thumbnail Hallo,

Warum tut sich Lionel Messi gegen italienische Teams so schwer?

Der kleine Argentinier bricht Rekorde am laufenden Band, aber gegen die Mannschaften aus der Serie A hat er sich noch nicht bewiesen.

Eine Analyse von Kris Voakes

Mailand. Ernüchtert, niedergeschlagen und mit hängendem Kopf irrte Lionel Messi in Richtung der Katakomben, nachdem er im San Siro eine für ihn ungewöhnlich schwache Leistung abgeliefert hatte. Die 0:2-Niederlage des FC Barcelona im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim AC Mailand war allerdings nicht der erste mäßige Auftritt des Argentiniers gegen ein italienisches Team. Denn Messi wartet weiterhin auf sein erstes Tor aus dem Spiel heraus gegen eine Mannschaft aus der Serie A.

MESSI gegen den Rest der Welt
Die CL-Statistiken Messis nach Ländern geordnet
Land
Deutschland
England
Ukraine
Griechenland
Russland
Schottland
Dänemark
Weißrussland
Schweiz
Tschechien
Spanien
Frankreich
Portugal
Italien
Starts
7
18
5
3
4
6
2
1
1
2
2
4
4
9
Einwechsl.
2
0
1
1
2
0
0
0
1
0
0
0
0
0
Tore*
12
7
5
4
4
4
3
2
2
2
2
2
1
0
11M
0
1
0
0
0
0
0
0
0
1
0
1
0
3
* ohne Elfmeter
Der viermalige Weltfußballer wird von allen Experten normalerweise gelobt und bewundert, aber in seinen 790 Minuten, die er in europäischen Wettbewerben gegen italienische Teams auf dem Platz stand, gelangen ihm bislang nur Treffer vom Elfmeterpunkt. Obwohl Barca die Mehrzahl dieser Spiele - nämlich vier - gewonnen hat, in denen er mitgemacht hat, war der Superstar persönlich nicht ganz so erfolgreich.

Alles vom FC Barcelona bei Goal.com

Seine Bilanz hat viele Fragezeichen aufkommen lassen, ob er es mit einem taktisch starken Gegner aufnehmen kann. Mark van Bommel behauptete kürzlich, dass Messi in der Serie A viel weniger Erfolg haben würde als in der Primera Division in Spanien.

Weltrekord

Der Treffer des Argentiniers gegen Deportivo La Coruna bedeutete am Samstag einen neuen Weltrekord - es war das 17. Ligaspiel in Serie, in dem Messi traf. Van Bommel behauptete jedoch, dass er und seine ehemaligen Teamkollegen vom AC Mailand glauben, dass Messis Quote in Italien eine ganz andere sein würde.

„Drei Viertel des Teams meinten, dass er weniger als 30 Tore pro Saison in der Serie A machen würde“, sagte der Niederländer der Zeitung Algemeen Dagblad.

Andere Herangehensweise

„Und das meine ich auch, ja. In der Serie A gibt es eine ganz andere Herangehensweise an den Fußball. Man kann Mannschaften neutralisieren wie in keiner anderen Liga der Welt.“

Es ist nun schon siebeneinhalb Jahre her, dass Lionel Messi zum ersten Mal gegen einen italienischen Gegner angetreten ist. Doch ganz egal, ob der Gegner Udinese, Inter oder Milan hieß: Ihm gelang kein Tor aus dem Spiel heraus, nur drei Elfmetertore gegen Milan in der letzten Saison.

Auch gegen England erst schwach

Es ist nicht das erste Mal, dass Messi vorgeworfen wird, dass er es gegen bestimmte Gegner nicht hinbekommt. In seinen ersten elf Spielen gegen englische Teams gelang ihm auch kein Treffer, bevor er dann die Trendwende einläutete und in den folgenden sieben Duellen gleich sieben Mal traf.

Der Trend gegen die Italiener besteht allerdings weiterhin und das wirft die Frage auf, ob die italienischen Teams Messi auf eine besondere Art und Weise behandeln und bearbeiten. Unten aufgeführt sind die neun Spiele, die Messi gegen die italienischen Vertreter gemacht hat. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Herangehensweise des Gegners, der Messi stoppen wollte und auch gestoppt hat.

28. SEPTEMBER 2005 | BARCELONA 4-1 UDINESE

UDINESE
  De Sanctis  
Bertotto Natali Felipe
  Obodo
Zenoni Vidigal       Muntari Candela
Di Natale   Barreto

Als 18-Jähriger begann Messi auf der rechten Angriffsseite und zog gegen Christian Obodo nach innen, um den ersten Schuss für Barcelona abzufeuern. Er zerteilte die Udinese-Deckung mit einem Solo, bevor er von Jose Luis Vidigal gefoult wurde. Den anschließenden Freistoß verwandelte Ronaldinho zum ersten seiner drei Tore.

Messi vergab danach drei gute Chancen, wobei vor allem die zweite eine echte Hundertprozentige nach einer Ecke war. Seine Dribblingfähigkeiten waren aber schon in seinem dritten Auftritt in der Champions League gut zu sehen.

16. SEPTEMBER 2009 | INTER 0-0 BARCELONA

INTER
  Julio Cesar  
Maicon Lucio   Samuel Chivu
  Thiago Motta
Zanetti     Muntari
    Sneijder  
  Eto'o   Milito  

Im Dauerregen im San Siro prüfte Messi schon früh Julio Cesar mit einem Flachschuss. Auch bei einem Kopfball des Argentiniers nach einer Flanke von Dani Alves war der brasilianische Torwart zur Stelle.

Außer noch einem Volleyversuch, bei dem sich Walter Samuel dazwischen warf, bekam er das Tor nicht mehr oft zu sehen. Er ließ sich oft ins Mittelfeld zurückfallen und wollte mit Steilpässen Zlatan Ibrahimovic bedienen. In Strafraumnähe ließ Inter Messi überhaupt nicht an den Ball. Kurz vor Schluss blockte Cristian Chivu eine der seltenen Gelegenheiten des Argentiniers. Wenn er am Ball war, waren meist drei Inter-Verteidiger keine zehn Meter von ihm entfernt.

20. APRIL 2010 | INTER 3-1 BARCELONA

INTER
  Julio Cesar  
Maicon Lucio       Samuel Zanetti
            Thiago Motta   Cambiasso        
Pandev Sneijder Eto'o
  Milito

Als sich die beiden Mannschaften im Hinspiel des Halbfinales erneut gegenüber standen, spielte Inter ein anderes System, mit zwei defensiven Mittelfeldspielern. Thiago Motta und Esteban Cambiasso wechselten sich mit einer Art Manndeckung für Messi ab, wobei Motta meist der Verantwortliche für die Bewachung war.

Wenn Messi von den Beiden nicht gestoppt werden konnte, griff meist Walter Samuel ein, der sich Messi entgegen warf. Messi zog sich im Laufe des Spiels weit vom unbeweglichen Zlatan Ibrahimovic zurück, um selbst Akzente zu setzen, doch beim Stand von 3:1 für Inter wurde das umso schwerer, weil sich Mailand zurück zog und auf Konter wartete.

28. APRIL 2010 | BARCELONA 1-0 INTER

INTER
  Julio Cesar  
Maicon Lucio   Samuel Zanetti
           Thiago Motta   Cambiasso        
Eto'o  Sneijder Chivu
  Milito  

Im berühmtesten Spiel zwischen Barca und Inter standen die Gäste fast die gesamte Spielzeit mit dem Rücken zur Wand. Zu Beginn versuchten sie es erneut mit den beiden Defensiven Thiago Motta und Esteban Cambiasso im Mittelfeld, doch nach der zweifelhaften Roten Karte für Motta übernahm Cristian Chivu den Job neben Cambiasso in Inters 4-5-0-System.

Messi hatte die erste Großchance, als er an zwei Spielern vorbei ging und erst am glänzend reagierenden Julio Cesar scheiterte. Doch insgesamt hatte er wenig Gelegenheiten, mit seiner Schnelligkeit auf die Inter-Spieler zuzugehen, denn Mailand machte die Mitte zu. Beispielsweise gelangte er in der zweiten Hälfte doch einmal in den Strafraum - und sah sich dort drei Inter-Spielern gegenüber, wobei Lucio schließlich klären konnte. Zum Schluss spielte Messi eher als Spielmacher, um wenigstens ein bisschen Platz zu haben.

13. SEPTEMBER 2011 | BARCELONA 2-2 MILAN

MILAN
  Abbiati  
Abate Nesta        ThiagoASilva Zambrotta
Nocerino Van Bommel Seedorf
  Boateng
Pato   Cassano

In seinem ersten Duell mit den Rossoneri hatte Messi ein wenig mehr Freiraum, inzwischen lief er für Barcelona als 'falsche Neun' auf. Jedes Mal, wenn er sich gegen das tief gestaffelte Dreier-Mittelfeld des AC durchgesetzt hatte, warteten noch Alessandro Nesta und Thiago Silva auf ihn und stellten ihn zu.

Messi traf mit einem Freistoß den Außenpfosten und zwang Torhüter Christian Abbiati mit einem flachen Schuss zu einer Parade. Vor dem Ausgleich durch Pedro spielte er zwei Gegenspieler aus und lieferte dann die Vorlage. Nachdem Milan mit der Hereinnahme von Massimo Ambrosini für den verletzten Kevin-Prince Boateng das Mittelfeld weiter defensiv verstärkt hatte, war von Messi nichts mehr zu sehen.

23. NOVEMBER 2011 | MILAN 2-3 BARCELONA

MILAN
  Abbiati  
Abate Nesta        ThiagoASilva Zambrotta
Aquilani Van Bommel Seedorf
  Boateng
Ibrahimovic   Robinho

Milan versuchte es mit einer ähnlichen Herangehensweise wie im ersten Duell, um mit Messi fertig zu werden. Da die Italiener es aber nur mit Mark van Bommel als einzigem defensiven Mittelfeldspieler probierten, hatte der Argentinier viel Platz, wenn er sich zurückfallen ließ.

Messis Pass auf Xavi leitete das Eigentor von Mark van Bommel ein. In dieser Szene hatte sich Thiago Silva aus der Zentrale herauslocken lassen, weil er Messi attackieren wollte. Für sein erstes Tor gegen einen italienischen Gegner brauchte Messi zwei Versuche: Sein erstes Elfmeter wurde zurückgepfiffen, weil er den Anlauf unterbrochen hatte. Erst im zweiten Anlauf traf er.

Aus seiner zurückgezogenen Position brachte Messi danach einen wundervollen Pass durch vier Gegner hindurch zu Xavi, der den Siegtreffer erzielte.

28. MÄRZ 2012 | MILAN 0-0 BARCELONA

MILAN
  Abbiati  
Bonera Nesta    Mexes Antonini
 Nocerino Ambrosini Seedorf
   Boateng
Ibrahimovic   Robinho

Mit Ambrosini und Antonio Nocerino in der Startelf bot Milan mehr direkte Gegner für Messi im Viertelfinal-Hinspiel auf. Der Weltfußballer blieb trotzdem gefährlich. Er bewegte sich gut durch die Milan-Abwehr und war ein zentraler Bestandteil des Kurzpassspiels der Katalanen.

Ambrosini bearbeitete ihn außerhalb des Strafraums hervorragend und in der Nähe des Sechzehners warteten Nesta und Philippe Mexes auf ihn. Manchmal waren es nur unfaire Mittel, die Messi stoppen konnten, wobei vor allem Nesta eine gelbe Karte dankend akzeptierte, als er einen Sololauf Messis aufhalten wollte. Es blieb aber alles im sportlichen Rahmen.

3. APRIL 2012 | BARCELONA 3-1 MILAN

MILAN
  Abbiati  
Abate Nesta    Mexes Antonini
 Nocerino Ambrosini Seedorf
   Boateng
Ibrahimovic   Robinho

In der Woche danach machte Messi zwei Tore, beide per Elfmeter. Seine Klasse brachte Barcelona die erste Möglichkeit vom Punkt ein, als er von Luca Antonini gefoult wurde. Messi traf auch, nachdem Alessandro Nesta für ein Halten von Sergio Busquets bestraft wurde, obwohl der Ball bei einem Eckstoß gar nicht im Spiel war.

Aus dem Spiel heraus hatte Messi etwas mehr Platz als im Hinspiel, da Milan nach vorne spielen musste. Nesta und Mexes waren in der Defensive allerdings weiterhin zur Stelle und sorgten mit ihren Tacklings dafür, dass Messi in und um den Sechzehner herum nicht gefährlich werden konnte.

20. FEBRUAR 2013 | MILAN 2-0 BARCELONA

MILAN
  Abbiati  
Abate Zapata    Mexes Constant
 Montolivo Ambrosini Muntari
Boateng Pazzini El Shaarawy

Das Achtelfinal-Hinspiel gegen Milan wurde vorher als einseitige Angelegenheit für Barcelona gesehen, da die Italiener ihren Kader umgebaut und in der Liga ihre Probleme hatten. Es wurde jedoch der beste Milan-Auftritt gegen Messi und Barcelona.

Mit einem neuen 4-3-3-System zog die Mannschaft von Trainer Massimiliano Allegri die Barcelona-Abwehrreihe in die Breite und im Mittelfeld fingen die Milan-Spieler Messi gut ab. Während Milan Messi in den vorangegangenen Duellen etwas Raum in der Zentrale gestattete, machten die Italiener den Argentinier nun von Anfang an zu und ließen ihn erst gar nicht zaubern.

EURE MEINUNG: Ist die Italien-Schwäche von Lionel Messi ein Zufall oder ein Trend?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig