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Führung, Fans, Finanzen und Spieler: Die vielen Probleme des VfB Stuttgart

Der Sieg am Sonntag in Frankfurt war zwar wichtig, aber auch er kann es nicht verdecken: Der VfB Stuttgart steckt in einer tiefen Krise.

Stuttgart. Dieser 2:1-Sieg am Sonntag bei Eintracht Frankfurt könnte sich noch als ganz wichtiger herausstellen für den VfB Stuttgart. Denn nach dem Sieg des FC Augsburg am Samstag und den schwachen Ergebnissen in den letzten Wochen wäre der VfB mit einer neuerlichen Niederlage in Frankfurt endgültig mitten im Abstiegskampf angekommen.

Dennoch, der Sieg in Frankfurt kann nicht über die letzten Wochen hinwegtäuschen, in denen dem VfB Stuttgart fast gar nichts gelang, was sich dann auch in den Ergebnissen widerspiegelte. Dabei hat sich die sportliche Krise mittlerweile sogar ausgeweitet, längst herrscht Krisenstimmung im ganzen Verein. Die Ursachen sind vielschichtig und zu großem Teil auch hausgemacht, um sie zu lösen sind sportliche Erfolge wie der am Sonntag in Frankfurt aber wohl die beste Basis.

Die Mannschaft

Nur bei wenigen Spielern des VfB Stuttgart kann man sagen, sie spielen eine gute Saison. Im Gegenteil: Leistungsträger befinden sich seit Wochen im Formtief und auch als kollektiv können die Schwaben seit der Winterpause nicht mehr überzeugen. So herrscht häufig Ratlosigkeit auf dem Platz, Leitwölfe, die das Team führen und in Krisenzeiten mit überzeugenden Leistungen vorangehen, sind nicht erkennbar. Selbst erfahrene Spieler wie der Däne William Kvist konnten in den letzten Spielen keine Sicherheit ausstrahlen. Im Gegenteil: Sie wirken verunsichert und machen zu viele individuelle, vermeidbare Fehler.



Auf dem Platz ist keine Struktur zu erkennen, zu einfallslos präsentiert sich die Offensive, zu behäbig ist der Spielaufbau der Schwaben. In der Hinrunde stimmten letztlich dank einer stabilen Defensive und einer guten Mannschaftsleistung häufig noch die Ergebnisse, doch so ist es in der Rückserie nicht mehr. Ansehnlichen Fußball lässt der VfB Stuttgart die ganze Saison über vermissen. Das Resultat: Verunsicherte Spieler und frustrierte Fans.

Der Kader

Vor Saisonbeginn hat wohl kaum einer beim VfB Stuttgart ernsthaft damit gerechnet, dass die Schwaben im März noch in drei Wettbewerben vertreten sein würden. Darauf sei der Kader nicht ausgelegt, heißt es nun von den Verantwortlichen. In der Tat ist der Kader der Stuttgarter zu dünn besetzt für die vielen Spiele und Reisestrapazen in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League. Hinzu kommt, dass Spieler wie Cacau und Daniel Didavi, die dem Verein in Topform auf jeden Fall weiterhelfen würden, fast die komplette Spielzeit verletzt fehlen. So war Rotation in der anstrengenden Rückrunde bislang kaum möglich, der gegenwärtige Kader geht auf dem Zahnfleisch und die Verantwortlichen um Trainer Labbadia dürften zumindest aus diesem Grund ganz froh sein, dass die Saison in der Europa League nach dem Ausscheiden gegen Lazio Rom nun beendet ist.

Die Fans

Die Anhänger des VfB Stuttgart sind in dieser Spielzeit wirklich nicht zu beneiden. Nur selten konnte die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia attraktiven Fußball zeigen und auch die Ergebnisse lockten in dieser Saison bislang kaum zu einem Besuch im Stadion. Als Folge dessen ist die Mercedes-Benz Arena in den letzten Monaten nur selten voll ausgelastet gewesen, häufig spielten die VfB-Kicker nur vor wenigen tausend Zuschauern.

Im DFB-Pokal gegen den FC St. Pauli, den 1. FC Köln und den VfL Bochum waren ganze Tribünenabschnitte geschlossen, weil zu wenige Karten verkauft wurden. Und die drei Spiele in der  Vorrunde der Europa League lockten insgesamt nicht so viele Zuschauer in die Mercedes-Benz Arena wie eigentlich zu einem einzigen Spiel kommen könnten. Der Grund dafür ist die große Unzufriedenheit der Fans mit Trainer, Vorstand und Mannschaft. Die Mannschaft spielt unansehnlichen Fußball und droht, zur grauen Maus der Liga zu werden – zu wenig für die erfolgsverwöhnten Schwaben. Hinzu kommt, dass die VfB-Anhänger mit einigen Entscheidungen des Vorstands nicht einverstanden sind, es herrscht beispielsweise große Wut über den Deal mit Ticketanbieter viagogo.



Dabei lassen die Fans nun ihren Frust an einzelnen Spielern aus, mit deren Leistungen sie seit Monaten unzufrieden sind. Tamas Hajnal soll – um vor den Pfiffen der eigenen Fans geschützt zu werden – vorerst bei Heimspielen nicht mehr eingesetzt werden. Cristian Molinaro wurde bereits vor seiner geplanten Einwechslung beim Spiel gegen den Hamburger SV ausgepfiffen, sodass Trainer Labbadia letztlich auf den Wechsel verzichtete.

Keine Frage, die Anhänger des Vereins für Bewegungsspiele haben große Ansprüche an ihr Team, allerdings hat sich die Mannschaft durch die Leistungen der vergangenen Monate ihren Kredit einfach verspielt. Die erste und einfachste Lösung, um die Anhänger wieder hinter sich zu bringen: Sportliche Erfolge.

Der Trainer

Lange hat Bruno Labbadia gezögert, bis er dann zu Beginn des Jahres seinen Vertrag beim VfB Stuttgart bis 2015 verlängerte. In seinem ersten halben Jahr rettete er den Verein vor dem Abstieg, in der vergangenen Saison führte er die Schwaben in die Europa League. Doch nun ist der Weg des ständigen Fortschritts abrupt geendet und der Verein und sein Trainer befinden sich in einer echten Krise. In der Hinrunde, als die Ergebnisse soweit passten, gelang es dem Coach nicht, Euphorie zu verbreiten. Sein ständiges Warnen und die sich immer wiederholenden Worte vom „schweren Weg“ und der „harten Arbeit“ für den Erfolg bei den Schwaben lösen bei den Anhängern keine Begeisterung aus.

Trotz der Erfolge in den letzten Jahren beim VfB ist Bruno Labbadia deshalb nicht außerordentlich beliebt bei den VfB-Fans, auch wenn man seine erfolgreiche Arbeit durchaus schätzt. Fehlende öffentliche Wertschätzung von Seiten des Vereins war aber wohl auch ein Grund für das lange Zögern von Labbadia vor seiner Vertragsverlängerung. Der Trainer steht nach den bisher enttäuschenden Ergebnissen im Jahr 2013 in der Kritik, auch wenn er den Sportdirektor Fredi Bobic hinter sich weiß.

VFB STUTTGART | DIE KRISEN-RÜCKRUNDE
    Pflichtspiele   
Siege Niederlagen  Tore Gegentore
 14 4 8 13  22

Hauptkritikpunkte im Stuttgarter Umfeld sind Personalentscheidungen bei der Aufstellung, späte und teils nur schwer nachvollziehbare Ein-/Auswechslungen und die wenig spektakuläre Spielweise der Schwaben in dieser Saison. Vor allem diese spielerisch häufig schwachen Leistungen des VfB sorgen dafür, dass Bruno Labbadia trotz der erfolgreichen Arbeit in den letzten zwei Jahren kaum Kredit bei den Fans genießt. Der Verein lässt Labbadia aber in Ruhe arbeiten, weshalb er an seinem Ziel, den VfB Stuttgart mit einer attraktiven Spielweise und sportlichen Erfolgen in den nächsten Jahren zu prägen, wohl auch im kommenden Jahr weiterarbeiten kann.

Der Sportdirektor

Mit der Vertragsverlängerung mit Bruno Labbadia zu Beginn der Rückrunde hat sich auch Sportdirektor Fredi Bobic an das Schicksal des Trainers gebunden. Denn die Krise war beim VfB bereits im Gange, als Bobic auf die Verlängerung des zum Saisonende auslaufenden Vertrags des Trainers drängte. Eine Entlassung noch in dieser Saison würde dem Verein durch den langen Vertrag bis 2015 deshalb viel kosten, weshalb das wohl ausgeschlossen sein dürfte, auch wenn sich die sportliche Krise nach der Länderspielpause fortsetzen sollte.



Auf dem Transfermarkt – dem wohl wichtigsten Aufgabengebiet des Sportdirektors – ist Bobic das glückliche Händchen, das er zu Beginn seiner Amtszeit bei den Schwaben hatte, wohl ein wenig abhanden gekommen. Die Neuzugänge aus dem letzten Sommer, Tunay Torun und Tim Hoogland, konnten vor allem verletzungsbedingt bislang keine Verstärkung darstellen. Federico Macheda und Alexandru Maxim, die beide in der Winterpause verpflichtet wurden, konnten in Ansätzen ihr Talent zwar bereits aufblitzen lassen, doch dürften diese beiden Spieler wohl erst mittelfristig eine wirkliche Hilfe sein.

Fazit

Der VfB Stuttgart steckt im Jahr 2013 in einer Krise, wie sie der Verein in einer Rückrunde lange nicht mehr erlebt hat. Schließlich zählten die Schwaben in der Rückrunde in den letzten Jahren immer zu den Top-Teams der Bundesliga mit teils spektakulären Aufholjagden. Das 2:1 in Frankfurt könnte die Wende gewesen sein, dafür muss es aber nach der Länderspielpause direkt positiv weitergehen. Der Frust beim Verein und seinen Anhängern ist groß, allerdings kann der VfB Stuttgart die Saison nach wie vor erfolgreich zu Ende bringen. Mit ein paar Siegen in der Bundesliga ist zumindest das solide Tabellenmittelfeld noch möglich und im DFB-Pokal könnten die Schwaben mit einem Sieg im Halbfinale gegen den SC Freiburg das Endspiel in Berlin erreichen – bei gleichzeitigem Weiterkommen des FC Bayern München winkt dann sogar eine erneute Teilnahme in der Europa League in der kommenden Saison.

Die Krise 2013 ist also nicht kleinzureden, aber sie ist in den nächsten Wochen auf vielen Ebenen ziemlich einfach lösbar: Mit sportlichen Erfolgen.

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