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„Real Madrid ist die Mafia“ - Sir Alex Ferguson und seine Privatfehde mit den „Blancos“

Manchester Uniteds Trainer war eine Zeit lang überhaupt nicht gut auf den spanischen Spitzenklub zu sprechen. Grund war vor allem das Real-Buhlen um Cristiano Ronaldo.

Manchester/Madrid. Er beschimpfte sie als „Pack“, nannte sie „die Mafia“ und verkündete, er würde ihnen „nicht einmal einen Virus“, geschweige denn Cristiano Ronaldo verkaufen. Einmal empörte er sie sogar mit einer Anspielung auf die Verbindung zum Franco-Regime: Die Hassliebe zwischen Sir Alex Ferguson und Real Madrid war auf dem absoluten Tiefpunkt.

Zwischen 2008 und 2009 verachtete Manchester Uniteds Trainer den spanischen Klub. Er war verärgert und genervt wegen des penetranten, offenen Werbens um seinen Superstar Cristiano Ronaldo. Mehrfach wurde eine Einigung Reals mit dem Portugiesen in spanischen Zeitungen verkündet. Madrids damaliger Präsident Ramon Calderon lancierte eine Medien-Kampagne, um den Weltfußballer von 2008 nach Spanien zu losten - schließlich war dies eines seiner Wahlversprechen im Jahr 2006 gewesen.

Die „Blancos“ wussten, dass Ronaldo in seiner Kindheit ein Real-Fan gewesen war und dass er nun von einem Wechsel ins „Santiago Bernabeu“ träumte. Doch je mehr Madrid Druck machte, desto entschiedener wehrte sich Ferguson. Es folgten heftige Wortwechsel und verbale Attacken in den Medien. Ferguson wählte harte Worte und er griff Real an, wie er zuvor noch keinen anderen Verein angegriffen hatte. Es war ernst.

So war es allerdings nicht immer gewesen. Denn Fergusons erste Begegnung mit dem spanischen Rekordmeister versetzte ihn in Staunen. Als 18-Jähriger galt er bei St. Johnstone als talentierter Stürmer und er war unter den 135.000 begeisterten Zuschauern, die in Schottlands Nationalstadion „Hampdens größtes Spiel“ schauten: Madrids sensationelles 7:3 im Europapokalfinale 1960 gegen Eintracht Frankfurt.

FERGUSONS STREIT MIT REAL MADRID 2008/09
24. Mai 2008
„Man gewöhnt sich daran, an Madrids Verhalten in diesen Dingen. Ich lese von Calderon, der großspurige Aussagen tätigt von wegen die Sklaverei sei abgeschafft. Naja, haben sie das Franco mal erzählt? Jesus Christus! Geben sie mir eine Pause... Große Klubs, Klubs mit großer Moral wie der FC Barcelona, haben eine viel größere Moral als sie Real Madrid je haben wird.“
     
1. Juni 2008
„Ich hatte einige Meetings mit den Glazers. Ihre Einstellung lautet: 'Zur Hölle mit denen!' Sie setzen einen Spieler ohne Probleme auf die Tribüne. Kein Zweifel, sie tun das, um einen Standpunkt zu verdeutlichen. Um diesen Leuten nicht nachzugeben. Sie haben Eier, das kann ich ihnen sagen. Und was das angeht, habe ich vor ihnen Respekt.“
     
18. Dez 2008
„Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass wir mit diesem Pack in Kontakt stehen, oder? Ich würde denen nicht einmal einen Virus verkaufen.“
     
16. Mai 2009
„Nachdem Barcelona Real Madrid mit 6:2 abgeschossen hat, haben unsere Spieler zu Cristiano gesagt, dass er dort wohl als Innenverteidiger spielen soll.“

Jahre später war Ferguson vom majestätischen Madrid, angeführt vom großen Alfredo Di Stefano, fasziniert. Und als der Schotte im Trainerjob die große Bühne betrat, da schloss sich im Mai 1983 der Kreis. Mit dem Außenseiter FC Aberdeen triumphierte er im Endspiel des Europokals der Pokalsieger gegen das von Di Stefano trainierte Real.

Dann, im Jahr 2000, schied der damalige Titelverteidiger United in einem epischen Viertelfinale gegen Vicente Del Bosques Madrid aus. Der 3:2-Sieg der Spanier im Rückspiel wird wohl ewig wegen des famosen Hackentricks von Fernando Redondo in Erinnerung bleiben. Vor jenen Duellen sprach Ferguson in höchsten Tönen von den „Blancos“, besonders wenn er sich an die große Mannschaft der 1960er Jahre erinnerte: „Die Menschen reden von Juventus, Internazionale, Milan und Barcelona. Aber für mich ist Real Madrid das Größte überhaupt.“

Ein wenig von dieser Nostalgie scheint bei Ferguson wieder Einkehr gehalten zu haben. Denn er erklärte noch am Dienstag, Madrid und United seien die größten Vereine der Welt. Am Ende der Ronaldo-Saga wusste Ferguson, dass er seinem Starspieler auf dem Weg zum Blancos-Traum nicht dauerhaft im Weg stehe konnte. Außerdem pflegt der Schotte ein glänzendes Verhältnis zu Reals Trainer Jose Mourinho. Mit ihm wird er sich vermutlich auf ein, zwei Gläser Wein treffen, wenn beide Mannschaften das Rückspiel in Manchester bestreiten.

Als er sich die Präsidentschaft bei Real nach Calderons Rücktritt zurückgeholt hatte, ließ Florentino Perez folgendes verlauten: „Wenn ich wählen müsste zwischen der Freundschaft zu Manchester United und der Verpflichtung Cristiano Ronaldos, dann nähme ich das Erstere.“

Der schwerreiche Bauunternehmer bekam am Ende beides. Es lief ähnlich ab wie bei Kaka. Auch mit ihm war sich Real frühzeitig einig. Calderons arrogante Art verhinderte die Deals jedoch und erst Florentinos Charme-Offensive trug dann Früchte. Die beiden Stars heuerten im Sommer 2009 in Spaniens Hauptstadt an.

„Fergusons Haltung ist lockerer, denn er pflegt glänzende Beziehungen zu (Cristiano) Ronaldo und (Jose) Mourinho“

- Greg Stobart, Goal.com UK Korrespondent

„Man sollte im Hinterkopf haben, dass Ferguson ein großer Geschichtskenner und überzeugter Sozialist ist - daher rühren auch seine Kommentare zu Franco in der Vergangenheit“, erläutert Korrespondent Greg Stobart von Goal.com UK.

„Ihn beschlich außerdem das Gefühl, Real habe Gabriel Heinze nur verpflichtet, um Ronaldo den Wechsel noch schmackhafter zu machen. Die beiden waren sehr gute Freunde bei United. Ronaldo rannte sogar mehrfach zur Bank, um nach einem Tor mit dem Argentinier zu jubeln“, so Stobart weiter. „Seine Haltung ist nun lockerer, und er hat sich positiv über Real geäußert. Er pflegt glänzende Beziehungen zu Mourinho und Ronaldo. In Wahrheit findet er das, wofür Real Madrid steht, abstoßend. Egal, was er in der Öffentlichkeit nun an Lobhudelei von sich gibt.“

Als überzeugter Sozialist hat er große Probleme mit Reals rechter Vergangenheit. Mourinho, Ronaldo und Perez haben aber dafür gesorgt, dass das Verhältnis einigermaßen gekittet wurde. Wenn es allein um Fußball geht, dann ist Ferguson auch nach wie vor von den großen Real-Teams der Vergangenheit angetan. Man sollte ihn nur nich nach Ramon Calderon fragen.

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