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Der Mittelfeldspieler galt bereits als Fehleinkauf, konnte kaum überzeugen und stand im Schatten seines Vorgängers. Nun der Wandel: Ohne ihn schläft das Aufbauspiel des BVB ein.

Dortmund. Am Dienstag erwartet Borussia Dortmund Schachtjor Donezk zum Achtelfinale-Rückspiel der Champions League im Signal-Iduna-Park. Nach dem 2:2-Unentschieden im Hinspiel stehen die Chancen auf ein Weiterkommen gar nicht so schlecht. Zumal Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan wieder mitwirken wird, nachdem er das erste Aufeinandertreffen verletzungsbedingt verpasste. Damit kann der BVB auf seinen Leistungsträger bauen – was allerdings nicht immer so war. Künftig könnte er eine wichtige Rolle in der deutschen Nationalmannschaft spielen.

Fast schon abgeschrieben

Nach dem Weggang von Nuri Sahin im Sommer 2011 entstand eine Lücke auf der Sechser-Position der Dortmunder. Manager Michael Zorc zog den jungen und talentierten Ilkay Gündogan vom 1.FC Nürnberg aus dem Hut. Einige skeptische Stimmen wurden laut, da der BVB nach der Meisterschaft und der damit verbundenen Berechtigung an der Teilnahme für die Champions League nun höhere Ansprüche hatte.

Die Kritiker sahen sich schnell bestätigt, denn der Deutsch-Türke hatte einige Anlaufschwierigkeiten bei den Westfalen. In seiner ersten Hinserie für den BVB konnte Gündogan selten überzeugen. Zu groß schien das Erbe zu sein, welches Sahin hinterlassen hatte. Mehr als einmal machte das Wort „Fehleinkauf“ die Runde. Nach schwachen Leistungen fand er sich zwischenzeitlich sogar auf der Tribüne wieder.

Ilkay Gündogan l Saisonstatistik
Wettbewerb Spiele
Startelf Einwechslungen Auswechslungen Spielminuten
Bundesliga 20 18 2 7 1543
Pokal 4 4 0 1 342
CL 6 5 1 3 452
DFB 3 2 1 0 202
Gesamt 33 29 4 11 2539

Der Durchbruch

Der Mittelfeldspieler ließ sich nicht entmutigen und arbeitete sich wieder in die Mannschaft zurück. In der Rückrunde der vergangenen Saison platzte der Knoten und der Mittelfeldakteur konnte sein ganzes Potenzial ausschöpfen. Er überzeugte als dribbelstarker, quirliger und technisch versierter Stratege.

Unvergessen sein Tor im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Greuther Fürth, in dem er kurz vor Schluss der Verlängerung den Siegtreffer markierte und so den Weg ins Finale nach Berlin ebnete, was schlussendlich auch den Titelgewinn mit sich brachte. Dieses Tor ist als Wendepunkt der Entwicklung des 22-Jährigen anzusehen, denn von diesem Zeitpunkt an, hatte er seinen Stammplatz praktisch sicher.

Kopf im Mittelfeld

In dieser Saison wächst Gündogan zu einem Leader und Leistungsträger heran. Er ist nicht mehr aus der Startelf wegzudenken. Im Spiel des BVB fungiert der Deutsch-Türke als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. „Illy“ scheut keinen Laufweg und geht früh auf den Gegner drauf. Bei eigenem Ballbesitz lässt er sich oft weit nach hinten fallen und baut im Stile eines 'gekippten Sechsers' mit den Innenverteidigern eine Dreierkette, von wo aus er die Bälle verteilt und so das Spiel aufbaut.
 LEISTUNGSDATEN
Spiele

2010/11
2011/12
2012/13
Spiele (Startelf)
26 (22)
36 (26)
31 (25)
Einw./Ausw.

4 / 12
8 / 10
3 / 11
Tore/Vorl.

5 / 3
4 / 4
1 / 2

Der Mittelfeldspieler ist flexibel und agiert auch des Öfteren als Achter mit vielen Akzenten in der Offensive. Seine gut getimten Pässe in die Spitze sorgen für Gefahr. Ausbaufähig ist nur noch der Torabschluss. Gündogan selbst weiß, dass er mehr Kapital aus seiner guten Schusstechnik schlagen muss: „Pro Halbzeit soll ich drei, vier Mal aufs Tor schießen.“

Die Formkurve des deutschen Nationalspielers zeigt nach oben und er steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Gündogan selbst sieht bei sich Verbesserungsmöglichkeiten, an denen er in Zukunft arbeiten möchte: „Ich sehe noch einige Bereiche, in denen ich lernen kann. Im Spiel mit und gegen den Ball. Situationen frühzeitig erkennen. Frühzeitig handeln. Vom Kopf her schneller werden, schneller schalten. Und in der Zweikampf-Robustheit kann ich noch zulegen.“

Vorgänger auf die Bank verbannt

Die Rückkehr von Nuri Sahin zum BVB war womöglich der Transferhammer des Winters in der Bundesliga. Gündogan betont stets: „Ich bin nicht Nuris Nachfolger. Seinen Stellenwert habe ich doch noch lange nicht.“ Anscheinend spornt ihn die zusätzliche Konkurrenz im Mittelfeld nochmals an. Denn mit Beginn der Rückrunde spielt der Sechser wieder groß auf. Wenn der Ex-Nürnberger nicht auf dem Platz steht, tut sich der BVB schwer, wie zuletzt bei der Heimniederlage gegen den Hamburger SV.

Ein Grund, warum Sahin nicht zum Zuge kommt, ist, dass Gündogan hervorragende Leistungen abliefert und eine Veränderung nicht notwendig macht. Zur Zeit führt einfach kein Weg am Ballverteiler der Dortmunder vorbei.



Schweinsteiger muss aufpassen

Auch in der Nationalmannschaft sorgte Gündogan für großes Aufsehen. Zwar stand er bei der EM 2012 im Kader, blieb aber ohne Einsatz. Im Prestige-Duell gegen Frankreich spielte der 22-Jährige von Beginn an und konnte überzeugen.

Günter Netzer lobte die Leistung des Mittelfeldspielers, der für den fehlenden Bastian Schweinsteiger eingesetzt wurde. Prompt löste Netzer eine Diskussion aus, da er von einer Wachablösung im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft sprach: „Mit diesen Fähigkeiten und konstanten Leistungen sehe ich den Platz von Bastian Schweinsteiger trotz dessen großer Verdienste um die Nationalelf gefährdet.“

Gündogan konnte mit seiner Laufleistung, seinem Spielrhythmus, seinen Tempowechseln und seiner Präsenz überzeugen. Doch fehle ihm noch die nötige Stabilität, um Schweinsteiger zu verdrängen. Für Netzer ist der Deutsch-Türke mit seinen Spielanlagen „sehr bald unverzichtbar“ für die Nationalmannschaft.

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