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Die Spekulationen schießen ins Kraut und die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Armin Veh wird neuer Trainer auf Schalke, heißt es. Doch passt Veh überhaupt ins Ruhrgebiet?

Gelsenkirchen/Frankfurt am Main. Es hat schon etwas Abgeklärtes, wenn der Trainer von Eintracht Frankfurt über den Fußball philosophiert. Armin Veh ist ein großer Name in der Gilde der aktuellen Fußballlehrer der Bundesliga. Nun soll sich Veh angeblich mit dem Manager des FC Schalke 04 auf ein Engagement im Ruhrgebiet verständigt haben, was beide Parteien (noch) bestreiten. Horst Heldt heißt dieser Manager, der nebenbei ein sehr enger Freund Vehs ist. Betrachtet man diese Situation um einen möglichen Abgang aus „Mainhattan“, wird diese gepaart mit der gern aufkommenden Frage, ob dieser Mann zu Schalke passt.

Ein Typ mit Strahlkraft

Armin Veh ist ein erfahrener Trainerfuchs. Seit über 22 Jahren, wie der Routinier betonte, ist er nun im oft eiskalten Fußballgeschäft, und hat dabei so gut wie alles erlebt. Er wurde gefeiert, er wurde vom Hof gejagt, um an anderer Stelle wieder als Held von Schulterklopfern umgarnt zu werden. Das Auf und Ab hat den gebürtigen Augsburger geprägt. Wenn Armin Veh Situationen erklärt, Journalisten den Fußball erläutert, dann umgibt ihn eine gewisse Aura. Es wirkt als stünde er stets über den Dingen. Mit Ruhe, mit Gelassenheit.

Der ehemalige Spieler von Borussia Mönchengladbach ist im Februar 52 Jahre alt geworden. Seine Zeit als Trainer begann 1990 beim FC Augsburg und führte ihn über sämtliche Stationen bis hin zu Eintracht Frankfurt. Sein bisher größter Erfolg war die Deutsche Meisterschaft 2007 mit dem VfB Stuttgart. Damals an seiner Seite: Horst Heldt.

Die Kraft des Rückschlags

Als Armin Veh sich nach dem großen Erfolg mit den Schwaben aufmachte und 2009 zum VfL Wolfsburg ging, wurde er der Nachfolger von Felix Magath. Er scheiterte nach nur einem halben Jahr. Getrieben von der aufgekommenen Gier und der spürbar durch die Decke gehenden Erwartungshaltung des damaligen Sensationsmeisters, setzte man Veh vor die Tür. Sein anschließender Auftrag 2010 beim Hamburger SV fand ebenfalls ein jähes Ende, wieder wurde der Übungsleiter nach wenigen Monaten entlassen.

Allerdings wurden der HSV und Veh nie so richtig warm miteinander. Vor seiner Beurlaubung in der Hansestadt hatte dieser bereits angekündigt, den Verein zum damaligen Saisonende verlassen zu wollen. Sowohl bei den Niedersachsen als auch bei den „Rothosen“ gingen seiner Entlassung mehrere sieglose Spiele voraus. Auch der Augsburger selbst trug an diesem Gebaren eine Mitschuld. Daraus mitgenommen hat er entscheidende Dinge für sich selbst, die mit dem einfachen Wort „Erfahrung“ zu erklären sind.

Mehr Macht dem Trainer

Natürlich hinterlässt so etwas Spuren und diese bekommt nun sein aktueller Arbeitgeber Eintracht Frankfurt zu spüren. Armin Veh schließt nur Verträge ab, die auf ein Jahr datiert sind. Er gibt sich selbst den Handlungsspielraum und die Macht, die ein Trainer in der Regel nicht hat. Die Entscheidungsgewalt liegt in weiten Teilen nun bei ihm. Veh schützt sich somit vor abstruser Schnellschüsse irgendwelcher Manager, sollte er das Gefühl empfinden, dass langfristiges Arbeiten nicht möglich ist, was bei Eintracht Frankfurt aktuell und situationsbedingt aber nicht der Fall ist. Auf der anderen Seite der Medaille genießt der Verein den Vorteil, dass dem Trainer bei Entlassung keine horrenden Abfindungen zu zahlen sind. Dass Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen, angesichts des Kalibers, welches Armin Veh auf dem Trainermarkt darstellte, diese Vertragsgestaltung billigte, ist der Tatsache geschuldet, dass Veh 2011 den Gang in die zweite Liga nicht scheute.

Allerdings birgt dieses auch die Gefahr, die Bruchhagen dieser Tage bei Eintracht Frankfurt erleben muss. Armin Veh zögert seit Wochen mit der Verlängerung seines auslaufenden Vertrages und kokettiert mit einem Abgang aus der Börsenstadt. Der Trainer ist in einer viel besseren Verhandlungsposition, der Ein-Jahres-Vertrag macht es möglich, der bisherige Sprung unter die Top vier dieser Spielzeit lässt ihn im Glanz erstrahlen. Der 52-Jährige gönnt sich somit Freiraum und verleiht sich eine gewisse Macht.

Es ist eine simple Milchmädchenrechnung: Der Klub fordert Ergebnisse, der Trainer wird entlassen, sollten diese nicht eintreten. Nun ist Veh in der Lage zu fordern und auch zu drohen, um Frankfurts sportlichen Erfolg aufrechterhalten zu können. Dass Veh sein ablaufendes Arbeitspapier noch nicht ausdehnte, stößt hier und da auf Verärgerung. Jedoch nimmt dieser lediglich sein Recht wahr. Man könnte jedoch angesichts der Spekulationen auch ein Bild gewinnen, welches Veh als guten Schachspieler hinstellt, indem er durch Forderungen einen Weggang zum Teil selbst forciert.

Schalke? Ein logischer Schritt

Armin Veh hat mit seiner aktuellen Mannschaft bislang eine großartige Saison gespielt. Der Aufsteiger befindet sich in sehr guter Position und hat große Chancen, sogar die Champions League zu erreichen. Das ist angesichts der Möglichkeiten bei den Hessen wohl das Maximum, was Veh herauskitzeln konnte. Dessen ist sich der Meistertrainer sicherlich bewusst. Dieser wohltuende Erfolg lässt sich wahrscheinlich nicht wiederholen, es sei denn, die Eintracht rüstet auf und geht finanzielle Risiken ein. Der ausgewiesene Fußballfachmann will offenbar wieder einen großen Klub trainieren, der wesentlich mehr Möglichkeiten bietet. Schalke 04 ist so ein Klub.


„Ich bin kein Freund davon, mich hinzustellen und zu sagen: Ich hatte nie mehr Kontakt zu Armin Veh, einem guten Bekannten von mir. Das wäre ja lächerlich!“


- Horst Heldt

Ein Anzug, der sitzt und passt

Dass „Königsblau“ medial stets ein Thema war und ist, mag seiner Strahlkraft und der großen Tradition geschuldet sein. Armin Veh kommt vom jetzigen Stand als Trainer dem Ideal eines Fußballlehrers auf Schalke sehr nahe. Er bringt Ruhe nicht nur mit sich, sondern trägt sie auch nach außen. Zudem verkörpert Veh Autorität und verfügt über einen großen Erfahrungsschatz. Auch der Umgang mit einem nervösen und teils als schwierig zu betitelndem Vereinsumfeld ist für den Übungsleiter nichts Besonderes mehr. Die taktische Spielweise der Frankfurter Eintracht offenbart, dass der Augsburger sich weiterentwickelt hat und mit der Zeit ging – trotz 22 Jahren Trainertätigkeit.

Kontakt zum S04 gab es, da Horst Heldt bei den Königsblauen die Geschicke leitet. „Ich bin kein Freund davon, mich hinzustellen und zu sagen: Ich hatte nie mehr Kontakt zu Armin Veh, einem guten Bekannten von mir. Das wäre ja lächerlich“, sagte der Manager nach dem Spiel in Nürnberg gegenüber Goal.com und fügte vielsagend an: „Natürlich habe ich mich um seine Situation erkundigt, aber das habe ich schon vor Monaten getan.“ Sollte es tatsächlich soweit kommen, dass Schalkes aktueller Cheftrainer Jens Keller sein Amt an Veh abtreten muss, dann bekommen die Gelsenkirchener ein Trainerschwergewicht.

Kompromisse erforderlich

Bei den Fans des FC Schalke 04 ist man sich derzeit noch uneins, ob man Veh diese Rolle geben sollte. Horst Heldt würde sich damit einen weiteren Protagonisten aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten ans Berger Feld holen, was zusehends bei einigen Teilen auf Kritik stoßen wird. Davon muss sich dieser lebhafte Verein allerdings freimachen. Mit Armin Veh würde ein ausgewiesener Kenner der Szene den Weg ins Ruhrgebiet finden, sollte dieser sich aus Frankfurt verabschieden und Heldt Nägel mit Köpfen machen. Keinen Coach den der 42-Jährige in seiner bisherigen Tätigkeit als Manager in Deutschlands höchster Spielklasse unter sich hatte, kennt er besser. Was zwangsläufig auch Gefahren mit sich bringen kann. Dennoch, Vehs akribische Art zu arbeiten mag eventuell noch nicht einmal Hauptaugenmerk oder ausschlaggebendes Kriterium für eine Verpflichtung sein. Sondern Heldt wüsste, was und wen er bekommt.

Der Frankfurt-Coach hat klare Ziele und Forderungen, gibt diese nicht nur an Mannschaft und Trainerteam weiter, sondern auch an die Führungsetage. Vielleicht tut es Schalke 04 gut, dass nicht der typische Stereotyp eines Schalkers, wie es zum Beispiel Michael Büskens wäre, an der Seitenlinie steht. Der Sportvorstand würde einen mutigen Schritt gehen, der im Eintreten des Falles vielleicht belohnt wird. Armin Veh hat seinerseits angekündigt in dieser Länderspielpause die Entscheidung zu fällen, ob er die Hessen verlässt. Sollte dem so sein, dann hat Schalke 04 den Trainerkandidaten Nummer 1 voll im Visier.

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