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Der Niederländer gab als Coach des FC Barcelona das Rauchen auf. Eine Bypass-Operation und die Warnung seiner Frau waren ausschlaggebend. So änderte sich auch Barcas Geschichte.

Barcelona. „Der Fußball hat mir alles gegeben. Tabak hat es mit fast wieder weggenommen.“ Dieser Satz stammt von Johan Cruyff. Einem der besten Spieler des Fußballs, einem der besten Trainer und einem der größten Innovatoren. Der Mann, der hinter dem heutigen, großartigen FC Barcelona steht. Hätte er allerdings nicht 1991 mit dem Rauchen aufgehört, hätte es das aktuelle Team der „Blaugrana“ nie gegeben.

Cruyff hatte schon in jungen Jahren angefangen zu Rauchen und auch zu seiner aktiven Zeit gab er es nicht auf. Nur ein Trainer legte sich mit ihm wegen seiner Gewohnheit, in der Halbzeit eine zu rauchen, an. Das war Hennes Weisweiler und der war kurze Zeit später arbeitslos.

Als er für Barcelona spielte, steckte er sich direkt nach dem Spiel eine an, es folgte eine weitere Zigarette nach dem Duschen. Die Sucht hatte ihn voll im Griff, doch zu einem Problem wurde das erst, als er beim katalanischen Klub als Trainer angeheuert hatte.

Der Niederländer übernahm Barca 1988. In seinen ersten beiden Jahren im „Camp Nou“ gewann er den Europokal der Pokalsieger und die Copa del Rey. Dennoch war sein Job währen der Spielzeit 1990/91 keineswegs sicher. Cruyff stand unter Strom und paffte meist noch vor den Spielen im Tunnel. 20 Zigaretten waren sein Minimum pro Tag.

Dann, Ende Februar 1991 forderten der Stress und die Mengen an Tabak ihren Tribut: Cruyff verspürte starke Schmerzen am Herzen und musste sich sofort einer doppelten Bypass-Operation unterziehen. Sein Arzt Mario Petit erklärte später: „Cruyff hatte großes Glück. Denn seine Krankheit ist schwerwiegend und er kam noch früh genug, um sie zu behandeln.“ Petit eröffnete seinem Patienten, dass eine Rückkehr auf die Trainerbank möglich sei, allerdings unter zwei Bedingungen: Er sollte zwei Monate pausieren und er sollte mit dem Rauchen aufhören.

Hätte er weitergeraucht, hätte es keinen Fußball mehr gegeben – und auch sonst nichts mehr. „Ich rauche nicht mehr, denn man hat mir gesagt, dass ich sterbe, wenn ich weitermache“, verriet Cruyff später. Außerdem erhielt er eine Warnung von seiner Frau: Das muss aufhören!


Johan Cruyff auf Barcelonas Bank im Jahr 1991, kurz bevor er eine Herzattacke erlitt

Und es hörte auf. Die „Camel“-Zigaretten wurden durch Lollipops ersetzt. Cruyff hörte damit auf, Zigarettenschachteln zu jonglieren und wurde zur Werbefigur für das katalanische Gesundheitsamt.

Zurück an der Seitenlinie, begann eine goldene Ära: Die positiven Resultate nahmen Cruyff den Druck und die nächsten vier Spielzeiten brachten vier Meisterschaften und den Europapokal der Landesmeister. Ein „Dream Team“ war geboren. Barcelona dampfte, Cruyff nicht.

Cruyff hatte bei seinem Abschied als Spieler aus dem „Camp Nou“ 1978 auf die Gründung einer Jugendakademie gedrängt und als der Holländer mit seinen Herzproblemen zu kämpfen hatte, war ein junger Spieler namens Pep Guardiola auf dem Weg in die erste Mannschaft. Cruyff beorderte ihn auf eine andere Position und Guardiola war der entscheidende Spieler beim Europapokal-Triumph in Wembley 1992.

An Englands geschichtsträchtigsten Fußball-Ort kehrte Guardiolas Barcelona 2011 zurück und gewann dort den zweiten Champions-League-Titel binnen drei Jahren. Insgesamt war es der vierte Triumph in der Königsklasse für den katalanischen Klub. Den zweiten hatte Frank Rijkaard mit seinem Team 2006 eingefahren. Wie auch Pep war der Coach dem damaligen Präsidenten Joan Laporta von Cruyff empfohlen worden. Neben dem Triumph seines eigenen „Dream Teams“ ist der einstige Mittelfeldstar auch bei den Erfolgen der modernen Barca-Teams omnipräsent.

Die Verbindungen Cruyffs zur aktuellen Führungscrew um Präsident Sandro Rosell mögen nicht mehr so intensiv sein, doch kurz nachdem der aktuelle Cheftrainer Tito Vilanova wegen eines Rückfalls bei seiner Krebserkrankung im Dezember eine Auszeit benötigte, meldete er sich mit Genesungswünschen.

„Meine Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Kindern. Sie sind die, die am meisten leiden. Man muss für seine Familie da sein“, sagte Cruyff. „Natürlich wird Tito zurückkehren. Ich glaube immer daran. Ich denke so, weil man immer positiv sein muss, wenn man krank ist.“

Dank Cruyffs positivem Denken und seiner Kraft, den Zigaretten widerstanden zu haben, erleben Barcelonas Fans derzeit die womöglich beste Mannschaft der Geschichte. Schwer vorzustellen, dass dies um eine Haar in Rauch aufgegangen wäre.

Für alle, die das Rauchen aufgeben möchte, hat Barcelona gemeinsam mit der Ex-Raucher-sind-unaufhaltsam“-Kampagne der EU-Komission (www.exsmokers.eu) das „Quit-Smoking-with-Barca“-Programm gestartet. Mehr Informationen dazu und alles zur FCB iCoach App findet Ihr unter www.quitsmokingwithbarca.eu/de-de

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