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Der ehemalige Nationalspieler zollt seinem Körper Tribut und hängt die Stollenschuhe an den Nagel – mit ihm geht ein weiterer Kicker der alten Generation.

Toronto. Nein, ganz freiwillig war der Rücktritt nicht, den Torsten Frings gestern in einer Pressekonferenz des FC Toronto der Weltöffentlichkeit mitteilte. Noch im Januar hatte der 36-Jährige an selber Stelle verkündet, dass er sich fit fühle, angreifen wolle und den Saisonstart im März ins Auge fasse. Doch dann meldete sich die operierte Hüfte in der Vorbereitung, Frings zog die Konsequenzen, machte den Platz frei, damit das Team planen kann.

Die „alte Schule“ nimmt Abschied

Eine Reha von mindestens sechs Monaten wollte er weder seinem geschundenen Profi-Körper noch seinem Klub antun. Damit nimmt ein weiterer Fußballer seiner Generation Abschied, einer Generation von Fußballern um den Frings-Spezi Michael Ballack, die in Deutschland gerade ob der grundrenovierten Nationalelf unter Trainer Joachim Löw rasant in Vergessenheit gerät.

Es ist ok - ich hatte eine tolle Karriere, ich fühle mich wohl mit dieser Entscheidung. Ich denke, dass es für mich das Beste ist, weil ich auch noch ein Leben nach dem Fußball habe.
- Torsten Frings

Löws „Neues Deutschland“ lässt schnell vergessen

Das „neue Deutschland“ mit seinem technisch hochwertigen und allseits als modern gepriesenen Angriffsspiel stellt tatsächlich einen Kontrapunkt dar zur DFB-Auswahl, in der Frings zwischen 2002 und 2008 meist einen Stammplatz hatte, doch die Erinnerung an den „Lutscher“ im Nationaltrikot lebt: Unvergessen sein Einsatz bei der Heim-WM 2006, als nach den Tumulten um prügelnde Argentinier im Viertelfinale der Mittelfeldabräumer für das Semifinale gegen Italien gesperrt wurde. Damals entrüstete sich ganz Fußballdeutschland, und das dann spät verlorene Halbfinale gegen die Azzurri wäre mit Frings sicher anders verlaufen, so die einhellige Meinung.



Deutschland vergisst schnell – kaum ein großes Echo auf den Rücktritt des ehemaligen Werderaners vom Scheitel bis zur Sohle, der dem Verein noch immer verbunden ist und lose Vereinbarungen mit den Grün-Weißen hat, hier seine angestrebte Trainerkarriere zu starten. Auch das vor Jahren geäußerte Ziel, bei seinem ersten Profiklub Alemannia Aachen die Karriere zu beenden, ist somit passe – doch dort wäre er derzeit eher noch als Mäzen gefragt.

Bei Werder wäre ein fitter Frings mit 30 jetzt genau richtig

Interessant ist am Zeitpunkt, dass ausgerechnet ein Mann, dessen Karriereende bereits etwas länger her ist, noch vor wenigen Tagen die gute alte Zeit des kompromisslosen Sechsers bei Werder heraufbeschwor: Uli Borowka sprach zwar namentlich von Eilts und Votava, doch die Bilder, wie ein Frings die gegnerischen Spieler im Werder-Mittelfeld abgrätschte, werden in einigen seligen Träumen des einen oder anderen Werderfans sicher auftauchen.



Es ist also ein leiser Abschied von der in Toronto nicht mehr ganz so großen Fußballbühne. Der kanadische Klub möchte Frings gern in Europa als Botschafter für eine Zusammenarbeit mit Werder aufbauen, der nunmalige Exprofi seine Karriere als Trainer vorantreiben, doch das alles ohne Hast. Er hat sich nach 18 Jahren Profifußball nun auch wirklich eine Auszeit verdient.

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