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Real Madrids Trainer Jose Mourinho trifft am Mittwoch auf seinen guten Freund Sir Alex Ferguson. Allerdings wird er den Schotten wohl nicht bei Manchester United beerben.

Madrid/Manchester. Kaum jemand dürfte vergessen haben, wie die faszinierenden Beziehung zwischen Jose Mourinho und Manchester United ihren Lauf nahm: Damals, als er mit dem FC Porto 2004 die Ferguson-Mannen aus der Champions League schmiss und jubelnd in seinem Anzug über den Rasen des „Old Trafford“ rutschte.

Vieles hat sich verändert. Mourinho wurde zu einem Held der britischen Medien, verkörperte er doch die perfekte Kombination aus Talent und Charisma. Er bewies seine Fähigkeiten als Coach des FC Chelsea und gewann mit den Londonern in drei Jahren zwei Premier-League-Titel, einen FA Cup und zweimal den Ligapokal.

Zu jener Zeit dominierte er auch Sir Alex. Dessen Bilanz gegen Mourinho steht bei nur zwei Siegen in 14 direkten Duellen mit dem Portugiesen.

EINSCHÄTZUNG AUS SPANIEN

MOU AUF SCHMALEM GRAT
Alberto Pinero | Goal.com Spanien

Mourinhos Job bei Real Madrid ist weit davon entfernt, sicher zu sein. Früher waren es die Medien oder gegnerische Trainer, die seinen Zorn zu spüren bekamen. Nun hat er eine Grenze überschritten und sich auch mit seinen Spielern angelegt. Casillas, Ramos, Özil, Di Maria, Marcelo und sogar Ronaldo hatten ihre Unstimmigkeiten mit Mourinho. Seine Verhältnis zu den Fans ist angeknackst, es gab mehr als einmal in dieser Saison Konfrontationen.
 
Die Unruhe außerhalb des Rasens wird durch die Resultate noch verstärkt. Real spielt eine katastrophale Saison. 16 Punkte beträgt der Rückstand auf Barca. In Champions League und Copa del Rey ist der Titel jeweils noch möglich. Der Glaube daran ist in Spanien allerdings nicht ausgeprägt.

Gewinnt er keinen Titel, wird Mourinho nicht noch ein Jahr auf der Bank im „Bernabeu“ Platz nehmen dürfen.
Das Verhältnis zwischen den beiden Trainern hat sich seit 2004 deutlich verbessert. So sehr, dass der selbsternannte „Special One“ einer von zwei bevorzugten Kandidaten Fergusons für die eigene Nachfolge wurde. Die Teile dieses komplexen Puzzles passen indes nicht ganz zusammen.

Durch die miesen Ergebnisse Reals in den letzten Monaten ist Mourinhos Aktie gesunken. Ferguson auf der anderen Seite denkt trotz seiner 71 Jahre noch nicht ans Aufhören. Er hat angekündigt, noch zwei oder drei Jahre weitermachen zu wollen, während er im Moment mit United auf den 20. Meistertitel zusteuert.

Der Schotte ist stets mit einem Ein-Jahres-Vertrag unterwegs und er wird bei seinem Erben die entscheidende Stimme haben. Goal.com hatte im vergangenen Jahr enthüllt, Mourinho und der künftige Bayern-Coach Pep Guardiola seien seine Wunschkandidaten.

„Es ist schwierig mit Namen, denn der Fußball ist enorm schnelllebig“, erklärte Ferguson noch im Januar. „Wir könnten nun über einen hochtalentierten, richtig guten, jungen Coach sprechen. Aber wird der in zwei Jahren noch da sein?“

„Ich denke, Top-Trainer werden immer gefragt sein. Guardiola, Mourinho, David Moyes, es gibt viele erfolgreiche Trainer da draußen. Ich kenne ihre Pläne nicht und ich habe keine Ahnung, wo sie in zwei, drei Jahren sein werden“, so Ferguson weiter.

Die Antwort auf den letzten Punkt lautet in Mourinhos Fall „nicht bei Real Madrid“. Und so wie die Dinge stehen auch nicht bei Manchester United.

Sir Alex ist ein großer Bewunderer von Mourinhos Fähigkeiten. Eine Meinung, die in der Führungsetage des englischen Rekordmeisters nicht unbedingt geteilt wird. Führungskräfte bei United haben Bedenken, was die Außendarstellung und Transferwünsche des extrovertierten Trainers angeht.

„Es gibt dieses Gefühl, dass es mit Jose mehr um ihn als um Manchester United geht“, verriet eine Quelle aus dem Klub Goal.com. „Sir Alex hat immer diese Balance angestrebt. Eine Führungsstärke, die nicht auf Kosten der Tradition des Vereins geht und Dinge wie das Eingliedern junger Spieler nicht vernachlässigt.“

In Madrid soll sich Mourinhos Verhältnis zu Präsident Florentino Perez ebenso verschlechtert haben, wie die Beziehung zu weiten Teilen der Mannschaft. Vor allem jene zu Kapitän Iker Casillas, den er in dieser Saison zwischenzeitlich für zwei Partien auf die Bank gesetzt hatte.

Er wird außerdem als Gegenteil zum langfristig angelegten Projekt der Mannschaftsbildung gesehen, das Ferguson während seiner 26-jährigen Amtszeit stets verfolgt hat. Mourinho ist ein „Quick-Fix-Manager“, der pragmatisch spielen lässt und seinem Klub eine Mannschaft hinterlässt, die über ihren Zenit hinaus ist.

Mourinho müsste in Manchester zudem die finanziellen Rahmenbedingungen akzeptieren. Den Klub drücken 350 Millionen Pfund (etwa 410 Millionen Euro) Schulden. Große Transfers und eine horrendes Gehalt für ihn selbst wären nicht machbar. Im Moment ist er mit einem Jahressalär in Höhe von rund 14 Millionen Euro der bestbezahlte Coach der Welt. Mou verdient mehr als das Doppelte von dem was Ferguson einstreicht.

Ob Mourinho nun ins „Old Trafford“ passt oder nicht: Beide verbindet eine besondere Beziehung und das wird so bleiben. Ganz egal, wo der Portugiese landet, sobald seine Zeit in Madrid abgelaufen ist.

Als der amtierende spanische Meister in der Gruppenphase der Champions League bei Manchester City antreten musste, trafen sich Ferguson und Mourinho im  Lowry Hotel zu einer Tasse Tee. Und seit die Auslosung für das Achtelfinale ihnen ein direktes Duell bescherte, loben sich die beiden stets in höchsten Tönen.

„Ich hatte zu ihm immer ein fantastisches Verhältnis und darauf bin ich stolz“, verkündete Mourinho bei MUTV, während er sich am Sonntag Uniteds Match gegen Everton anschaute. „Natürlich will ich gewinnen. Er will auch gewinnen. Aber ich glaube, der Verlierer wird ein kleines bisschen happy für den anderen sein. Es ist das Spiel, auf das die Welt wartet.“
MOURINHOS BILANZ BEI REAL MADRID
SP S U N ET KT SIEG%
155 112 24 19 415 136 72

Vor dem Hintergrund des Loblieds auf Ferguson, gibt es einige Fragezeichen was die Zukunft des 50-Jährigen angeht.

Es gilt als sicher, dass der Ex-Chelsea-Manager Madrid am Ende dieser Spielzeit verlassen wird. Es ist seine dritte Saison in der spanischen Hauptstadt und in der Liga beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter FC Barcelona 16 Punkte.

Mourinho muss alles auf die Karte Champions League setzen. Er jagt „La Decima“, den zehnten Titel für Real in Europas größtem Klubwettbewerb.

Er hat Stress mit einige Schlüsselspielern der „Blancos“, darunter Casillas und Star-Verteidiger Sergio Ramos. Außerdem ist zwischen ihm und einem Großteil der Fans viel Porzellan zu Bruch gegangen und auch mit lokalen Medien hat er sich mehrfach angelegt.

Er mag Barcelona letzte Saison den Titel in La Liga entrissen haben. Doch ein Ausscheiden im Achtelfinale der Königsklasse gegen United dürfte bereits seine Entlassung bedeuten.

Kein Wunder, dass sein Agent Jorge Mendes bereits Kontakt zu möglichen künftigen Arbeitgebern aufgenommen hat. Mourinho hat dabei nie einen Zweifel daran gelassen, eines Tages in die Premier League zurückkehren zu wollen.

Chelsea, City und United gelten allesamt als mögliche Stationen, dazu gesellt sich Paris Sain-Germain. Inters ehemaliger Trainer deutete mehrfach an, er wolle bei United dem Mann nachfolgen, den er ehrfürchtig nur den „Boss“ nennt.

United-Legende Sir Bobby Charlton, der bei noch immer als Direktor im Vorstand des Klubs sitzt, deutete im Vorjahr an, dass Mourinho nicht der Trainertyp sei, der irgendwann auf Ferguson folgen soll: „Mourinho ist ein wirklich guter Trainer. Mehr möchte ich zu ihm allerdings wirklich nicht sagen. Für meinen Geschmack polarisiert er zu sehr. Er bleibt aber ein guter Manager.“

Aber wird er auch der nächste United-Manager? Die Erfüllung dieses Traums wirkt weit entfernt.

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