das war in den vergangenen Jahren nicht so.“

- Horst Heldt

Der Ausraster

Der Schalker Manager gilt durchweg als ruhiger Typ. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Horst Heldt ein Mensch, der geerdet und relaxet wirkt. Doch einmal platzte es aus ihm raus. Beim Spiel des FC Schalke 04 im niederländischen Enschede schwoll Horst Heldt nach dem Europa-League-Spiel im März 2012 der Kamm. Das Schiedsrichtergespann um den Schotten Craig Thomson zeigte Schalkes Innenverteidiger Joel Matip die Rote Karte. Er soll Twentes damaligen und jetzigen Gladbacher Stürmer Luuk de Jong im Strafraum gefoult haben, als letzter Mann. Es war kein Foul und es war außerhalb des Strafraums.

Für Horst Heldt war es auch etwas, nämlich zu viel des Guten. Vor sämtlichen Fernsehkameras ließ der Manager Dampf ab: „Drei Pappnasen stehen da draußen. Beschäftigungstherapie oder wie auch immer man das nennen mag. Die Szene hat man im Fernsehen gesehen, der (Luuk de Jong, Anm. d. Red.) fällt über seine eigenen Füße und keiner da draußen sieht das. Das ist eine Vollkatastrophe, das macht echt keinen Spaß, wenn man da solche Amateure auf dem Platz hat. Und wenn man hier in die Augen der UEFA-Delegierten schaut, da sagen die immer: man soll ruhig sein. Mit welcher Arroganz die da auftreten, ist nicht mehr zu ertragen. Und die machen sich da immer permanent Gedanken: wie kann man irgendwas reformieren?! Da sitzen dann irgendwelche Leute in ihren dicken Sesseln, auf, was weiß ich was für einem Board. Regelboardwerk oder wie die Heinis da oben heißen. Dann entscheiden die da: wir holen noch einen vierten und einen fünften Schiedsrichter dazu. Was macht der da, was ist denn dem seine Aufgabe? Die sollen zuhause bleiben mit so einem Scheiß. Da waren vier Beine, zwei Spieler – die müssen das sehen! Und dann sagen die ‚Tatsachenentscheidung‘, da krieg‘ ich das Kotzen, da krieg‘ ich die Krätze. Der wird doch jetzt gesperrt. Was kann ich mir für dieses Tatsachengeschisse kaufen? Gar nix.“

Rumms! Horst Heldt hatte sich mächtig Luft gemacht. Am Ende kam Schalke weiter, die UEFA leitete keine Ermittlungen ein und Joel Matip wurde überraschend freigesprochen. Gut gebrüllt, Löwe.

Der Identifikationsfaktor

Beim FC Schalke 04 ist es wichtig, dass man die Fans mitnimmt. Der Klub ist lebhafter, als es von außen betrachtet den Anschein macht. Das Gewicht der Fans und vor allem deren Meinungen sind auf Schalke wichtig. So sehr, wie sie sich mit dem Verein freuen, so sehr leiden sie auch. Horst Heldt betrachtet sich als „Teil der Familie“ – er sagt über sich selbst: ich bin ein Schalker!

Das ist immens bedeutend, wenn es darum geht, dem Mann oder der Frau in der Kurve etwaige, vielleicht auch unpopuläre, Entscheidungen zu verkaufen. Horst Heldt tut dies auf besonnene Art und Weise. Auch Heldt hat seinen Vertrag unlängst bis 2016 ausdehnen können. Man darf zurecht viel von ihm erwarten, denn in Fachkreisen gilt dieser als einer der besten Manager der Bundesliga. Doch das Umfeld auf Schalke ist erwartungsvoll. In den letzten 13 Jahren holte man viermal die Vize-Meisterschaft.

Horst Heldt muss es gelingen, mit welchem Trainer auch immer, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Mit einem solch teuren Kader ist und muss der Anspruch die Champions League sein - dauerhaft. Und irgendwann klappt's vielleicht mal für den ganz großen Wurf. Dann ist das Denkmal perfekt, bis dahin wird noch viel Wasser die heimische Emscher runterfließen ...

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