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Ein Schütze toller Tore gegen einen Torjäger – doch welcher schwedische Superstürmer der bessere ist, soll diese Fortsetzung unserer Serie ans Tageslicht bringen.

ANALYSE
Von Patrick Reilly

Zlatan oder „Henke“? So hoch ist der Stellenwert, den die schwedischen Fußballfans Ibrahimovic und Larsson zubilligen, dass man sie nur beim Vornamen nennen zu braucht – fast so wie bei John, Paul, George und Ringo, den ersten und berühmtesten Popstars aller Zeiten.

Fast genau ein Jahrzehnt trennt die Stürmer, die beide aus der Skane-Region im Süden Schwedens stammen. Ibrahimovic (31) aus Malmö und Larsson (41) aus Helsingborg glänzten beide für ihre lokalen Klubs, die eine Rivalität auf dem Niveau wie zwischen Manchester United und dem FC Liverpool verbindet.

Die Fans der Klubs behaupten regelmäßig, ihre lokale Ikone sei der beste Spieler, den Schweden je hervorgebracht hat. Es ist eine Debatte, die schnell hitzig wird und viel mit Lokalpatriotismus zu tun hat, wenn es um diese zwei Teufelskerle aus dem Süden geht.

Die Gemeinsamkeiten der Zwei stechen schnell ins Auge. Beide Eltern Ibrahimovics sind Einwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien, während Larssons Vater von den Kapverden stammt. Die Angreifer sammelten beide Erfahrung in der holländischen Eredivisie, lange ein Sprungbrett für hoffnungsvolle schwedische Talente. Nachdem beide erstmals die Allsvenskan verließen, trafen sie, wie sie wollten, hatten ein Intermezzo in Barcelona und machten viele Kehrtwenden, was ihr Engagement in der schwedischen Nationalmannschaft betraf.

Doch bei allen Gemeinsamkeiten gibt es natürlich einen großen Unterschied: Während Ibras unzweifelhaftes Talent bewundert wird, hat er mehr Kritiker als Anhänger in seiner Heimat, die seine Lautsprecherattitüde und mitunter großspurige Art nicht schätzen. Larsson im Gegensatz ist unglaublich populär, gilt als Beispiel für Sportsgeist und  Ausdauer über seine gesamte Karriere hinweg.

Würde man einen Wettbewerb in puncto Popularität zwischen beiden in Schweden veranstalten – Larsson würde haushoch gewinnen.

Doch all das zählt nicht, wenn man ihre Qualitäten auf dem Platz vergleicht – auch wenn die Schweden ihre persönlichen Sichtweisen auf beide gerne in die Bewertung mit einfließen lassen in der Ansicht, welcher der bessere Spieler ist.

IBRAHIMOVIC VS. LARSSON - DIE STATISTIKEN
ZLATAN IBRAHIMOVIC
HENRIK LARSSON

 612/304 ALLE SPIELE/TORE
878/471
 0.50 TORE PRO SPIEL 0.56
86/39 INTERNATIONALE SPIELE/TORE
106/37
 0.45 TORE PRO SPIEL 0.35
 15/6 TURNIERSPIELE/TORE
23/9
 0.4 TORE PRO SPIEL 0.39
 4 Meistertitel Italien
2 Meistertitel Niederlande
1 Meistertitel Spanien
3 Pokalsiege Italien
2 Pokalsiege Spanien
2 Pokalsiege Niederlande
1 Super Cup
1 Klubweltmeisterschaft
GRÖSSTE ERFOLGE
4 Meistertitel Schottland
2 Meistertitel Spanien
1 Meistertitel England
4 Pokalsiege Schottland
2 Pokalsiege Niederlande
1 Europapokal
1 Pokalsieg Spanien
1 Pokalsieg Schweden
 7 x schwedischer Spieler des Jahres
4 x Serie A ausländischer Spieler des Jahres
3 x Serie A Spieler des Jahres
2 x Serie A bester Torschütze
PERSÖNLICHE AUSZEICHNUNGEN
1 Goldener Schuh Europa
2 SFWA Fußballer des Jahres
2 SPFA Fußballer des Jahres der Profis
2 schwedischer Spieler des Jahres
Schottische Football Hall of Fame
Bester UEFA Cup/Europa League-Torschütze aller Zeiten
 Bester schwedischer Spieler aller Zeiten

Beim Vergleich des Spielers Larsson mit dem Spieler Ibrahimovic auf Statistikebene wird klar, dass ihre Torjägerqualitäten praktisch auf einer Stufe sind. In der  Nationalmannschaft  hat Ibrahimovic Larssons 37 Tore bereits um zwei übertroffen, und das in 19 Spielen weniger als sein ehemaliger Sturmpartner.

Oft wird gesagt, dass Larsson ein toller Torjäger sei, während Ibrahimovic ein Schütze toller Tore sei. Dieses Statement lässt Ibras Werte außer Acht, besonders in der Serie A, wo er zweifach die Capocannonieri als bester Torschütze gewann.

Anhänger von Ibra weisen darauf hin, dass er über ein Jahrzehnt auf Europas höchster Ebene spielte, was Larssons 242 Tore in 315 Spielen für Celtic etwas abqualifiziert, die auch aufgrund der „Old Firm“-Dominanz in Schottland zustandekamen.

Larsson hatte natürlich viele Angebote, den Celtic Park zu verlassen während seiner siebenjährigen Vereinszugehörigkeit, doch zog es vor zu bleiben, sowohl aus sportlichen als auch aus familiären Gründen. Loyalität ist nun nicht zwingend ein Wort, das man mit Ibrahimovic verbinden würde, und er hält den Rekord an Transfererlösen aus den Wechseln zwischen Malmö, Ajax, Juventus, Inter, Barcelona, AC Milan und nun Paris Saint-Germain.

Als Stürmer zeichnen Ibra seine muskulösen 1,95 und die exquisite Technik als einen der am schwierigsten zu deckenden Stürmer überhaupt aus...wenn er in Form ist. Von seinem Durchbruch in Form des Solos für Ajax gegen NAC bis hin zum Viererpack gegen England hat er wieder und wieder gezeigt, dass er Spiele im Alleingang gewinnen kann.

Tatsächlich bewegte das Larsson selbst 2009 zu einer Verbeugung vor Ibrahimovic, als er sagte: „Die Wahrheit ist, dass er als Stürmer alle Qualitäten hat“, nachdem er seinem Landsmann zum Wechsel nach Barcelona geraten hatte.

Er gewann neun Meisterschaften in den letzten elf Spielzeiten (wenn man Juventus 2004-2006 hinzurechnet), doch niemals die Champions League. Ibras Zeit bei der Blaugrana war genau zwischen den Triumphen 2009 und 2011, während sein ehemaliger Klub Inter den Titel ohne ihn 2010 gewann. Wenige bemerkten Ibrahimovics Abwesenheit während dieser Feierlichkeiten.

„Henke“ war fast 33, als er 2004 zu Barca wechselte und zerstreute rasch alle Sorgen darüber, dass er nur ein großer Fisch aus einem kleinen schottischen Tümpel sei. Larsson gewann zwei Meisterschaften in La Liga an der Seite von Ronaldinho, der den Schweden als sein „Idol“ bezeichnete, doch er hatte sich das Beste für das Champions-League-Finale aufgespart, wo er beim Sieg gegen Arsenal beide Tore für sein Team auflegte.

In einem Interview mit dem Autoren dieses Artikels sagte Larsson 2012: „Das war das Beste, was ich als Einwechselspieler je zustande gebracht habe“ - und die Entschädigung für das verlorene UEFA-Cup-Finale 2003 mit Celtic gegen Porto.

Larssons Tempo, seine Balance und seine Schlitzohrigkeit der alten Schule machten ihn zu einem Schlüssel- und Teamspieler für jede der Mannschaften, in denen er auflief. Zlatans unglaubliches Talent bedeutet meist eine One-man-show, was ihm besonders in Barcelona zum Nachteil gereichte, wo die Starrolle für Lionel Messi reserviert ist. Er verließ das Camp Nou im Streit, bezeichnete Pep Guardiola in seiner Autobiographie als „Idioten“, nur eines von vielen Zerwürfnissen mit Kollegen während seiner Karriere.

Die Wahrheit ist, dass er als Stürmer alle Qualitäten hat.

- Larsson über Ibrahimovic, 2009

Auf internationalem Parkett mit der Nationalmannschaft hatte Larsson größeren Erfolg, war dabei bei Schwedens drittem Platz 1994 in den USA. Ibrahimovic schenkte uns Momente individueller Brillanz bei großen Turnieren, so wie bei seinem Hackentrick gegen Italien bei der EM 2004 und dem Volley gegen Frankreich letzten Sommer, doch Schweden war meist eine Enttäuschung in der Zeit, in der er das gelbe Trikot trug. Viele sagen dasselbe über Zlatan, wenn es um Leistung in den Momenten, auf die es ankommt, geht.

Zlatan oder „Henke“, Ibrahimovic oder Larsson – es scheint dabei auch um den persönlichen Geschmack zu gehen, wie bei der Frage, wer dein Lieblings-Beatle ist. Ibra ist eher ein Typ Lennon, ein sprunghaftes Genie mit dem größeren natürlichen Talent. Larsson passt zu McCartney als beschlagener Allrounder, der besser als Teamplayer agiert. Man sollte nicht vergessen, dass Fußball ein Teamsport ist, und Larsson ist – bis jetzt – derjenige, den man wohl lieber in seinem Team hätte.

Patrick Reilly ist freier Journalist und lebt in Malmö, Schweden.

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