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Die Bianconeri wollen den Chilen unter Vertrag nehmen und ihm dabei zu alter Stärke verhelfen. Im Gegenzug würden die Turiner noch stärker werden.

Kommentar
Von Kris Voakes | Italien-Experte

Einst war Alexis Sanchez einer der begehrtesten Spieler der Welt. Nachdem bereits Manchester United mit dem Flügelspieler in Verbindung gebracht worden war, gesellten sich auch deren Lokalrivale Manchester City und die spanischen Giganten aus Barcelona zu den Interessenten. Letztere hatten schließlich das bessere Ende für sich. Die Citizens gingen damals sogar so weit, den Chilenen in dessen täglicher Routine zu begleiten, um festzustellen, dass er einen erstrebenswerten Lebensstil führte.

Das war 2011, als Sanchez Woche für Woche bei Udinese, die zu jener Zeit überragenden Konter-Fußball spielten, für Furore sorgte. Seit seinem 37-Millionen-Euro-Wechsel zu Barcelona haben sich die Dinge jedoch geändert.

Nur noch Ersatz

Trotz zunächst beeindruckender Leistungen passt Sanchez mittlerweile nicht mehr wirklich in das katalanische, Lionel-Messi-abhängige Spiel. Die Form des Argentiniers in den letzten zwei Jahren hat Barca dazu gefordert, das Spiel noch mehr auf ihre Nummer zehn auszurichten. Aber dadurch, dass die „Blaugrana“ ihr Spiel immer mehr auf ihn zuschneiden, werden Sanchez' Qualitäten kein bisschen genutzt.

Die Form des ehemaligen River-Plate-Spielers hat dabei auch nicht geholfen. Erzielte er in seiner letzten Saison bei Udinese noch zwölf und in seiner ersten bei den Katalanen sogar 15 Tore, steht er momentan nur bei vier Treffern in 31 Spielen. Lediglich einer davon gelang ihm in der Liga.

Sanchez | bei einem Einsatz in der laufenden Saison

Wie es Top-Spielern so oft bei Top-Klubs ergeht, konnte auch Sanchez bisher nicht mit Konstanz überzeugen. Somit verpasste er es auch, Tito Vilanova und Jordi Roura dazu zu bringen, seinen explosiven Stil mehr zu nutzen.

Jetzt, da Barcelona wahrscheinlich Angebote für den 24-Jährigen prüfen wird, kann sich Juventus, die nach Informationen von goal.com interessiert sind, Hoffnungen auf einen Transfer, eventuell auch eine Leihe, machen. Sollte dieser Transfer tatsächlich zustande kommen, würde es für alle Beteiligten etwas Gutes haben. Am meisten würden davon die Bianconeri, die am Mittwoch mit einer drei-Tore-Führung im Rücken Celtic empfangen, profitieren.

Sanchez passt zu Juve

Während sich gezeigt hat, dass Barcelonas Stil langfristig nicht zu Sanchez' Qualitäten passen, könnte Juventus ihm genau das bieten, was er braucht. Die Turiner hatten schon 2011 großes Interesse an ihm, die geforderte Ablöse war allerdings aufgrund des Interesses von Barca und City schnell zu hoch. Jetzt aber, da die Italiener seit dem Wechsel in das Juventus Stadium viel Geld gemacht haben und sich auf einem sehr guten Niveau präsentieren, könnte es genau der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel sein.

Und es ist nicht nur das Timing, das für Juve spricht. Die „Alte Dame“ ist bekannt dafür, das Spiel breit zu machen, Räume zu erzwingen, in die Andrea Pirlo seine Pässe spielen kann. Nimmt man zu dieser Taktik noch einen schnellen Flügelspieler wie Sanchez hinzu, könnte dies die Italiener auf das nächste Level bringen. Dies wäre vor allem in Champions-League-Partien, wo die intelligente Anwendung von hoher Geschwindigkeit ein Spiel entscheiden kann, der Fall.

Es wäre jedoch eine taktische Umstellung notwendig. Bei Udinese hatte er im 3-5-1-1 als hängende Spitze agiert, auf den Flanken kommen seine Qualitäten jedoch noch besser zum Zug. Und ein Juve, das ohnehin schon so viele Optionen zur Verfügung zu stehen hat, würde von einem Wechsel zum 4-3-3 profitieren.

Verbesserte Optionen |Wie Juve spielen könnte
Torhüter

Gianluigi Buffon

Rechtsverteidiger
Innenverteidiger
Innenverteidiger
Linksverteidiger

Stephan Lichtsteiner
(Isla/Caceres)

Andrea Barzagli
(Caceres)

Giorgio Chiellini
(Bonucci)

Federico Peluso
(Chiellini/De Ceglie)

Zentrales Mittelfeld
Zentrales Mittelfeld
Zentrales Mittelfeld

Arturo Vidal
(Padoin/Isla)

Andrea Pirlo
(Pogba/Marrone)

Claudio Marchisio
(Asamoah/Giaccherini)

Rechtsaußen
Mittelstürmer
Linksaußen

Alexis Sanchez
(Quagliarella/Isla)

Fernando Llorente
(Matri/Vucinic)

Sebastian Giovinco
(Vucinic/Giaccherini)

Mehr Konkurrenzkampf

Das aktuell von Conte favorisierte 3-5-2-System wurde ursprünglich eingeführt, um das Fehlen eines qualitativ hochwertigen Linksverteidigers zu kaschieren. Mittlerweile haben die Bianconeri anderswo aber so viele Optionen, dass ein Wechsel gut abgefangen werden kann. Ein Wechsel zum 4-3-3 würde den Konkurrenzkampf erhöhen, da hinter den zentralen Drei Claudio Marchisio, Arturo Vidal und Andrea Pirlo mehrere Alternativen bereit stünden. Im Angriff wäre Sebastian Giovinco besser genutzt, da ihm die Position des Linksaußen besser liegt. In der Defensive würden sich einige der Räume, die Juve in den letzten Monaten öffnete, verengen.

Und Sanchez' Ankunft würde bedeuten, dass höchste Geschwindigkeit auf dem rechten Flügel den Gegner vor größte Probleme stellt. Nicht nur das, der Chilene bräuchte aufgrund seiner Vergangenheit in Italien auch kaum Zeit, sich einzugewöhnen. Mit Simone Pepe, Kwadwo Asamoah and Mauricio Isla hat Juventus darüber hinaus auch drei Freunde von ihm im Kader. Dazu gesellt sich noch Landsmann Vidal, der, im Gespann mit den anderen dreien, für nur eine kurze Eingewöhnungszeit sorgen würde.

Seine aktuellen Probleme bei Barcelona sollte Juve nicht davon abhalten, ihn zu holen, im Gegenteil, sie sollten die aktuelle Chance ergreifen. Der Stil der „Blaugrana“ hat einfach nicht zu den Qualitäten von Sanchez gepasst, bei Juve sollte das jedoch nicht der Fall sein. Der Fakt, dass in  Barcas Startelf aktuell kein Platz für ihn ist, könnte für einen ermäßigten Preis sorgen.

Man kann es sich im Fußball nie leisten, still zu stehen. Während das 3-5-2-System Juve seit der Ankunft Contes half, ist es nun Zeit für eine Umstellung, die das Maximale aus dem Kader des Klubs herausholt. Kommt nun noch Sanchez hinzu, könnten die „Bianconeri“ auf einem noch höheren Niveau spielen.

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