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Vom Umbruch zum Durchbruch: Der FC Malaga überrascht Europa - auch den BVB?

Trotz turbulenter Saisonvorbereitung schreibt Malaga mit dem Einzug ins Viertelfinale Vereinsgeschichte. Der BVB täte gut daran, den Gegner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen

Malaga. Jürgen Klopp hatte sich am Vortag noch geweigert, einen „Wunschgegner“ zu nennen. Möglicherweise lag ihm das M-Wort oder auch das G-Wort auf der Zunge, aber Borussia Dortmunds stets auf Understatement gepolter Trainer ließ sich nicht dabei erwischen. Nun ist es „M“ geworden: Der FC Malaga erwartet im Hinspiel des Champions League-Viertelfinals die Borussia aus Dortmund. Was zuvor nur die wenigsten aussprechen wollten: Neben Galatasaray galten die Andalusier für die meisten Beobachter als Wunschlos und vermeintlich leichter Gegner im Vergleich zu Real Madrid, dem FC Barcelona oder Juventus Turin.

Zenit rausgekickt, Gruppensieger mit vier Punkten Vorsprung auf Milan

Allerdings mag Jürgen Klopps Taktik nicht ganz unberechtigt gewesen sein: Den Südspaniern kam es zugute, dass sie bisher fast permament unterschätzt wurden. Dabei setzte sich das Team von Trainer Manuel Pellegrini in der Gruppenphase mit vier Punkten vor Milan durch und kickte das schwerreiche Zenit St. Petersburg aus dem laufenden Wettbewerb. Mit dem FC Porto kegelten die „Boquerones“ im Achtelfinale gegen einen Gegner raus, der in der Königsklasse weit mehr Erfahrung aufwies als die Debütanten aus Südspanien.

Dabei musste der Verein noch im Sommer einen großen Umbruch verkraften. Weil Besitzer Sheik Al Thani den Geldhahn zudrehte und namhafte Spieler wie Joris Mathijsen, Ruud van Nistelrooy oder Santi Cazorla nach einer starken Saison und Tabellenplatz vier den Verein verließen, hatten nur die wenigsten mit einem solch geschichtsträchtigen Abschneiden in der Königsklasse gerechnet. Auch in der BBVA blieb der erwartete Leistungsabfall aus: In der heimischen Liga belegt Malaga zurzeit Platz vier.

Der Vater des Erfolges ist mit Trainer Manuel Pellegrini schnell gefunden. Er führte 2006 schon den FC Villareal ins Champions-League-Halbfinale. Unter den Fans genießt der Chilene längst Kultstatus, nach dem Sieg über Porto skandierte der Anhang minutelang seinen Namen. Sein Verdienst liegt vor allem darin, aus der Not eine Tugend gemacht und ein Ensemble aus erfahrenen Altstars und hoffnungsvollen Nachwuchsspielern geformt zu haben. Beispiel Doppel-Sechs: Neben Ex-Lyonais Jeremy Toulalan macht Ignacio Camacho, 22, das defensive Mittelfeld dicht. Währenddessen brilliert in der offensiven Dreierreihe Rohdiamant Isco gemeinsam mit Spanien-Veteran Joaquin, der bei den Andalusiern seinen dritten Frühling erlebt.


Der Vater des Erfolgs: Der Chilene Manuel Pellegrini, Ex-Cheftrainer von Real Madrid

Vor allem den Namen Iscos werden sich Jürgen Klopps Mannen vor dem Viertelfinale gut einprägen. Das Talent wird aufgrund seiner ballsicheren und eleganten Spielweise bereits mit Andres Iniesta verglichen und hat mittlerweile die Begehrlichkeiten halb Europas geweckt. Von Vicente del Bosque wurde der 20-Jährige aufgrund seiner starken Leistungen soeben für die Länderspiele gegen Uruguay Finnland und Frankreich nominiert. Gegen Porto war er der Matchwinner - und auch gegen die Borussia aus Dortmund werden die meisten Hoffnungen wieder auf ihm ruhen.

Im Rückspiel werden zudem zwei alte Bekannte aus der Bundesliga dem Signal Iduna Park einen Besuch abstatten. Die Ex-Bayern Martin Demichelis und Roque Santa Cruz haben ihren Anteil daran, dass Malaga – das in Spanien bislang als typische Fahrstuhlmannschaft galt -  nun zum ersten Mal unter den Top acht Europas steht. Im Herbst ihrer Karriere kommen sie nochmal zu unerwarteten Erfolgen: Demichelis formt gemeinsam mit Weligton oder Neuzugang Lugano die drittbeste Abwehr der Primera Division. Santa Cruz stieß mit seinem Tor zum 2:0 gegen Porto die Tür ins Viertelfinale auf.

Offensiv, mit Vorliebe in des Gegners Hälfte

Pellegrini stellt sein System auf den Gegner ein, lässt bevorzugt im 4-2-3-1, gelegentlich aber auch im  4-4-2 oder  4-1-4-1 auflaufen, aber immer offensiv und auf Ballbesitz ausgerichtet spielen. Dadurch verlagert Malaga das Spiel mit Vorliebe und starkem Passspiel in die Hälfte des Gegners, zeigte sich in der Vorwärtsbewegung aber auch anfällig für Konter. Beim 0:1 in Porto war gut zu sehen, dass die Freude am Offensivspiel auch die ein oder andere Lücke im Mittelfeld reißen kann, wenn der Gegner den Ball schnell erobert und dann blitzschnell umschaltet. Schwächen, die dem BVB in die Karten spielen könnten, sind also vorhanden. Allerdings dürfte es eine enge Partie werden.

Malaga hat schon in der BBVA gezeigt, dass es Schwergewichten wie Real oder Barca spielerisch und kämpferisch Paroli bieten kann. Bei einer gestrigen Umfrage der Marca wünschnten sich die wenigsten Real-Fans Dortmund als Viertelfinalgegner. Gleich danach kam Malaga.

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