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1. FC Nürnberg: Das Phänomen Wiesinger

Nach holprigem Start hat sich der 1. FC Nürnberg in der Rückrunde gefangen. Das Trainerduo Michael Wiesinger und Armin Reutershahn hat dabei einen nicht unwesentlichen Anteil.

Nürnberg. Wenn ein Trainer-Neuling von einer unscheinbaren Persönlichkeit plötzlich zu einer Figur wird, deren Stimme in TV-Runden wie dem Doppelpass, Print- und Onlineinterviews gehört werden will, kann das zweierlei Gründe haben. Entweder der Neuling geht durch ein Tief und steht bereits wieder vor dem Aus. Oder er überrascht mit seinem Debüt und hat sich bereits einiges an Respekt verschafft. Letzteres ist bei Michael Wiesinger, dem Trainer des 1. FC Nürnberg, derzeit der Fall. Umso mehr nach dem deutlichen 3:0-Sieg über den FC Schalke, den Wiesinger trotzdem realistisch einordnen konnte.

Der Kampf um Respekt

Es ist nicht einfach, ein Team von Dieter Hecking, der sich jahrelang Respekt und Akzeptanz in Nürnberg verschaffte, zu übernehmen. Das wusste auch Trainer Michael Wiesinger. „Die ersten Wochen waren nicht leicht, die Spieler haben viel ausgetestet, wir hatten einige Kämpfe“, sagte der neue Coach gegenüber Goal.com. Und fügte an: „Am dritten Spieltag hieß es bereits: heute muss er gewinnen. Da hatten wir zuvor Unentschieden gegen Hamburg gespielt und in Dortmund verloren. Da kann man schon sagen, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir, wohlgemerkt.“

Doch seitdem hat sich einiges geändert. Die Pleite des FCN beim Meister am 25. Januar ist bislang die letzte geblieben. Da in dieser Woche Länderspiele stattfinden und der Club erst am 31. März wieder in Wolfsburg antritt, wird der FCN über zwei Monate ungeschlagen sein, wenn man zu Gast beim ehemaligen Trainer Hecking ist. Phänomen Wiesinger. Der Jung-Trainer hauchte dem Team Kontinuität ein und schafft es, Big Points zu landen. Beim Sieg gegen Gladbach, beim Last-Minute-Punkt gegen Hannover, beim Erfolg in Augsburg, der die Weichen für eine weitere erstklassige Saison gestellt hatte.

Nominieren nach Leistung, nicht nach Namen

Doch wie gelang es einem 40-jährigen Trainer, der zuvor nur Amateurteams trainiert hatte, einen Bundesliga-Verein zu übernehmen und so schnell gefügig zu machen. Ganz einfach: Wiesinger, der immer wieder seinen Partner Armin Reutershahn hervorhebt, ließ Leistung entscheiden. Den Offensivspieler der Hinrunde, Hiroshi Kiyotake, ließ Wiesinger gleich im ersten Spiel raus. Die Trainingsleistung passe nicht, gab der Trainer im Anschluss an die Partie zu Protokoll. Alex Esswein fand sich zu Beginn gleich auf der Tribüne wieder und musste den langen Weg über die Bank zurück in die Startaufstellung bestreiten. Und der führte über lediglich eine Komponente: Trainingsleistung.

Nun ist Esswein zurück, spielt mal links, mal vorne, dafür aber immer auf immens hohem Niveau. Nach extrem Durchhänger schaffte es der neue Coach, den Jungspund wieder in die Spur zu bringen. Wiesinger half dem U21-Nationalspieler. Nun zahlt Esswein mit Leistung zurück. Eine hohe Leistungsdichte ist dem Übungsleiter beim Traditionsverein wichtig. „Mit Armin und mir gab es einen Neuanfang, wir wollten diesen 18-Mann-Kader stärker machen. Vorher war es zu leicht, in den Kader zu kommen. Das hat sich nun geändert“, merkte der Coach an.



Effizienz und Abgeklärtheit

Es ist kein Abstiegskandidat, der da dieser Tage im Grundig Stadion aufläuft. Es ist ein abgezocktes Team, das Punkt um Punkt einheimst und von Platz vier nur halb so viele Zähler entfernt ist wie vom Relegationsplatz. Da kann man selbst nach einem 3:0 mal anerkennen, dass ein Sieg glücklich sei, wie es Wiesinger gegen Schalke tat. Er fügte an: „Wir haben in der ersten Phase das Glück überstrapaziert – da hätte Schalke in Führung gehen müssen. Das Tor von Feulner hat uns die wichtige Führung beschert. Trotzdem musste man die Jungs in der Halbzeit aufrichten, die Körpersprache hat da nicht so recht gepasst.“ Das Fazit? „Es war wichtig, hier zu gewinnen und die Serie auszubauen.“

Nach diversen Chancen war es der FCN, der die Führung übernahm. Feulner traf nach handverdächtiger Szene zum 1:0. Er sagte nach der Partie gegenüber Goal.com: „Ich habe mir die Bilder auch noch einmal angeschaut. Nach dem langen Ball verlängert Peki das Ding, ich gehe rein, ziehe den Kopf zurück, kriege den Ball dann erst an die Schulter und dann an die Hand. Es war keine Absicht von mir. Ob man das abpfeifen muss? Das weiß ich nicht. Ich meine, das kann man auch weiterlaufen lassen.“

Das Führungstreffer ebnete den Weg, danach kamen Kiyotake und Esswein ganz stark auf. Esswein ist wieder da - und weiß das auch. „Dass es jetzt wieder gut läuft, ist natürlich super. Wenn das so klappt wie heute, ist ja alles bestens“, sagte der Torschütze zum 2:0. Und nun wartet er auf eine neue Aufgabe, wenn es in zwei Wochen nach Wolfsburg geht. „Ich freue mich auf das Spiel in Wolfsburg. Dieter Hecking habe ich viel zu verdanken. Aber wenn er sagt, dass Wolfsburg vor Nürnberg landet, wollen wir ihm das Gegenteil beweisen“, so Esswein weiter.

Am Ende der Saison vor Wolfsburg zu stehen und Mitte März schon nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben? Wiesinger hat Nürnberg zurück in die Erfolgsspur gebracht - und dürfte, bei anhaltendem Erfolg, wohl auch nicht so schnell von der Trainerbank zu kriegen sein. Ein Phänomen.


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