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Der Barca-Star dominiert die gegnerischen Abwehrspieler ähnlich wie einst Diego Maradona. Goal.com vergleicht die beiden argentinischen Legenden...

ANALYSE
Von Rupert Fryer

30 Meter vor dem Tor bekommt er den Ball auf den Fuß. Er zieht nach innen und lässt die ersten beiden Verteidiger gekonnt aussteigen. Auch der dritte Gegenspieler hat keine Chance, ihm den Ball vom Fuß zu nehmen. Im Strafraum lässt er dann erneut weitere Abwehrspieler alt aussehen, bevor er schließlich auch noch am herausstürmenden Torwart vorbei geht und den Ball unnachahmlich im Netz versenkt. Diesen Treffer kan man sich immer und immer wieder anschauen.

Argentinische Nachrichtensender zeigten diesen Treffer danach immer wieder im Split-Screen-Modus - zwei Tore, die ähnlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite wäre da das Tor von Diego Maradona aus dem Jahre 1986. 'El Diego' wie sie ihn in seiner Heimat nennen - als der zweite Treffer fiel, war Maradona schon längst nicht mehr im aktiven Fußball zu Gange.

Überhaupt scheint Argentinien für solche unvergesslichen Sololäufe prädestiniert. Die Hockeyspielerin Luciana Aymar unterstrich ihre Weltklasse, als sie während der Hockey-WM 2010 ebenfalls etliche Gegenspielerinnen aussteigen ließ und den Ball im Tor versenkte. Nicht nur wegen diesen Treffers, der sehr dem Jahrhunderttor Maradonas gegen England ähnelte, wurde Aymar zur besten Spielerin des Turniers gewählt.

Auch nach diesem Treffer wurde der Split-Screen verwendet und die beiden Tore verglichen - unabhängig von der Sportart. Argentinien - eine echte Sololauf-Nation also...

2007 war es dann allerdings ein Treffer aus dem Fußball, der dem Jahrhunderttor gegenübergestellt wurde: Lionel Messi machte es seinem Landsmann nach und traf im Copa-Spiel zwischen dem FC Barcelona und dem FC Getafe nach einem ähnlichen Sololauf zum zwischenzeitlichen 2:0. Zu dieser Zeit galt Messi mit seinen 19 Jahren noch als Riesentalent und trug die Nummer 19 auf dem Rücken. Heute ist der Zehner der Katalanen schon vierfacher Weltfußballer.

MARADONA vs. MESSI - DIE STATISTIK
DIEGO MARADONA
LIONEL MESSI

 678 Spiele / 344 Tore SPIELE/ TORE INSGESAMT
435 Spiele / 335 Tore
 90 Spiele / 33 Tore SPIELE/ TORE NATIONALTEAM
76 Spiele /31 Tore
 21 Spiele / 12 Tore SPIELE/ TORE WM
 8 Spiele / 1 Tor
 6 Spiele / 2 Tore SPIELE/ TORE EUROPAPOKAL
76 Spiele / 58 Tore
 1x Weltmeister
1x Argentinischer Meister
2x Italienischer Meister
1x Copa del Rey
1x Coppa Italia
1x Uefa Cup
ERFOLGE
 5x Spanischer Meister
2x Copa del Rey
3x Champions League
2x Uefa Super Cup
2x Klub-Weltmeister

In seiner Entwicklung zum Starspieler wurden immer wieder Vergleiche mit Maradona herangezogen. Die Ähnlichkeiten waren beeindruckend. Der Spielwitz, die Technik und die Abschlussstärke - nicht wenige sahen in Messi einen „neuen Maradona“.

2011 sagte Maradonas ehemaliger Weggefährte Ossie Ardiles, Messi würde Maradona eines Tages übertrumpfen. Genau ein Jahr später sagte er dann, Messi sei nun „der beste Fußballer überhaupt“. Auch der legendäre Trainer Carlos Bianchi stimmte Ardiles' Aussage zu, genau so wie der ehemalige uruguayische Torjäger Enzo Francescoli.

Auf der anderen Seite gab es aber auch immer wieder Leute, die sich auf Maradonas Seite schlugen, wenn es darum ging, den besten Fußballer der Welt zu benennen - dazu gehört auch Messis ehemaliger Trainer Pep Guardiola: „Maradona ist der beste Fußballer, den ich je gesehen habe.“ Der englische Kult-Journalist sieht Messi sogar noch „hinter Maradona, Pele und Alfredo Di Stefano.“

Fakt ist: Talent und Stärke eines Fußballers ist nicht zu messen. Und auch nackte Zahlen über Erfolge und Misserfolge kratzen nur an der Oberfläche. Messi bricht aktuell fast alle Rekorde, die es zu brechen gilt und auch in Sachen Trophäen hat er, mit drei Champions League-Titeln und fünf Meisterschaften, die Nase objektiv betrachtet klar vor Maradona.

Der konnte mit Napoli zweimal die italienische Meisterschaft und den UEFA-Cup holen und hat außerdem eine Meisterschaft mit dem argentinischen Club Boca Juniors vorzuweisen. Aber: Maradona wurde mit Argentinien Weltmeister und glänzte oft in der Nationalmannschaft. Hier liegt Messi hinten, lassen die Erfolge mit La albiceleste doch noch auf sich warten.

Lionel Messi wird in die Geschichte als bester Fußballer aller Zeiten eingehen.

- Ossie Ardiles

Beide spielten in ihrer Karriere für den FC Barcelona - allerdings waren es zwei sehr verschiedene Barcelonas. „Ohne Messi ist Barcelona immer noch die beste Mannschaft. Aber mit ihm sind sie aus einer anderen Galaxie“, sagte DFB-Sportdirektor Robin Dutt einst über den katalanischen Klub. Das gleiche kann für die Zeit, in der Maradona die Schuhe für Barca schnürte, nicht wirklich behauptet werden.

Als ultimative Aufgabe gilt es für einen Spieler von Weltklasseformat, seine Mitspieler mitzuziehen und sie zu Höchstleistungen zu treiben. Das schafften Maradona und Messi - jedoch in unterschiedlicher Weise. „Maradona übernahm sofort Verantwortung und war der Chef im Ring. Seine Mitspieler ließen sich davon anstecken und zeigten tolle Leistungen“, erinnert sich der argentinische Coach Cesar Luis Menotti noch heute. „Bei Messi ist es so, dass auch um ihn herum Weltklassespieler agieren. Da ist alles genau abgesprochen, jeder Laufweg, jeder Pass“, so Menotti weiter.

Was Maradonas Status als Starspieler aber wirklich beeinflusste, waren die beiden Weltmeisterschaften 1986 und 1990, bei denen er auftrumpfte. Speziell 1986 faszinierte er die ganze Fußball-Welt mit unnachahmlichen Toren und Pässen. Fünf Treffer erzielte er während des Turniers in Mexiko und wurde als bester Spieler des Wettbewerbs ausgezeichnet. „Diego Maradona ist ebenso ein großer Held wie Pele 1970“, schrieb Journalist Glanville damals.

Im Jahr 2010 sollte dann auch Messi sein „1986“ bekommen und Argentinien zum WM-Titel schießen. Der Trainer: Ausgerechnet Diego Maradona! Es hätte so eine schöne Geschichte werden können, am Ende scheiterte das Team allerdings bereits im Viertelfinale und musste Südafrika frühzeitig verlassen. Maradona schaffte es nicht, Messi zu großen Leistungen zu treiben - der Angreifer spielte ein weitesgehend unauffälliges Turnier und blieb torlos.

Maradona übernahm sofort Verantwortung und war der Chef im Ring. Bei Messi ist es so, dass auch um ihn herum Weltklassespieler agieren. Da ist alles genau abgesprochen, jeder Laufweg, jeder Pass.

- Cesar Luis Menotti

Die Champions League ist sicherlich der prestigeträchtigste Vereinswettbewerb der Welt. Die besten Vereine Europas treffen aufeinander und messen sich. Lionel Messi konnte bereits drei Mal diesen Wettbewerb gewinnen und wurde vier Mal in Folge als bester Torschütze des Wettbewerbs geehrt: ein neuer Rekord.

Messi ist erst 25 Jahre alt und hat noch eine lange Karriere vor sich. Den ein oder anderen Titel wird er wohl noch holen - Maradona hat dazu nur noch als Trainer theoretische Chancen. Dennoch bleibt festzuhalten: beide Spieler sind beziehungsweise waren unglaubliche Fußballer und prägten eine ganze Generation.

„Ich war neun Jahre alt, als Argentinien 1986 Weltmeister wurde und ich kann mich noch an jedes Spiel von Maradona erinnern“, sagt der argentinische Goal.com-Redakteur Sebastian Garcia.

„Ich erinnere mich an die Umarmungen und an die Freudentränen. Ich erinnere mich an die unglaubliche Atmosphäre, die bei uns in der Heimat herrschte. Jeder freute sich darauf, Maradona endlich wieder beim Fußballspielen zuzuschauen. Wir waren die beste Fußballnation... Und wenn ich Messi heute beim Fußballspielen zusehe, dann fühle ich mich wieder wie ein Neunjähriger.“

Wahrscheinlich ist es das, was wirklich zählt...

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